Treppen & Treppengeländer: Planen, bauen & pflegen (Teil 2)

Der Bau eines Hauses erfordert in der Regel vorher einige grundsätzliche Überlegungen seitens der Bauherren. Ein wichtiger Teil davon ist die Verbindung der einzelnen Stockwerke. Deren notwendige Erschließung erfolgt über Treppen. Im ersten Teil unser Treppen-Serie haben wir grundsätzliche Überlegungen und die einzelnen Bauarten vorgestellt.

Treppen werden unterschieden nach Ihrer Bauart, nach den Materialien, die zum Bau verwendet werden, und nach der Nutzung.

Hier erfahren Sie die möglichen Ausführungen der Treppen für Ihr Bauvorhaben und deren Vor- und Nachteile.

Eine Alleskönnerin: Die Treppe aus Holz

Üblicherweise werden Ihnen heutzutage von Bauträgern die Treppen bestehend aus einem 2-läufigen Holm mit Auftrittsstufen in Holz angeboten. Der Treppenholm besteht aus einem Stahlrohr (Vierkantrohr), die Eckverbindungen sind geschweißt. In den allerhäufigsten Fällen wird diese Treppe als halb-gewendelte Treppe ausgeführt. Das bedeutet, beim Steigen der Treppe beginnt man mit der Antrittsstufe, der Aufstieg erfolgt dann in einem Halbkreis oder Oval mit gewendelten Stufen und die Austrittsstufe endet dann wieder am Podest des darüberliegenden Stockwerkes.

Planung in der Bauzeichnung

In Ihrer Bauzeichnung wird das als Pfeil mit dem Pfeilschaft als „Lauflinie“ dargestellt. Dieser Pfeil ist gezeichnet mit dem hinteren, „gefiederten“ Ende – das ist der Antritt der Treppe, also immer das untenliegende Geschoss – und der Pfeilspitze, häufig dargestellt mit einem spitzwinkeligen Dreieck, das ist der Austritt im obenliegenden Geschoss. Entlang dieser gezeichneten Lauflinie wird die Treppe bezeichnet, und zwar wie folgt:

18 (Anzahl der Stufen) x 18 (Auftrittshöhe) / 27 (Auftrittsbreite), also 18×18/27 = Steigungsverhältnis

Sicherheit und Schallentkopplung

Die Absturzsicherung – also das Treppengeländer – ist für diese Art von Treppen als Gitter mit senkrechten Stäben ausgeführt. Diese Gitter werden exakt neben den Stufen angebracht und reichen im Regelfall vom Fußboden bis zur Decke. Aufgrund der Form des Geländers wird diese Ausführung der Umwehrung des Treppenraumes als „Harfe“ – damit ist wirklich das Musikinstrument gemeint! – bezeichnet. Wir haben nun ein Stahlgerüst aus Vierkantrohren mit waagerechten Holzstufen darauf und das Geländer, das den Treppenraum gegen den Treppenflur oder das Podest absichert.

Es fehlen jetzt noch zwei wesentliche Teile, um diese Art der Treppe zu vervollständigen:

Ein Handlauf, das ist die Stange, die ca. 90cm über den Stufen verläuft und an der sich der Bewohner oder Besucher festhält, wenn er die Treppe hochsteigt. Dieser besteht in der Regel aus einem Rundrohr mit einem Durchmesser von circa 30 mm, damit die Hand das Rohr fest umschließen und auch Kraft übertragen werden kann.

Dazu kommt ein Abschlusswinkel, der die Stirnkante und den Rand des Treppenpodestes verdeckt. Das Treppenpodest besteht nämlich aus verschiedenen Materialien (Schichten), nämlich von oben nach unten mit dem folgenden Aufbau der Fußbodenkonstruktion:

  • Oberbodenbelag, der zumeist aus Parkett, Laminat, Linoleum oder Fliesen besteht,
  • Estrich, Tragschicht für den Oberboden mit evtl. Fußbodenheizung eingebaut,
  • Dämmschicht bestehend aus Wärmedämmung und Trittschalldämmung,
  • Deckenkonstruktion – Betonplatte oder Holzbalkendecke,
  • Deckenuntersicht aus Verputz oder Gipskartonplatten oder ähnlichen Materialien.

