Wohngesundheit steigern: Kennzeichen für ökologische Baustoffe

Einen Großteil der Zeit unseres Lebens verbringen wir heute in geschlossenen Räumen. Ganz egal ob im Büro, in Geschäften oder auch zu Hause wird es dabei immer wichtiger, für eine gesunde Atmosphäre zu sorgen. Denn nur so können wir die Zeit trotz der zunehmenden Anzahl an Allergien auch wirklich genießen. In immer dichteren Gebäuden spielt dabei schon die Auswahl von Baustoffen und Möbeln eine wichtige Rolle. Was die Wohngesundheit eigentlich ist und wie Gütesiegel dabei helfen, ökologische und unbedenkliche Materialien für Bau und Einrichtung zu finden, erfahren Sie in den folgenden Abschnitten.

Wohngesundheit – Was ist das eigentlich?

Bis zu 20 Stunden am Tag verbringen wir heute im Inneren von Gebäuden, die durch dicke Dämmung und dichte Gebäudehüllen immer effizienter werden. Während die luftdichte Bauweise dafür sorgt, dass so wenig kalte Außenluft wie möglich in das Gebäude gelangt, reduziert sie auch die natürliche Belüftung. Anders als bei alten Gebäuden können Schadstoffe, Gerüche oder im Haus entstehende Feuchtelasten nur eingeschränkt reguliert werden. Die Folge: Ohne technische Maßnahmen wie zum Beispiel eine Lüftungsanlage reichert sich die Luft im Inneren der Gebäude mit Schadstoffen an, die Allergien auslösen und den Alltag zu einer echten Herausforderung machen können. Gleichzeitig steigt das Schimmelrisiko durch Feuchte, die zum Beispiel beim Waschen, Reinigen oder ganz einfach von Pflanzen abgegeben wird.

Bei der Wohngesundheit geht es darum, eine gesundheitlich unbedenkliche Wohn-Atmosphäre zu schaffen, die all die genannten Punkte ausschließt. Zu hohe Feuchtelasten und Schadstoffkonzentrationen sollen dabei wirksam beseitigt bzw. von Beginn an vermieden werden.

Wie kann eine hohe Wohngesundheit erreicht werden?

Bei einer steigenden Anzahl von Allergien wird das Thema Wohngesundheit heute immer wichtiger. Denn nur, wenn bei Neubau- und Sanierungsprojekten darauf geachtet wird, die Schadstoffbelastung in geschlossenen Räumen auf ein Minimum zu reduzieren, bleiben Symptome wie ständig laufende Nasen, Kopfschmerzen oder Atembeschwerden aus.

Um eine hohe Wohngesundheit zu erreichen, müssen Sie jedoch schon zu Beginn der Planung einige Punkte beachten:

  • Alle Baustoffe und Möbel sollten ökologisch und gesundheitlich unbedenklich sein.
  • Um Schadstoffe, Gerüche oder Feuchtelasten optimal zu regulieren, sollten Sie eine ausreichende Belüftung einplanen. Eventuell ist dabei eine zentrale oder dezentrale Lüftungsanlage notwendig.
  • Durch die Auswahl der richtigen Dämmstoffe sowie wärmebrückenfreie und dichte Konstruktionen des Gebäudes muss das Schimmelrisiko bereits bei der Planung auf ein Minimum reduziert werden.

Welche Gütesiegel stehen für ökologische Baustoffe?

Geht es um die Auswahl von Baustoffen, Farben, Bodenbelägen oder Einrichtungsgegenständen, helfen Gütesiegel dabei, Schadstoffe zu vermeiden. Denn diese kennzeichnen Produkte, die in der Regel nachhaltig, ökologisch und gesundheitlich unbedenklich sind. Darüber hinaus geben sie meist auch Aufschluss über die Inhaltsstoffe verschiedener Bauprodukte, was vor allem Allergiker zu schätzen wissen.

Im Folgenden geben wir einen Überblick über die wichtigsten Bauprodukte-Gütesiegel für eine hohe Wohngesundheit.

