Steuererklärung für das Handwerk – das sollten Sie als Selbstständiger beachten

Als Handwerker sind Sie verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Aber auch ohne eine Verpflichtung ist es ratsam, denn Sie können Kosten steuerlich geltend machen. Ihre Ausgaben, die vom Finanzamt anerkannt werden, mindern Ihren Gewinn. Und nur dieser Gewinn wird zur Berechnung der Steuer veranlagt.

Für Ihre Umsätze müssen Sie Umsatzsteuer zahlen, die Sie jedoch von Ihren Kunden einnehmen können. Somit stellt die Umsatzsteuer für Sie keine zusätzliche Belastung dar. Sie wird häufig als durchlaufender Posten bezeichnet, weil Sie die Beträge einnehmen und dann an das Finanzamt abführen. Diesen Posten listen Sie in der Umsatzsteuererklärung auf.

Ob Sie als Handwerksbetrieb bilanzieren müssen oder Ihre Einnahmen und Ausgaben in einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung darlegen können, ist von Ihrem jährlichen Gewinn beziehungsweise Umsatz abhängig. Achten Sie darauf, dass Sie die Steuerklärung rechtzeitig abgeben. Andernfalls kann das Finanzamt Verzugszinsen verlangen, die empfindlich hoch sein können. Unter der Vorlage bestimmter Voraussetzungen ist es möglich, eine Fristverlängerung zu beantragen.

Abgabetermin für die Steuererklärung

Der verbindliche Abgabetermin für die Steuererklärung ist der 31. Mai 2018. Dies wird sich im kommenden Jahr ändern. Ab der Steuererklärung für das Jahr 2018 haben Sie bis zum 31. Juli eines jeden Kalenderjahres für die Abgabe Zeit. Wenn Sie sich von einem Steuerberater bei der Erstellung der Erklärung unterstützen lassen, können Sie die Steuererklärung für das Jahr 2017 bis zum 31. Dezember 2018 abgeben. Auch diese Frist wird sich im kommenden Jahr verschieben, und zwar auf den 28. Februar des übernächsten Jahres. Dies wäre für die Steuererklärung 2018 dann der 28. Februar 2020.

Beantragung einer Fristverlängerung für die Steuererklärung

Grundsätzlich ist es möglich, die Frist für die Abgabe der Steuererklärung verlängern zu lassen. Dies gilt für Privatpersonen, aber auch für Ihren Handwerksbetrieb. Der formlose Antrag auf eine Verlängerung des Abgabezeitraums muss vor dem Ablauf der Frist beim Finanzamt eingegangen sein. Dies ist für die Gewährung einer verlängerten Frist in der Regel notwendig. Wenn Sie als Handwerker Ihre Steuererklärung allein fertigen, bekommen Sie eine Verlängerung bis zum 31. September 2018. An spezielle Gründe ist die Gewährung der verlängerten Abgabefrist nicht gebunden.

Ermittlung des Gewinns

Steuerpflichtig sind nicht Ihre Umsätze, sondern nur der Gewinn. Damit dieser als Grundlage für die Berechnung der Steuer herangezogen werden kann, müssen Sie eine Gewinnermittlung durchführen. Dafür gibt es im deutschen Steuerrecht zwei Möglichkeiten. In der einfachen Variante geben Sie eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung ab. Dazu füllen Sie die Anlage EÜR aus. Auf dieser stellen Sie Ihre Einnahmen den Ausgaben gegenüber. Dies ist deutlich einfacher, wenn Sie sich im Verlauf des Jahres bereits darauf vorbereiten. Sorgen Sie für eine gute Buchführung, die Sie als Einzelunternehmer oder mit wenigen Mitarbeitern allein bewältigen können. Es gibt eine Vielzahl an guten Buchführungsprogrammen, die Sie bei dieser Arbeit unterstützen. Im Rahmen der Buchführung bekommen Sie gleichzeitig verschiedene Steuerspartipps für Ihren Handwerksbetrieb. So erfahren Sie, welche Kosten Sie geltend machen können. Wichtig ist es, dass Sie alle Belege sammeln, denn diese kann das Finanzamt zur Einsicht fordern.

