So beugen Sie einem Wohnungseinbruch vor

Leider ist das Thema der Wohnungseinbrüche aktueller denn je – die Anzahl der Delikte steigt seit einigen Jahren stetig an, und für 2015 wird ein neuer Höchststand erwartet. Allein im letzten Jahr kam es zu 152.000 versuchten und tatsächlichen Einbrüchen. Wir haben deshalb die neuesten Statistiken in Deutschland für Sie zusammengefasst, darunter einige Fakten, die Sie sicherlich verblüffen werden. Außerdem erklären wir in diesem Beitrag, welche Vorkehrungen Sie treffen können, um Einbrechern das Leben schwer zu machen. Die meisten Straftaten werden nämlich von Gelegenheitseinbrechern verübt, die bei unerwarteten Widerständen schnell den Rückzug antreten.

Infografik Wohnungseinbruch in Deutschland

Quelle: Polizeiliche Kriminalprävention

Das Klischee vom nächtlichen Besucher

In den Sommerferien wird häufig gemahnt, die Wohnungen vor der Fahrt in den Urlaub für Einbrecher so unattraktiv wie möglich zu machen und so bewohnt wie möglich aussehen zu lassen. Dabei finden in den Sommermonaten tendenziell die wenigsten Einbrüche statt – zwischen Mai und September sind es monatlich höchstens 8% des Jahreswerts. Deutlich höher liegt die Quote in den dunklen Monaten von Oktober bis Januar, im Dezember ist sie mit 16,9% mit Abstand am höchsten und fast viermal so hoch wie im Juli (vgl. Einbruchreport der deutschen Versicherungswirtschaft).

Ein Großteil der Einbrüche findet außerdem tagsüber statt. Zumindest in Ihrer Nachtruhe sollten Sie sich also nicht durch die Angst vor einem Einbruch stören lassen. Zwischen 10 und 20 Uhr ist die Gefahr eines Einbruchs mit 71,1% ungleich größer als zwischen 22 und 8 Uhr (14,9%). Die Straftäter haben es auf die Zeiten abgesehen, in denen die Bewohner tendenziell weniger zu Hause sind. Zugang erhalten sie dabei in den meisten Fällen über Eingangstüren, Fenstertüren und Fenster, wobei die Eingangstüren besonders in Mehrfamilienhäusern gefährdet sind und Fenster und Fenstertüren in Einfamilienhäusern die Haupteinstiegsquellen ausmachen. Ein minimaler Anteil aller Einbrüche geschieht über Keller- und Garagentüren sowie Keller- und Dachfenster.

Unachtsamkeit verstärkt das Risiko

Zur Erhöhung Ihrer Sicherheit trägt nicht nur die neueste Technik bei, sondern auch Ihr Verhalten. Wenn Sie ein paar Grundregeln beachten, bevor Sie außer Haus gehen, wird ein Einbrecher es schon deutlich schwerer haben:

  • Schließen Sie die Fenster ganz, lassen Sie sie nicht gekippt stehen.
  • Verschließen Sie die Haustür immer zweimal, auch wenn Sie nur kurz fort sind.
  • Informieren Sie die Polizei, wenn Sie auf Ihrem oder dem Nachbargrundstück verdächtige Tätigkeiten beobachten. Viele Einbrüche können über eine aufmerksame Nachbarschaft verhindert werden.
  • Tagsüber geschlossene Rollläden signalisieren Abwesenheit. Lassen Sie sie nur für die Nacht herunter.
  • Legen Sie den Schlüssel zur Wohnungstür nicht außerhalb Ihrer Wohnung ab. Erfahrene Einbrecher finden diese Verstecke.

Wie kann ich meine Wohnungstür verstärken?

