Wärmebrücken: Wie entstehen sie? Wie kann man sie verhindern?

Haben Sie sich schon einmal darüber gewundert, dass die Oberflächentemperatur in einer Raumecke deutlich höher ist, als die der angrenzenden Wände? Dieses Phänomen tritt häufig auf und ist der Grund dafür, dass sich Schimmel meist in solchen Raumecken bildet. Die Ursache: Gebäudekanten und Gebäudeecken sind geometrisch bedingte Wärmebrücken.

Eine Wärmebrücke ist ein Bauteil, über das mehr Wärme durch die Gebäudehülle gelangt, als über die angrenzenden Bauteile. Durch den erhöhten Wärmeabfluss in der kalten Jahreszeit sinkt im Bereich des Bauteils auch die innere Oberflächentemperatur, was mehrere Folgen haben kann. Zum einen nimmt die Wohnbehaglichkeit ab. Die kalten Oberflächen strahlen weniger Wärme ab, stattdessen wird dem Bewohner mehr Strahlungswärme entzogen, was er als Zug wahrnimmt.

Probleme und Schäden durch Wärmebrücken

Um dem Phänomen entgegenzuwirken, wird dann oft die Heizung hochgedreht, so dass der Energieverbrauch zusätzlich zum erhöhten Wärmeabfluss über die Wärmebrücke noch einmal steigt. Dem Institut für Wohnen und Umwelt IWU zufolge treten die lästigen Zugerscheinungen nicht auf, wenn die Temperaturdifferenz zwischen Raumluft und mittlerer innerer Oberflächentemperatur unter drei Grad Celsius bleibt.
Eine weitere Folge der niedrigeren inneren Oberflächentemperatur im Bereich einer Wärmebrücke kann die Bildung von Schimmel sein. Denn wenn warme Luft auf eine kalte Fläche trifft, kann sich Tauwasser bilden. In Verbindung mit Staub und Tapetenkleister bietet diese Feuchtigkeit den idealen Nährboden für gesundheitsschädliche Schimmelpilze. Experten zufolge sollte daher die Oberflächentemperatur der Innenwände auch an Kanten und Gebäudeecken nie kleiner als 12 Grad Celsius sein.

Wärmebrücken verhindern

Bei der Dämmung eines Gebäudes gilt es also Wärmebrücken zu vermeiden. Sie führen zu einem erhöhten Energieverbrauch und können im Extremfall sogar die Bausubstanz schädigen, wenn nämlich ein Bauteil über einen längeren Zeitraum durchfeuchtet ist.
Grundsätzlich lassen sich geometrisch bedingte und konstruktive Wärmebrücken unterscheiden. Geometrische Wärmebrücken werden zum Beispiel dort gebildet, wo Raumecken kleine Innen- und große Außenflächen haben. Die wärmeaufnehmende Innenfläche ist hier kleiner als die wärmeabgebende Außenoberfläche.

Wärmebrücke SkizzeKonstruktive Wärmebrücken entstehen, wenn Materialien mit hoher Wärmeleitfähigkeit ein Außenbauteil mit besserem Wärmeschutz durchstoßen oder wenn ein Teil einer Außenwand dünner ausgeführt wird als der Rest – etwa in Heizkörpernischen. Eine typische und noch dazu sehr starke Wärmebrücke bei Altbauten sind etwa Balkone, die als thermisch nicht entkoppelte auskragende Stahlbetonplatten ausgeführt sind. Die Dämmung der Gebäudehülle wird durch die Stahlbetonplatte, die Wärme sehr gut leitet durchbrochen. Ebenfalls häufig sind Geschossdecken aus Beton, die bis an die Außenhülle geführt sind.

Außendämmung als Lösung

Am zuverlässigsten beseitigen lassen sich Wärmebrücken durch eine lückenlose, hochwertige Außendämmung. Das ist im Falle der auskragenden Stahlbetonbalkone allerdings nicht ganz einfach. Hier dürfte die Abtrennung der Balkonteile die beste Lösung sein, wobei der Balkon dann anschließend völlig getrennt von der Fassade vor das Gebäude gestellt wird. Eine andere Lösung sind speziell gedämmte Trägerelemente an der Fassade.

Wichtig ist, dass die Außendämmung wirklich lückenlos erfolgt, denn jede Lücke stellt wieder eine Wärmebrücke dar. Besonders häufig sind fehlerhafte Fensteranschlüsse. Zwischen Fensterrahmen und Außendämmung sollte keine Lücke bleiben. Am besten wird die Fensterlaibung ebenfalls gedämmt.

Um sicher zu gehen, dass durch eine Dämmmaßnahme sämtliche Wärmebrücken beseitigt worden sind, bietet sich eine Thermografieaufnahme an. Die Thermografie macht Wärmelecks mit einer speziellen Wärmebildkamera sichtbar. Übrigens haben dem Verband Privater Bauherren (VPB) zufolge über 70 Prozent aller Neubauten in Deutschland energetische Mängel. Die Thermografie ist also nicht nur etwas für sanierte Altbauten.

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