In der Anlage zur Einnahmen-Überschuss-Rechnung stellen Sie Ihre Einnahmen den Ausgaben gegenüber und der offene Betrag ergibt den Gewinn. Fällt dieser positiv aus, werden Ihre Steuern danach berechnet. Bei einem negativen Gewinn bekommen Sie vom Finanzamt Steuern zurück. Sollte Ihnen dies in mehreren aufeinanderfolgenden Jahren passieren, kann das Finanzamt von Ihnen einen Nachweis verlangen, dass Sie mit Ihrem Betrieb eine Gewinnerzielungsabsicht verfolgen. Ein positiver Gewinn sollte deshalb immer das Ziel sein.

Wichtig zu wissen: Wenn Ihr Gewinn unter einem Betrag von 9.000 EUR liegt, zahlen Sie keine Steuern, da Sie die steuerliche Freigrenze nicht überschritten haben.

Verpflichtung zur Bilanzierung

Die Gewinnermittlung durch eine Bilanzierung ist deutlich aufwendiger als die Erstellung einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Als Handwerker sind Sie verpflichtet, eine Bilanzierung zu erstellen, wenn:

  • Ihr jährlicher Gewinn über einem Betrag von 60.000 EUR liegt oder
  • Ihr jährlicher Umsatz über einem Betrag von 600.000 EUR liegt

Dabei reicht es aus, wenn eines dieser Ereignisse eingetreten ist. Bei der Bilanzierung, die auch als doppelte Buchführung bezeichnet wird, sind recht komplexe Vorschriften zu beachten, sodass Sie die Hilfe eines Buchhalters oder eines Steuerberaters in Anspruch nehmen sollten.

Abgabe der Erklärung zur Umsatzsteuer

Wenn Sie als Handwerker der Umsatzsteuerpflicht unterliegen, sind Sie verpflichtet, eine Erklärung über die Vereinnahmung und die Abfuhr der Umsatzsteuer abzugeben. Diese legen Sie Ihrer Steuererklärung für das Handwerk bei. Wenn Sie eine Verlängerung der Frist für die Abgabe der Steuererklärung erreicht haben, muss dies nicht zwingend die Erklärung zur Umsatzsteuer einschließen. Die Finanzämter sind bei der Erklärung zur Umsatzsteuer sehr penibel und können diese schon früher verlangen.

Zur Vereinnahmung von Umsatzsteuer sind Sie verpflichtet, wenn Sie nicht nach § 19 UStG als Kleinunternehmer gelten. Dies ist der Fall, wenn:

  • Ihr Gewinn im ersten Geschäftsjahr über 17.500 EUR liegt und/oder
  • Ihr Gewinn in den folgenden Geschäftsjahren 50.000 EUR übersteigt.

Beachten Sie jedoch, dass sich die Kleinunternehmerregelung für Sie mitunter negativ auswirken kann, da oftmals der Eindruck entsteht, dass Sie mit Ihrem Unternehmen nicht sehr erfolgreich sind. Jeder Geschäftspartner weiß sofort, dass sich Ihr Gewinn unter dem gesetzlich vorgeschriebenen Betrag bewegt.

Authentifizierung der Umsatzsteuererklärung

Seit einigen Jahren schreiben die Finanzämter vor, dass die Erklärung über die Umsatzsteuer ausschließlich auf elektronischem Weg abzugeben ist. Dafür erstellen Sie über das Portal ELSTER einen Account zur sicheren Übermittlung Ihrer Daten. Die Daten können Sie aus Ihrer Buchhaltung direkt weiterleiten.

Die Möglichkeit, eine Erklärung für die Umsatzsteuer in Papierform abzugeben, ist nur noch in Ausnahmefällen und auf Antrag möglich. Wenn Sie dies wünschen, ist es wichtig, dass Sie sich mit Ihrem Finanzamt im Verbindung setzen.

Steuertipps für die Steuererklärung im Handwerk

Wichtig ist, dass Sie im Jahresverlauf alle Belege für Ihre Ausgaben sammeln. Wenn Sie nicht genau wissen, ob eine Ausgabe vom Finanzamt anerkannt wird, reichen Sie diese dennoch ein. Im Zweifelsfall kommt eine Nachfrage und die Ausgabe wird akzeptiert oder abgelehnt.

Da die meisten Ausgaben nicht pauschal, sondern nur auf Beleg anerkannt werden, ist es wichtig, dass Sie das Einreichen nicht versäumen. Andernfalls kann die Steuerersparnis vom Finanzamt nicht anerkannt und bei der Berechnung der von Ihnen zu zahlenden Steuer berücksichtigt werden.

 

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