Moderne Fenster ermöglichen kontrollierte Wärmeregulation

Hochwärmegedämmte Rahmen, eine Zwei- oder Dreifachverglasung mit Edelgasfüllung und thermisch optimierte Dichtungen – diese Komponenten machen moderne Fenster aus, durch die vergleichsweise wenig Wärmeenergie aus der Wohnung entweicht. Im Neubau sind sie Standard, in Bestandsgebäuden finden sich dagegen oft noch die Fenster, die beim Bau eingesetzt wurden und deren energetische Qualität meist zu wünschen übrig lässt. Das gilt besonders für Häuser, die vor der ersten Wärmeschutzverordnung 1977 gebaut wurden, aber auch für spätere Baujahre. „Einen Quantensprung in ihrer Entwicklung hin zur transparenten Hauswand erlebten Fenster erst 1995 dank der Einführung von extrem gut dämmenden Edelgasen im Scheibenzwischenraum“, berichtet Ulrich Tschorn vom Verband Fenster + Fassade (VFF).

Bis 1978, so der Verband in seiner Studie „Mehr Energie sparen mit neuen Fenstern“, wurden hauptsächlich Fenster mit Einfachglas sowie Verbund- und Kastenfenster verbaut. Es folgten bis 1995 Fenster mit unbeschichtetem Isolierglas.

Der U-Wert: Wie viel Energie geht verloren?

Das Maß für den Energieverlust durch ein Fenster ist der sogenannte Uw-Wert (w für window = Fenster). Dieser setzt sich aus den Wärmedurchgangswerten für die Verglasung Ug (g für glazing = Vergalsung) und für den Rahmen Uf (f für frame = Rahmen) zusammen. Einfach verglaste Fenster weisen einen Uw-Wert von 4,7 W/m²K und schlechter aus, moderne Fenster mit Dreischeiben-Wärmedämmglas bringen es dagegen inzwischen auf einen Uw-Wert von 1,1 W/m²K. VFF und Bundesverband Flachglas (BF) rechnen vor, dass bei diesen Werten durch einen Austausch der alten Fenster pro Fenstereinheit jährlich rund 485 Kilowattstunden Energie eingespart würden, das sind 49 Kubikmeter Erdgas.

Klar, dass die Verbände den Austausch der Fenster empfehlen. Doch der ist oft nicht so einfach, bringt er doch in der Regel umfangreiche zusätzliche Baumaßnahmen mit sich, etwa Maßnahmen zur Vermeidung von Wärmebrücken, zur Herstellung einer luftdichten Schicht und zur Umsetzung eines Lüftungskonzepts. Wird hier geschludert, sind Tauwasserausfall und Schimmelpilzprobleme vorprogrammiert. Entgegen so mancher Werbebotschaft gibt es also meist keinen Austausch mit wenig Aufwand und ohne Schmutz.

Feuchtes Fenster mit leichter Schimmelbildung

Wer beides scheut, für den ist vielleicht die Lösung des Konzerns 3M interessant, die von der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz für die Verleihung des Effizienzpreises Perpetuum 2016 nominiert worden ist. Dabei handelt es sich um eine Wärmedämmfolie, die die Dämmwerte von Fenstern, insbesondere bei älteren Doppel- und Einfachverglasungen, deutlich verbessern soll, ohne dass neue Glassysteme eingebaut werden müssen. Aufgrund der geringen Tönung ist die Folie kaum sichtbar, so dass Aussehen und Charakter einer Fensterfront erhalten bleiben. Ab März soll das Produkt erhältlich sein.

Der G-Wert: Wie viel Energie nimmt das Fenster auf?

Neben dem U-Wert ist der G-Wert eine wichtige Größe, wenn es um die energetische Beurteilung von Fenstern geht. Durch Fenster geht nämlich nicht nur viel Wärme verloren, es wird auch Wärme gewonnen, was im Winter durchaus gewünscht ist, im Sommer aber schnell zum Problem werden kann. Eine typische Zweifach-Wärmedämmverglasung lässt 54 Prozent der senkrecht auftreffenden solaren Einstrahlung direkt hinein. Weitere 8 Prozent davon wärmen die innere Glasscheibe auf, die dann durch Wärmestrahlung und Konvektion am Ende ebenfalls die Raumluft erwärmt.

Im Beispiel beträgt der „Gesamtenergiedurchlassgrad“ (g) 54 % + 8 % = 62 %, immer bezogen auf den Glasanteil des Fensters – der Rahmen bleibt bei dieser Betrachtung außen vor. Zum Vergleich: der G-Wert einer unbeschichteten Einfachverglasung beträgt etwa 90 %, der einer Dreifach-Wärmedämmverglasung rund 50 bis 60 %.

Ausblick: Schaltbares Glas auf dem Vormarsch

Den Spagat zwischen möglichst hoher solarer Wärmeeinstrahlung im Winter und Schutz vor zu viel Einstrahlung im Sommer versuchen die Hersteller neuerdings durch schaltbares Glas zu meistern. So hat der Hersteller Eternit 2015 das Flachdachfenster „Essertop Karat“ vorgestellt, das den solaren Wärmedurchlass je nach Aufbau und Dimmstufe um bis zu 90 Prozent reduziert. Und Dachfenster-Spezialist Velux bringt im Frühjahr 2016 serienmäßig Dachfenster mit elektrochromer Verglasung für den privaten Wohnungsbau auf den Markt. Diese bieten Hitze- und Blendschutz durch das Abdunkeln der Scheibe, wobei vier Abdunkelungsstufen von klar über leicht abgedunkelt bis dunkel gewählt werden können. Der Gesamtenergiedurchlassgrad g sinkt dabei von 38 Prozent bei klarem Glas auf 4 Prozent in der Stufe dunkel.

 

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