Der Blaue Engel – Gütesiegel für umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen

Der Blaue Engel ist das Umweltkennzeichen der Bundesregierung und wird in Deutschland schon seit 1978 vergeben. Es zeichnet besonders umweltfreundliche Produkte aus und soll diese für Verbraucher erkennbar machen. Einen Überblick über die zahlreichen Produkte, die mit dem Blauen Engel ausgezeichnet sind, finden Sie auf blauer-engel.de.

Das IBR-Prüfsiegel – Auszeichnung gesundheitlich unbedenkliche Baustoffe

Das IBR-Prüfsiegel, das vom Institut für Baubiologie Rosenheim GmbH vergeben wird, verfolgt das Ziel, Menschen vor gesundheitlichen Schäden aus ihrem Wohnumfeld zu schützen. Das Siegel wird dabei nach einer intensiven Laborprüfung für Bauprodukte wie Bodenbeläge, Dämmstoffe oder Wandbeschichtungen vergeben. Einen Überblick der Hersteller, die IBR-geprüfte Produkte anbieten, finden Sie auf baubiologie-ibr.de

Das natureplus-Gütesiegel – Kennzeichen für ökologische und gesunde Bauprodukte

Das natureplus-Umweltzeichen, das vom Internationalen Verein für zukunftsfähiges Bauen und Wohnen natureplus e.V. vergeben wird, steht für Bauprodukte, die aus nachwachsenden oder mineralischen Rohstoffen bestehen, klimaschonend produziert werden und gesundheitlich völlig unbedenklich sind. Ausgezeichnet werden dabei nur Produkte, die die strengen gesundheitlichen Vorsorgegrenzwerte einhalten. Einen Überblick über die zertifizierten Gütesiegel finden Sie auf natureplus-database.org.

Im Interview für unseren Blog berichtete Thomas Schmitz  Geschäftsführer des natureplus e.V. – über das Siegel sowie seine Anforderungen und gab wertvolle Tipps für eine hohe Wohngesundheit.

Das TÜV-Siegel „Schadstoffgeprüft“ – Zertifikat für schadstoffgeprüfte Produkte

Das Prädikat „TÜV-geprüft“ symbolisiert generell eine hohe Qualität verschiedenster Produkte und Dienstleistungen. Mit dem Siegel „Schadstoffgeprüft“ vergibt das Institut auch ein Siegel zur Zertifizierung von Produkten, von denen keine bekannten Gefährdungen ausgehen. Während der Zusatz „Allergikergeeignet“ dabei für noch strengere Grenzwerte steht, sichern regelmäßige Stichproben eine anhaltend hohe Qualität.

Das GUT-Teppich-Siegel – Kennzeichen für nachhaltige und gesunde Bodenbeläge

Das GUT-Siegel für Teppichböden wird von der Gemeinschaft umweltfreundlicher Teppichboden e. V. vergeben und soll die Nachhaltigkeit von Produktions- und Recyclingprozessen der Teppichherstellung steigern sowie Mensch und Umwelt größtmöglichen Schutz bieten. Vergeben wird es für Teppichböden, deren Restabfälle wiederverwertet werden können, die eine reduzierte Luftbelastung aufweisen und die sich positiv auf die Wohngesundheit auswirken.

Die IBU-Umweltproduktdeklaration – Gütesiegel für Umweltverträglichkeit des gesamten Produkts

Einen ganz anderen Weg gehen die Umweltproduktdeklarationen (EPDs) des Instituts für Bauen und Umwelt e.V. Denn diese betrachten Bauprodukte ganzheitlich. In die Bewertung fließen dabei die Umweltauswirkungen des gesamten Lebenszyklus eines Produktes mit ein. Neben Grundstoffen, Herstellungsprozessen oder der Umweltverträglichkeit werden dabei auch bauphysikalische Eigenschaften berücksichtigt. Insgesamt ermöglichen die EPDs eine einfache Zertifizierung ökologischer Gebäude. Einen Überblick über veröffentlichte Umweltproduktdeklarationen finden Sie auf ibu-epd.com.

Die Übersicht zeigt nur eine Auswahl der aktuell verfügbaren Gütesiegel für Bauprodukte. Bereits die hier aufgeführten ermöglichen es aber, die richtigen Produkte zu finden, um eine hohe Wohngesundheit gewährleisten zu können.

Alexander Rosenkranz
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