Regenwasser nutzen – Wasser sparen in Haus und Garten?

Jeder Deutsche verbraucht täglich fast 130 Liter Leitungswasser – einen Großteil davon für Waschmaschine, Toilettenspülung oder Gartenbewässerung. Bereiche, in denen kostbares Trinkwasser eigentlich nicht notwendig ist. Eine gute Möglichkeit den eigenen Verbrauch zu senken und Wasser im Haus zu sparen, bietet die Nutzung von Regenwasser. Wie diese funktioniert, was sie kostet und ob sich die Regenwassernutzung für Haus und Garten lohnt, erfahren Sie in den folgenden Abschnitten.

Was ist Trinkwasser und wofür sollte es eingesetzt werden?

Trinkwasser ist all das Wasser, was zum Trinken, Kochen oder für die Zubereitung von Getränken verwendet wird. Darüber hinaus bezeichnet die Trinkwasser-Verordnung auch Wasser für die Körperreinigung und die Reinigung von Kleidung als Trinkwasser. Nach dieser Definition sollte Trinkwasser im Haushalt genutzt werden um:

  • Essen und Getränke zuzubereiten
  • zu Baden oder zu Duschen
  • Wäsche zu Waschen

Umstritten ist dabei jedoch, ob für die Waschmaschine auch Regenwasser eingesetzt werden kann. Denn das könnte zu erheblichen Einsparungen führen, so die Befürworter der Regenwassernutzung. Während Kritiker bemängeln, dass das Regenwasser gesundheitsgefährdende Schadstoffe, Keime und Bakterien vom Dach aufnehmen könnte, kamen verschiedene Gerichte zu dem Schluss, dass Regenwasser zum Wäschewaschen verwendet werden darf, auch wenn seine Eigenschaften nicht immer einwandfrei sind.

In all den Bereichen, in denen das Wasser aus der Leitung nicht zum Kochen, Essen, Trinken oder für die Körperreinigung genutzt werden muss, kann also Regenwasser verwendet werden. Üblich sind dabei zum Beispiel:

  • die Gartenbewässerung
  • die Toilettenspülung
  • die Waschmaschine

Hinweis: Feuchte Böden können mehr Energie speichern als trockene. Wird überschüssiges Regenwasser zur Befeuchtung der Flächen über Wärmepumpen-Kollektoren genutzt, kann oft mehr Umweltenergie gewonnen werden.

Wie funktioniert die Regenwassernutzung?

Je nach Einsatzzweck kann man Regenwassernutzungs-Anlagen in zwei Typen unterscheiden. Soll das Wasser allein für die Gartenbewässerung eingesetzt werden, reichen oft einfach Anlagen wie eine Regentonne, die direkt über ein Fallrohr befüllt wird. Mit einer Gießkanne oder einem Gartenschlauch und einer Pumpe kann das Wasser dabei ohne hohe Kosten zum Rasen- oder Blumengießen verwendet werden.

Soll das Regenwasser darüber hinaus auch für Toilettenspülung und Waschmaschine im Haus verwendet werden, fällt die erforderliche Anlage etwas komplexer aus. Denn neben einem Tank, der zum Beispiel unterirdisch oder im Haus installiert werden kann, wird dabei auch ein sogenannter Regenwassermanager und ein Verteilnetz im Gebäude benötigt.

Der Regenwassertank hat die Aufgabe, das aufgefangene Wasser zu sammeln und für die spätere Verwendung zu speichern. Seine Größe richtet sich sowohl nach dem jährlichen Regenwasserertrag als auch dem Wasserbedarf im Haushalt. Er wird über die Regenwasser-Fallrohre befüllt und ist über eine Tauch-Pumpe mit dem Versorgungs-Netz im Haus verbunden.

Bei der Installation von Anlagen zur Regenwassernutzung muss generell darauf geachtet werden, dass keine Verbindung zwischen Trinkwasser- und Regenwassernetz besteht. Denn nur, wenn zwei komplett voneinander getrennte Netze installiert werden, kann kein Regenwasser in das Trinkwassernetz gelangen. Ein Regenwassermanager stellt dabei sicher, dass sich auch nach längeren Trockenzeiten immer ausreichend Wasser im Regenwassernetz befindet. Dazu überwacht er den Füllstand im Tank und speist bei Bedarf Trinkwasser nach.

