Smart Home kommt langsam in Gang

Das Interesse an Smart-Home-Technologien ist groß. Das zeigte zuletzt die Studie „Ready for Take-off? – Smart Home aus Konsumentensicht“ der Technologieberatung Deloitte und der Technischen Universität München. Danach sorgt vor allem der Kundenwunsch nach zusätzlicher Sicherheit und höherem Komfort für Interesse an der intelligenten Heimvernetzung. Mit konkreten Kaufentscheidungen halten sich viele aber noch zurück. Laut Statista Digital Market Outlook (DMO) wird die Zahl der deutschen Smart-Home-Haushalte bis 2020 von gegenwärtig 300.000 auf 2,4 Millionen steigen. Damit bleibt der hiesige Smart-Home-Markt angesichts einer Gesamtzahl von über 40 Millionen Haushalten überschaubar. Zum Vergleich: In den USA werden dem DMO zufolge bis 2020 rund 18,6 Prozent aller Haushalte Smart Homes sein.

Startschwierigkeiten in Deutschland

Ein Grund dafür, dass der Markt trotz durchaus vorhandenem Kundeninteresse nicht so richtig in Gang kommt, könnte die Unübersichtlichkeit der Angebote sein. Die Vielfalt der Komponenten und Übertragungstechniken ist groß, selbst Fachleute sind mit der Vernetzung des Smart Home häufig noch überfordert. Um den Massenmarkt zu erreichen, müssen die Smart-Home-Hersteller den Start in die Heimvernetzung jedoch so einfach wie möglich gestalten – und die Systeme müssen erschwinglich sein.

Rückenwind erhält die Branche von der Politik. Denn mit der jüngsten Novelle der Energieeinsparverordnung (EnEV) ist die Gebäudeautomation verbindlicher Bestandteil der energetischen Bewertung von Gebäuden geworden. Allerdings sind die Mindestanforderungen der EnEV 2014 an die Gebäudeautomation nicht besonders hoch. Sie werden heutzutage bereits von fast jedem Neubau ohne zusätzliche Anstrengungen erfüllt.

Deutlich stärker ist allerdings der Anreiz der neuen KfW-Förderung „Altersgerecht Umbauen“. Seit Ende Oktober 2014 übernimmt die Förderbank hier 10 Prozent der Investitionskosten auch für Smart-Home-Systeme. Neben dem Einbau von Antrieben und Steuerungen für Rollläden, Jalousien, Fenster, Türen und Tore beteiligt sich die KfW an automatischen Lösungen bei Beleuchtung, Heizung, Klima und Sicherheitstechnik.

Verschiedene Systeme im Überblick

Grundsätzlich unterscheidet man bei der Heimvernetzung leitungsgebundene Systeme wie KNX oder auch die Powerline-Technologie, die die Stromleitungen im Haus für die Datenübertragung nutzt, und auf Funktechnologie basierende Systeme. Letztere ermöglichen es, vergleichsweise einfach und preiswert intelligente Funktionen im Gebäudebestand nachzurüsten. Bekannte Beispiele sind Fenstersensoren, die einem signalisieren, ob ein Fenster auf oder zu ist, so dass die Heimautomationszentrale entsprechende Befehle an die Heizung übermitteln kann: Fenster auf – Heizung aus, Fenster zu – Heizung an. Auch beim Funk gibt es verschiedene Standards: Enocean, ZigBee und ZWave sind die Bekanntesten. Einige Produktanbieter – etwa von Verschattungssystemen oder programmierbaren Heizkörperthermostaten arbeiten jedoch mit komplett selbst entwickelten Kommunikationsprotokollen. Das erschwert es, verschiedene Produkte und Lösungen zu einem umfassenden System für die intelligente Haussteuerung zu vernetzen.

Alles vernetzt

Das intelligente Haus der Zukunft, in dem alle Systeme von der Jalousie bis zur Heizung und vom Licht bis zu den Multimediageräten miteinander vernetzt sind, setzt voraus, dass alle Informationen auf einer zentralen Plattform zusammenfließen, von der aus die einzelnen Komponenten auch gesteuert werden können. Dafür braucht es nicht zwingend einheitlicher Standards. Wohl aber muss sichergestellt sein, dass die Systeme trotz der unterschiedlichen Standards miteinander kommunizieren können.

Diese Mittlerfunktion bei der Vernetzung sollen Plattformen übernehmen, wie sie etwa die EEBus-Initiative oder das Innovationszentrum Connected Living entwickeln. Dabei bezieht die EEBus-Initiative Energieversorger und ihre Netze in die Betrachtung ein: „Als offener Standard soll der EEBus die herstellerunabhängige Kommunikation unterschiedlichster Netzteilnehmer und gemeinsam mit neuen Energiemanagementfunktionalitäten eine energiepolitisch sinnvolle Integration der Verbraucher ermöglichen“, heißt es auf der Webseite des Vereins, der Unternehmen, Verbände und Akteure der deutschen und internationalen Energie- und Elektrowirtschaft vernetzt. Demgegenüber geht es Connected Living mit zahlreichen Mitgliedsunternehmen und -organisationen aus Wirtschaft und Forschung darum, Innovationen rund um die intelligente Heimvernetzung umzusetzen und darauf basierend neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Smarte Steuerung

Einer der Connected-Living-Bausteine für die Heimvernetzung ist das Connected Living Home Control Center, das dem Nutzer einen zentralen Zugang auf die vernetzte Heimumgebung bietet. Eine übersichtliche Benutzeroberfläche präsentiert die angeschlossenen Geräte und bietet intuitive Konfigurations- und Steuerungsmöglichkeiten. Neben den Geräten findet man im Home Control Center die installierten Connected Living Assistenten – die Mehrwertdienste der Heimumgebung wie etwa fertig programmierte Regeln für die Einstellung verschiedenster Geräte in bestimmten Szenarien oder Assistenten für die Erstellung eigener Regeln.

Neben den Hersteller- und Forschungsinitiativen arbeiten einige Unternehmen an eigenen technologieübergreifenden Steuerungslösungen für das Eigenheim. So hat die Deutsche Telekom bereits 2011 auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin eine offene Plattform für Smart Homes angekündigt, die mittlerweile unter dem Namen Qivicon vermarktet wird . Und auch die Technologieriesen Google und Apple haben angekündigt, in den Markt einzusteigen.

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