Thermische Behaglichkeit – wohliges Klima durch Heizung & Lüftung

Geht es um die Sanierung eines Hauses, haben viele Hausbesitzer das Ziel, die monatlichen Energiekosten zu senken. Ein positiver Nebeneffekt ist aber auch die Steigerung der thermischen Behaglichkeit – dem sogenannten Wärmewohlbefinden. Denn mit einer Sanierung werden Maßnahmen durchgeführt, die nicht nur die Wärmeverluste reduzieren, sondern auch unangenehme Zugluft stoppen oder für eine ausgeglichene Temperaturverteilung im Raum sorgen. Was thermische Behaglichkeit eigentlich ist, was sie bringt und wie sie auch mit kleinen Ausgaben verbessert werden kann, erfahren Sie in den folgenden Abschnitten.

Was ist thermische Behaglichkeit überhaupt?

Die thermische Behaglichkeit symbolisiert das Wohlbefinden eines Menschen in Abhängigkeit der Wechselwirkung mit dem umliegenden Raum. Sie berücksichtigt zum Beispiel das Temperaturniveau, die Strahlungsintensität, die Feuchteverhältnisse oder Luftströmungen in einem Raum und ist somit auch ein Qualitätsmerkmal für Heizungs- und Lüftungsanlagen.

Bei der thermischen Behaglichkeit geht es jedoch nicht darum, alle genannten Einflussfaktoren in einem Raum auf den Punkt genau einzustellen, sondern ein Wohnklima zu schaffen, das für viele Menschen als angenehm empfunden wird. Dargestellt werden kann das zum Beispiel in einer Grafik.

Grafik: Thermische Behaglichkeit, Raumlufttemperatur und Luftfeuchtigkeit

Das Behaglichkeitsfeld symbolisiert die thermische Behaglichkeit in Abhängigkeit von Temperatur und relativer Luftfeuchte. Abbildung: Alexander Rosenkranz

Das sogenannte Behaglichkeitsfeld zeigt dabei, wie sich Temperatur und Luftfeuchte im Raum einstellen müssen, um ein angenehmes, gesundes und komfortables Klima zu schaffen, indem niemand schwitzt oder friert. Bei normaler Bekleidung und einer ruhigen Betätigung – typisch für den Alltag im eigenen Zuhause – ist die thermische Behaglichkeit bei einer Raumlufttemperatur von 20 bis 22 Grad Celsius und einer relativen Luftfeuchte von 40 bis 50 Prozent am höchsten.

Was ist wichtig für eine hohe thermische Behaglichkeit?

Wie bereits beschrieben ist die thermische Behaglichkeit eine Empfindung, die von verschiedenen Einflussfaktoren abhängt. Ein hohes Wärmewohlbefinden kann dabei nur dann erreicht werden, wenn alle in einem als angenehm empfundenen Bereich liegen. Ein Beispiel: Ist die relative Feuchte in einem Raum optimal eingestellt, die Lufttemperatur aber deutlich unter 20 Grad Celsius, wird es schnell zu kalt und ungemütlich. Liegen jedoch beide Werte im richtigen Bereich, werden sich voraussichtlich viele Menschen wohlfühlen – die thermische Behaglichkeit ist dann besonders hoch.

Einige der einflussreichsten Faktoren auf die thermische Behaglichkeit sind:

  • die Temperaturunterschiede zwischen Luft und Umgebungsflächen,
  • thermische Strömungen und Zugluft durch Undichtigkeiten in der Gebäudehülle,
  • zu hohe oder zu niedrige Luftfeuchtigkeit,
  • Gerüche und Schadstoffe in der Luft.

Thermische Behaglichkeit durch gleichmäßige Temperaturverteilung steigern

Die gefühlte Temperatur in einem Raum setzt sich aus verschiedenen einzelnen Temperaturen zusammen. Neben der Lufttemperatur wirken dabei vor allem die Oberflächen von Wänden, Fenstern, Decken oder Fußböden auf Menschen. Denn sie alle strahlen Wärme ab und befinden sich dabei ständig in einer Wechselwirkung mit dem Körper. Unterscheiden sich die jeweiligen Temperaturen dabei zu stark, fühlt man sich unbehaglich.

Für eine hohe thermische Behaglichkeit sollten folgende Bedingungen eingehalten werden:

  • Der Temperaturunterschied zwischen Luft und dem Mittel der Oberflächen sollte nicht größer als 4 Grad Celsius sein.
  • Der Temperaturunterschied zwischen Boden und Kopf sollte 3 Grad Celsius nicht überschreiten.

Bei einer Sanierung – egal ob als Einzelmaßnahme oder im Komplettpaket – sollten Hausbesitzer dabei auf einige Dinge achten. Werden Heizkörper verwendet, sollten diese der Breite des Fensters entsprechen und möglichst direkt darunter installiert werden. Denn so strömt die warme Luft der Heizkörper an der Außenwand nach oben und wirkt der kalten Oberflächentemperatur alter Fenster entgegen. Ohne diese Maßnahme würde sich die Raumluft am kalten Fenster abkühlen und nach unten fallen – ein unangenehmer kalter Luftzug, der die thermische Behaglichkeit deutlich verringern kann.

Optimale Verhältnisse schaffen auch Fußbodenheizungen. Denn diese bringen die Wärme über große Flächen in den Raum. Das führt zum einen zu ausgeglichenen Temperaturverhältnissen, zum andern aber auch zu Energieeinsparungen. Denn Fußbodenheizungen geben Strahlungswärme gleichmäßig in den Raum ab. Ohne zu frieren, kann die Lufttemperatur dabei um einige Grad Celsius herabgesenkt werden. Das schafft eine hohe thermische Behaglichkeit und senkt die Heizkosten – je Grad Celsius im Durchschnitt um 6 Prozent.

