Sommerlicher Wärmeschutz – angenehme Kühle trotz Sommerhitze

Nicht mehr lange und die schönste Zeit des Jahres beginnt – der Sommer. Während es draußen immer wärmer wird und die Temperaturen zum Baden einladen, heizen sich viele Gebäude unangenehm auf. Vor allem Häuser mit einem hohen Wärmeschutz sind dabei ohne technische Unterstützung nur schwer zu kühlen. Abhilfe schaffen Maßnahmen zum sommerlichen Wärmeschutz, denn diese beugen dem Überhitzen von vornherein vor. Wie das funktioniert und welche Maßnahmen den sommerlichen Wärmeschutz ermöglichen, erfahren Sie in den folgenden Abschnitten.

Warum heizen sich moderne Gebäude schnell auf?

Scheint die Sommer-Sonne durch die Fenster, bringt sie viel Wärme in Wohn- und Schlafräume. Während das im Winter sogar die Heizung unterstützen kann, sorgt es im Sommer eher für Unbehagen. Denn vor allem energieeffiziente Häuser mit einem hohen Wärmeschutz lassen sich ohne Klimaanlage nur schwer kühlen. Grund dafür ist die Dämmung, die nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer dafür sorgt, dass die Wärme in den eigenen vier Wänden bleibt.

Was ist sommerlicher Wärmeschutz?

Maßnahmen zum sommerlichen Wärmeschutz haben die Aufgabe, die Sonneneinstrahlung zu verringern und dem starken Aufheizen von Gebäuden vorzubeugen. Einfachstes Beispiel dafür sind die massiven Holz-Fensterläden an Häusern in südlichen Ländern wie Spanien oder Italien. Diese sind von morgens bis abends geschlossen und verhindern, dass die mit den Sonnenstrahlen transportierte Wärme in die Wohnräume gelangt.

Mit immer weiter steigenden Anforderungen an die Gebäude-Energieeffizienz legt auch die bei Neubau und Sanierung geltende Energieeinsparverordnung (EnEV) Kriterien zum sommerlichen Wärmeschutz fest. Diese sollen den Energiebedarf für Kühlung und Klimatisierung verhindern und werden in der DIN 4108 geregelt.

Ausschlaggebend für die Wirkung der Maßnahmen zum sommerlichen Wärmeschutz sind folgende Faktoren:

  • Raumgröße und -Abmessung
  • Fenstergröße, -Anzahl und -Orientierung
  • Qualität der Verglasung
  • Sonnenschutz über Rollläden, Jalousien oder Vorhänge
  • Bauphysikalische Eigenschaften des Gebäudes
  • Wärmequellen im Gebäude
  • Lüftungsverhalten der Gebäudenutzer

Architektur schafft sommerlichen Wärmeschutz

Je höher die Anforderungen an die Energieeffizienz moderner Häuser sind, desto wichtiger wird es, alle Komponenten ganzheitlich zu betrachten. Während das bei einer Sanierung oft nur eingeschränkt funktioniert, sollte bei Neubauten auch auf eine energieoptimierte Gebäudeplanung geachtet werden. Neben Anzahl, Größe und Orientierung der Fenster wirkt sich dabei auch die Laibung – die senkrechten und horizontalen Mauerwerksflächen rings um das Fenster – auf den sommerlichen Wärmeschutz aus. Je tiefer diese ist, desto weniger Sonne strahlt direkt auf das Fenster. Ähnlich wirken auch auskragende Bauteile wie Balkone oder Vordächer. Denn beide stehen der hochstehenden Sommersonne im Weg und werfen großflächige Schatten auf die Fenster.

Die folgende Abbildung verdeutlicht den Effekt.

Sonnenschutz im Sommer und Wärmegewinn im Winter

Bildquelle: © Alexander Rosenkranz

Auch die Wahl der passenden Wand-Baustoffe kann sich auf den sommerlichen Wärmeschutz auswirken. Denn je schwerer die Gebäudehüllflächen ausgeführt werden, desto mehr Wärme können sie zwischenspeichern. Das Ergebnis: Der Temperaturanstieg im Inneren wird verlangsamt. Ein typisches Beispiel für diesen Effekt ist der Vergleich eines Gartenhauses mit einer Kirche. Denn während es durch besonders dicke Wände in der Kirche bis in den Sommer hinein angenehm kühl bleibt, steigt die Temperatur in einem Gartenhaus schon an einem einzigen Sonnentag stark an.

