Ratgeber für die Existenzgründung bei Handwerksbetrieben

Es gibt in Deutschland viele verschiedene Handwerksbetriebe. Ganz gleich, ob man Fenster und Türen einbauen kann, ob man mauert, verputzt, dämmt, isoliert oder installiert: Viele sehnen sich danach, ihre eigene Existenz zu gründen und einen Betrieb nach ihren Vorstellungen aufzubauen, entsprechend dem bekannten Sinnspruch: „Handwerk hat goldenen Boden“.

Sicher ist dieser Wunsch verständlich. Doch um nicht zu scheitern und dann mit leeren Händen dazustehen, sollte dieser Schritt durchdacht geplant, solide finanziert und kritikoffen durchgeführt werden.

Zielsetzungen von Handwerkern als Existenzgründer

Die Gründe für den Wunsch nach dem eigenen Betrieb sind vielfältig. Manche Handwerker leisten in ihrer Branche gute Arbeit oder haben hervorragende fachliche und praktische Fähigkeiten. Sie erhalten aber als Angestellte in ihrem Betrieb beispielsweise nicht die Anerkennung, die Entlohnung oder auch die Verantwortung, die sie verdienen. Daher sind sie überzeugt, dass es besser ist, auf eigenen Füßen zu stehen. Andere wiederum sind in einem bestimmten Gebiet spezialisiert oder haben eine eigene Handwerkssparte entwickelt, die sie durch die Existenzgründung nun auch praktisch verwirklichen wollen. Ein Erfahrungsaustausch mit anderen Leuten aus der Branche kann hier als Orientierung zunächst Gold wert sein.

Handwerksordnung, Meisterpflicht: Registrierung und wichtige rechtliche Voraussetzungen

In der Handwerksordnung (HwO) der Bundesrepublik Deutschland sind gesetzliche Vorgaben hinsichtlich der Branche festgelegt. Die HwO verkörpert damit als Gesetz ein Wirtschaftsverwaltungsrecht für eine bestimmte Berufsgruppe. Neben der Gewerbeordnung befasst sie sich auch mit der Berufsbildung im Handwerk. Es ist für Handwerker, welche sich selbstständig machen wollen, unerlässlich, sich mit der Handwerksordnung zu beschäftigen. Denn sie teilt ein, ob der entsprechende Betrieb ein

  • zulassungspflichtiges Handwerk,
  • zulassungsfreies Handwerk oder
  • handwerksähnliches Gewerbe

darstellt. Wer sich als zulassungspflichtiger Handwerker selbstständig machen will, muss sich laut Paragraf 1, Absatz 1 der HwO als natürliche und juristische Person in der sogenannten Handwerksrolle eintragen. Welche Berufe zulassungspflichtige sind, ist hierbei in der Anlage A des Spezialgesetzes aufgelistet. Die zuständige Handwerkskammer führt die Handwerksrolle (Paragraf 6, Absatz 1, HwO). Als Nachweis dieser Qualifikation müssen die Handwerker einen Meisterbrief vorweisen – dies ist die vielzitierte „Meisterpflicht“. Auch für Absolventen von Hochschulen oder Fachhochschulen bestehen laut Paragraf 7 HwO Möglichkeiten dafür. Die zulassungsfreien und handwerksähnlichen Gewerbe werden der Handwerkskammer „angezeigt“. Dies bedeutet, dass die zuständige Handwerkskammer ein gegründetes Handwerksunternehmen in einem Verzeichnis der in ihrem Kammerbetrieb ansässigen Betriebe registriert. In der Anlage B1 der HwO sind dabei die zulassungsfreien Handwerke, in der Anlage B2 die handwerksähnlichen Gewerbe verzeichnet. Von Region zu Region ist es neben diesen rechtlichen Voraussetzungen unterschiedlich, ob Handwerker Mitglied bei der Handwerkskammer sein müssen.