Der Einbau einer neuen Wohnungstür kann sinnvoll sein, wenn die alte schon allein durch körperliche Gewalt aufgebrochen werden kann. Die Einbruchssicherheit der Haustür wird nach der sogenannten Widerstandsklasse (RC, „resistance class“) bemessen. Die Widerstandsklasse bezieht sich immer auf das gesamte Bauteil. Je höher diese Klasse, desto schwerer haben es Einbrecher, sich Zugang zu Ihrem Heim zu verschaffen. Die Widerstandsklassen reichen von RC 1 N (Schutz gegen körperliche Angriffe) bis RC 6 (Schutz gegen Winkelschleifer mit über 250mm Scheibendurchmesser für 20 Minuten). Empfohlen wird mindestens die Widerstandsklasse RC 2 N, die dem Zugriff mit einfachen Werkzeugen einige Zeit standhält. Ihre örtliche Polizeidienststelle oder Ihr Versicherer geben Ihnen darüber hinaus Auskunft über das Einbruchsrisiko in Ihrer Gegend und empfehlen Ihnen eine sinnvolle Widerstandsklasse.

Daneben gibt es jede Menge Erweiterungen für Tür und Schloss, die im Nachhinein eingebaut werden können. Türrahmen und Schließbleche sollten nicht einfach aufzuhebeln, das Türblatt robust gegen mögliche Angriffe sein. Besonders wichtig ist das Nachrüsten mit einem einbruchhemmenden Schloss (vgl. die Liste der geprüften und zertifizierten Einsteckschlösser der Polizei). Diese Umbauten sollten Sie jedoch dringend von einem Fachmann vornehmen lassen, damit kein Sicherheitsrisiko an Ihrer Tür übersehen wird.

Tipps zur Fenstersicherung

Ebenso wie bei den Türen wird auch bei Fenstern die Gesamtkonstruktion einer Widerstandsklasse zugeordnet. Wie können Sie aber außerdem verhindern, dass ein Einbrecher durch ein Fenster eindringt? Es gibt verschiedene weitere Maßnahmen, die vor allem in Kombination einen optimalen Schutz ermöglichen:

  • Einbruchhemmende Beschläge und abschließbare Fenstergriffe

Es geht einfach, schnell und leise: Das Aufhebeln ist das beliebteste Mittel für einen Einbruch über das Fenster. Um sich davor zu schützen, hilft es nur, die normalen Fensterbeschläge gegen einbruchhemmende Beschläge auszutauschen. Das Aufbrechen der Fenster dauert nun statt wenigen Sekunden mehrere Minuten. Ein Gelegenheitseinbrecher gibt gewöhnlich in dieser Zeit bereits auf. In Verbindung damit kann ein abschließbarer Fenstergriff installiert werden, der gegen das besonders unsanfte Vorgehen schützt, dass die Scheibe eingeschlagen und der Fenstergriff von außen gedreht wird. Ein nützlicher Nebeneffekt besteht darin, dass Kinder die Fenster nicht in einem kurzen Moment der Unachtsamkeit öffnen können.

  • Sicherheitsfolie

Sicherheitsfolie sorgt dafür, dass die Fensterscheibe trotz Splitterung zusammenhält und ihre Form bewahrt. Selbst mehrere Angriffe nacheinander kann sie abwenden. Sie wird von innen auf der Scheibe angebracht und schränkt die Sicht nicht ein. Pro Quadratmeter ist Sicherheitsfolie schon ab 10€ zu haben.
In diesem Video wird Ihnen die Festigkeit von Sicherheitsfolie unterschiedlicher Dicke vorgeführt:

  • Alarm

Ein probates Mittel, um Einbrecher in die Flucht zu schlagen, ist die Installation einer Alarmanlage. Diese macht sich bemerkbar, sobald sie verdächtige Bewegungen registriert. Neueste Technologien erlauben außerdem Sensoren, die den Eigentümer außerdem sofort über Einbruchsversuche informieren.

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Sebastian Frenzel

Content Manager bei entscheider.com
Von 2015 bis 2017 schrieb Sebastian Frenzel für den Blog von Meister.de. Ihn verbindet seit jeher seine Vorliebe fürs Basteln, Probieren und Reparieren mit dem Heim- und Handwerken.
Er arbeitet heute als Content- und Social-Media-Manager bei entscheider.com.
Sebastian Frenzel

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