Das passende Fensterglas beugt hohem Aufheizen vor

Neben der Konstruktion von Fenstern und Maueröffnungen kann auch die Verglasung selbst zu einem wirkungsvollen sommerlichen Wärmeschutz beitragen. Ausschlaggebend dafür, wie gut das funktioniert, ist der sogenannte g-Wert oder Energiedurchlassgrad. Dieser gibt an, wie viel Wärme tatsächlich durch das Fenster gelangt. Moderne Fenster erreichen heute einen g-Wert von 0,6. Das heißt, dass 60 % der Energie der auftreffenden Strahlung auch in das Rauminnere gelangen. Der übrige Anteil wird entweder direkt reflektiert oder vom Fenster absorbiert. Die nebenstehende Grafik verdeutlicht den Effekt.

Hinweis: Während ein niedriger g-Wert im Sommer dabei hilft, die eigenen vier Wände vor zu starkem Aufheizen zu schützen, reduziert er im Winter Wärmegewinne, die sogar die Heizkosten senken können. Bei der Auswahl der passenden Verglasung sollte daher zwischen Sommer- und Winterfall abgewogen werden.

Künstliche Verschattung für sommerlichen Wärmeschutz

Neben einer energieoptimierten Gebäudearchitektur können auch nachträglich installierte Komponenten für die notwendige Verschattung sorgen. Bei einer Sanierung eignen sich dabei zum Beispiel Rollos, Jalousien oder Vorhänge. Dabei gilt: Außen liegende Verschattungseinrichtungen wirken meist besser als innen liegende. So erreichen zum Beispiel außen liegende Lamellen einen Abminderungsfaktor von 25 %. Das heißt, nur 25 % der auftreffenden Strahlungsenergie gelangen tatsächlich auch in das Gebäudeinnere. Die folgende Tabelle zeigt die Abminderungsfaktoren verschiedener Verschattungseinrichtungen im Vergleich.

Abminderungsfaktoren unterschiedlicher Verschattungseinrichtungen

Bildquelle: © Alexander Rosenkranz

Hinweis: Der Abminderungsfaktor gibt an, wie viel der auf eine Fläche treffenden Strahlungsenergie durch diese hindurchgelangt. Gut ist der Wert dabei, je kleiner er ist. Ein Abminderungsfaktor von 100 % besagt, dass eine Fläche 100 % der auftreffenden Energie hindurchlässt.

Aktives Lüften unterstützt die Temperierung von Gebäuden

Neben den Maßnahmen an der Gebäudehülle kann auch ein aktives und geplantes Lüftungsverhalten vor zu hohen Temperaturen in den eigenen vier Wänden schützen. Möglich wird das zum Beispiel nachts, wenn die Außentemperatur unter das Niveau der Raumtemperatur fällt. Während die Wirkung bei manueller Fensterlüftung nur langsam auftritt, kann der Effekt durch eine maschinelle Lüftungsanlage erhöht werden. Denn diese durchspült die Räume mit einem höheren Luftvolumen und kann so auch mehr Wärme abtransportieren.

Je effizienter ein Gebäude ist, desto wichtiger werden Maßnahmen zum sommerlichen Wärmeschutz. Denn diese beugen steigenden Temperaturen im Haus vor und gewährleisten ein hohes Wohlbefinden. Neben einer energieoptimierten Architektur- und Raumplanung trägt auch die Wahl der richtigen Baustoffe, die Installation von Verschattungseinrichtungen oder gezieltes Lüften zum sommerlichen Wärmeschutz bei. 

Alexander Rosenkranz

Alexander Rosenkranz (28 J.) ist Gründer von energie-wortwende.de und war als Co-Gründer an der Entwicklung der Sanierungsplattform eccuro beteiligt. Verständliche Informationen und eine motivierende Kommunikation sind für ihn der Schlüssel für den nachhaltigen Erfolg der Energiewende.
Alexander Rosenkranz

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