Die folgende Abbildung stellt den Aufbau einer Regenwassernutzungsanlage einmal vereinfacht dar.

Skizze Regenwasser nutzen, Regenwassernutzung

Bildquelle: © Alexander Rosenkranz

Hinweis: Verbindungen zwischen Regenwasser- und Trinkwassernetz, wie sie oft an zweiseitig angeschlossenen Spülkästen zu finden sind, sind nach Trinkwasser-Verordnung unzulässig und stehen vielerorts sogar unter Strafe.

Lohnt sich eine Regenwassernutzungsanlage für Haus und Garten?

Ob sich eine Regenwassernutzungsanlage für Haus und Garten lohnt, hängt neben dem geplanten Einsatzzweck vor allem auch vom eigenen Wasserbedarf ab. Sollen Rasen und Blumen regelmäßig mit der Kanne gegossen werden, reicht eine einfache Tonne meist aus. Die ist für unter 50 € erhältlich und rechnet sich oft in weniger als einem Jahr.

Höhere Anforderungen an die Anlage zur Regenwassernutzung erfordern allerdings auch aufwendigere Technik. Die Kosten für Tank, Regenwasser-Manager und Verteilnetz können sich dabei schnell auf einen Wert von 3.000 € bis 5.000 € belaufen.

Die möglichen Einsparungen zeigen wir an einem Beispiel. Ein Gebäude mit einer Grundfläche von 100 Quadratmeter wird mit einer Regenwassernutzungsanlage ausgestattet, die den Trinkwasserverbrauch jährlich um 75 m³ reduziert. Bei einem Preis von 2,00 € spart das 150 € im Jahr. Da auch die Abwasserkosten über den Trinkwasserverbrauch berechnet werden, können bei einem Preis von 1,00 € je m³ zusätzlich 75,00 € im Jahr gespart werden.

Hinweis: Viele Gemeinden verlangen auch eine Messung des im Haus verwendeten Regenwassers. Durch diese Messung kann die abwasserseitige Einsparung entfallen.

Zusätzlich können durch die Regewassernutzungsanlage auch sogenannte Niederschlagswasser-Gebühren entfallen. Dies sind Kosten, die je Quadratmeter versiegelte Fläche anfallen und zum Beispiel in Berlin etwa 2,00 €/m² betragen. Bei einer Gebäudegrundfläche von 100 m² entspricht das zusätzlichen Einsparungen von 200 € im Jahr.

Zusammengerechnet können die Einsparungen einer Anlage zur Regenwassernutzung für Haus und Garten 350,00 € bis 425,00 € im Jahr betragen. Bei mittleren Kosten von rund 4.000 € rechnet sich die Anlage dabei nach rund 10 Jahren.

Hinweis: Da sich die Kosten für Wasser, Abwasser und Niederschlagswasser regional stark unterscheiden, kann eine verbindliche Aussage über die Wirtschaftlichkeit nur im Einzelfall getroffen werden. Hilfe finden Sie bei einem Sanitär-Handwerker.

 

Anlagen zur Regenwassernutzung reduzieren den Trinkwasserbedarf und tragen erheblich zum Umweltschutz bei. Ob die Nutzung von Regenwasser für Toilette, Waschmaschine und Garten auch wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt von vielen Faktoren ab und kann nur im Einzelfall entschieden werden.

Alexander Rosenkranz

Alexander Rosenkranz (28 J.) ist Gründer von energie-wortwende.de und war als Co-Gründer an der Entwicklung der Sanierungsplattform eccuro beteiligt. Verständliche Informationen und eine motivierende Kommunikation sind für ihn der Schlüssel für den nachhaltigen Erfolg der Energiewende.
Alexander Rosenkranz

Letzte Artikel von Alexander Rosenkranz (Alle anzeigen)

/ DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

FOLGEN SIE UNS

Alle Rechte vorbehalten © Portal United AG 2020