Mehr über Flächenheizungen lesen Sie hier.

Zugluft stoppen und thermische Behaglichkeit erhöhen

Eine kalte Luftströmung – die sogenannte Zugluft – kann nicht nur die thermische Behaglichkeit erheblich stören, sondern auch zu schmerzhaften Folgen führen. Nämlich dann, wenn die kalte Luft ununterbrochen auf Rücken oder Genick trifft – unangenehme Verspannungen sind dabei nicht selten.

Zugluft in einer Wohnung hat meist drei Ursachen. Die erste – abkühlende Luft an kalten Fensteroberflächen – haben wir bereits im vorangegangenen Abschnitt beschrieben. Sie können mit der richtigen Dimensionierung der Heizflächen ausgeglichen werden. Wichtig hierbei:

  • Heizkörper sollten in der Breite der Fenster unter den Fenstern installiert werden.
  • Fußbodenheizung unter großen Fensterflächen sollten im Randbereich enger verlegt werden.

Eine zweite Ursache für Zuglufterscheinungen sind Undichtigkeiten an der Gebäudehülle. Diese treten meist an Fenstern oder Drempelwänden im Dachgeschoss – den Wänden, die in gleicher Orientierung an eine Dachschräge grenzen – auf und können durch bauliche Maßnahmen verhindert werden. Durch das Nacharbeiten der Bauteilanschlüsse oder den Austausch der Fenster steigt aber nicht nur die thermische Behaglichkeit – durch niedrigere Wärmeverluste sinken auch die Heizkosten.

Mehr über neue Fenster lesen Sie hier.

Hinweis: Wird mehr als ein Drittel der Fenster in einem Haus ausgetauscht oder wird mehr als ein Drittel der Dachfläche abgedichtet, kann es dazu kommen, dass Einfamilienhäuser Schadstoffe und Feuchtigkeit im Raum selbst nicht mehr ausreichend regulieren können. Um Schimmel und unbehagliche Zustände zu vermeiden, muss dabei geprüft werden, ob eine Lüftungsanlage notwendig ist. 

Die dritte Ursache für unangenehme Zugluft in einer Wohnung ist oft eine falsch eingestellte Lüftungsanlage. Wenn die Luftauslässe der technischen Anlagen genau auf den Aufenthaltsbereich gerichtet sind, wird das in der Regel als unangenehm empfunden. Abhilfe schafft hier nicht das Zukleben der Öffnungen – die sind wichtig, um die Schadstoffe und Gerüche aus dem Haus zu beseitigen und das Gebäude vor Schimmel zu schützen – sondern eine richtige Einstellung. Ein Fachmann kann das in der Regel mit wenigen Handgriffen erledigen.

Angenehmes Wohnklima durch optimale Luftfeuchtigkeit

Die Luftfeuchtigkeit wirkt sich direkt auf die thermische Behaglichkeit aus. Denn während eine zu hohe relative Feuchte schnell zum Schwitzen führt, sorgt ein zu niedriger Wert für Staub und einen trockenen Hals.

Als optimal empfinden viele Menschen eine Raumluftfeuchte von 40 bis 50 Prozent. Ein einfaches Hygrometer gibt schnell Aufschluss darüber, ob Maßnahmen notwendig sind. Während bei zu geringer Feuchtigkeit manchmal schon ein Schälchen Wasser über der Heizung hilft, kann die richtige Feuchte auch über Be- oder Entfeuchter sichergestellt werden.

Frische Luft für eine hohe thermische Behaglichkeit

Vor allem in modernen und energieeffizienten Gebäuden wird das richtige Lüften immer wichtiger. Denn durch die hohe Luftdichtheit, die über hochwertige Fenster und eine dichte Folie an der Innenseite der Wärme umschließenden Hüllflächen erreicht wird, können Schadstoffe, Feuchtelasten und Gerüche oft nicht mehr von selbst reguliert werden. Während eine hohe Luftfeuchte dabei Schimmel verursachen kann, wirken sich schlechte Gerüche direkt auf die Behaglichkeit aus.

Eine Möglichkeit, die thermische Behaglichkeit zu steigern und ständig optimale Luftverhältnisse zu schaffen, ist die Installation einer Lüftungsanlage. Diese saugt verbrauchte Luft aus dem Raum und ersetzt sie durch frische Außenluft. Mit einer Einrichtung zur Wärmerückgewinnung kann das sogar die Heizkosten senken. Denn diese nutzt die Restwärme der warmen Abluft zum Vorheizen der kalten Außenluft. Im Winter kann die Außenluft dabei von -14 Grad Celsius bereits auf über 10 Grad Celsius vorgewärmt werden, ohne die Heizung zu belasten.

Ohne eine mechanische Lüftungsanlage ist das regelmäßige Stoßlüften über die Fenster heute viel wichtiger als jemals zuvor. Kleine Warngeräte, die ständig den CO2-Gehalt der Luft messen, helfen Hausbesitzern dabei, an das regelmäßige Öffnen der Fenster zu denken.

Mehr zum Thema Lüftungskonzept lesen Sie hier.

Vor allem von Herbst bis Frühling verbringen Menschen viel Zeit in ihren Wohnungen. Mit den richtigen Maßnahmen werden Komfort und Wohlbefinden dabei oft deutlich erhöht. Positiver Nebeneffekt sind dabei nicht selten sinkende Heizkosten.

Alexander Rosenkranz
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