Da dieser Konstruktionsaufbau zur Vermeidung von Schallübertragung getrennt bleiben muss, ist die seitliche Abdeckung mit dem Stahlwinkel erforderlich.

Natürlich ist dieses Treppenkonstrukt schalltechnisch von allen anderen Bauteilen getrennt, damit kein Körperschall übertragen werden kann. Dies geschieht mit Elastomere-Lagern. Der Treppenlauf ist also „schallentkoppelt“, damit Schritte auf den Stufen nicht im ganzen Haus zu hören sind. Der Luftschall, der entsteht, wenn der Fuß auf die Holzplatte der Auftrittsstufe trifft, wird immer zu hören sein. Er kann nur durch die Auswahl des Schuhwerkes beeinflusst werden.

Treppenplanung: Vermeidung von Schallübertragung

Ein Kostenfaktor: Die Treppe aus Beton

Eine andere Art Ihrer Treppe ist die Ausführung in Beton. Diese kann vor Ort – also auf der Baustelle – geschalt und gegossen werden. Häufiger wird jedoch der Treppenlauf im Fertigbetonwerk bestellt und mit dem Baukran eingehoben. Sie müssen also die Entscheidung rechtzeitig treffen, nämlich noch vor Beginn Ihres Hausbaus. Die Wahl des Baukranes hängt davon ab. Besprechen Sie das mit Ihrem Bauunternehmer oder holen Sie sich Rat vom Fachmann. Ein Autokran ist teuer. Beachten Sie bei der Auswahl des Anbieters, dass Sie die Treppe als Fertigteil in Sichtbeton-Ausführung erhalten. Das bedeutet, die Treppe muss nicht verputzt werden. So sparen Sie bares Geld.

Wandelbar wie die Holztreppe

Die Rohtreppe in Betonausführung, die selbstverständlich auch schallentkoppelt eingebaut wird, ermöglicht Ihnen eine große Auswahl der Stufenbeläge. Es kann Holz, Fliesen, Naturstein oder auch Textilbelag verlegt werden.

Sie haben hier die Beläge unterteilt in Trittstufen und Setzstufen. Trittstufen sind die waagerechten Beläge, Setzstufen die senkrechten. An der Wand werden Sockel verlegt. Beachten Sie allerdings bitte dabei, dass der Austritt – also die die letzte Stufe – schon die Kante des Podestes ist. Sie müssen daher die „Stufe“ im Podestbelag einfügen, wenn Sie die Treppe sicher begehen wollen. Das Gehirn gaukelt Ihnen sonst das vorzeitige Ende des Treppenlaufes vor und Sie fallen.

Die Art der Treppen erfordert natürlich auch eine Absturzsicherung, das heißt ein Geländer. Dieses ist in verschiedenen Materialien möglich. Wenn Sie das Geländer als Balustrade ausführen, aus Mauerwerk in Trockenbau, Glas oder aus Beton – so eine halbhohe Wandscheibe begrenzt häufig Balkone, Dachterrassen und ähnliches –, benötigen Sie dazu einen Handlauf.

Wenn Sie das Geländer in Stahl ausführen, dann ist der obere Abschluss normalerweise als Handlauf ausgeführt. Und denken Sie daran – Geländer sind eine Absturzsicherung. Der Abstand zwischen den senkrechten Geländerstäben darf nur 12 cm betragen!

Herbert A. Wolf

Herbert A. Wolf: Nach Realschule, Berufsausbildung, Fachabitur, Studium Bauingenieurwesen ca. 40 Jahre Tätigkeit als Bauleiter im Hochbau für verschiedene Architektur- und Ing.-Büros. Dabei Neubauten erstellt, Renovierungen durchgeführt. Ausführungs- und Detailplanung für die Belange Bau und Ausbau, Organisation sowie Führung von Baustellen. Baumaßnahmen im Sakralbau, außerdem Wohn- und Geschäftsbauten, Verwaltungsbauten und Krankenhausbau ausgeführt.
Herbert A. Wolf

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