Finanzielle Absicherung

Mehrere Faktoren sind bei der Finanzplanung sehr wichtig. Gerade wenn jemand eine Gründung ohne Meisterbrief durchführt, sollte er auf einen bereits bestehenden Kundenstamm zurückgreifen können. Weiterhin gibt es in Deutschland vielfältige Fördermittel, die die deutsche Regierung, die Bundesländer oder die EU bereitstellen, genauer gesagt: Zuschüsse oder Förderdarlehen. Hier gibt es sowohl Berater wie auch Internetseiten auf denen man mögliche Förderungen überprüfen kann, beispielsweise auf dem Start-Up-Portal Fuer-Gruender.de. Doch es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, um an Geld zu kommen, damit der eigene Betrieb in der Zukunft finanziell auf sicheren Füßen steht.

Bekannt für viele Fördermöglichkeiten ist zunächst die Kreditanstalt für den Wiederaufbau, kurz KfW. Auch das sogenannte Crowd Funding oder Business Angels sind Wege, um die eigene Selbstständigkeit solide zu finanzieren. Diese beiden Möglichkeiten sind allerdings im Bereich des Handwerks nicht als typisch zu bezeichnen. Darüber hinaus werden von staatlichen oder privaten Stellen häufig Wettbewerbe ausgeschrieben – wer gewinnt, bekommt für die Finanzierung seines Traums Unterstützung und außerdem Aufmerksamkeit, die zur Kundengewinnung genutzt werden kann. Insgesamt sollte man sich vorher detailliert und chronologisch überlegen, warum man an welchem Punkt der Existenzgründung wie viel Geld benötigt. Dies ist als Finanzplan bekannt. Ob dies später Eins-zu-Eins so umgesetzt wird, spielt dabei keine große Rolle.

Planung und Umsetzung der Existenzgründung

Um bei der Planung vorab und in der Anfangszeit den Überblick zu behalten, sollten sich angehende Selbstständige auch mit der Buchhaltung beschäftigen. Dies wird explizit erwähnt, weil viele vorher Angestellte hier Laien sind. Auch ist es aufgrund der finanziell engen Situation vielen selbstständigen Handwerkern zu Beginn unmöglich, eigene Buchhalter zu beschäftigen. Um sich diese Arbeit zu erleichtern und beispielsweise Aufträge, Rechnungen oder Angebote professionell zu erstellen, ist speziell für diese Bedürfnisse passende Software erhältlich. Dies gilt auch für andere Bereiche, die nicht nur bei Existenzgründern im Handwerksbereich, sondern vielen anderen Berufssparten notwendig sind. Ein weiteres Beispiel sind hier Softwarelösungen zum Kundenmanagement.

All diese Anwendungen gibt es zwar auch als kostenlose Trialversionen. Für einen professionell geführten Betrieb sind diese jedoch ausdrücklich nicht zu empfehlen. Sie lassen sich nicht auf die individuellen Bedürfnisse eines möglicherweise hochspezialisierten Kleinbetriebs im Handwerksbereich zuschneiden, werden hinsichtlich rechtlicher Vorgaben – Beispiel Sepa-Umstellung – nicht aktualisiert und nicht geprüft. Auch der Service lässt oft zu wünschen übrig. Wenn es sich rechnet, ist es neben dem Erwerb der Softwarelösungen für Handwerker sinnvoll, Fachleute dauerhaft oder zunächst in Teilzeit für bestimmte Bereiche anzustellen, für die sie selbst nicht ausgebildet sind.

Fazit

Viele deutsche Handwerksbetriebe sind einwandfrei rechtlich registriert und finanziell abgesichert. Sie scheitern jedoch trotzdem, weil der Existenzgründer nicht bereit ist, sich ständig zu hinterfragen und sich zu 100 Prozent an den Wünschen oder Bedürfnissen seiner Kunden auszurichten. Daher sollte ein Existenzgründer im Handwerk ständig versuchen, mit erfahrenen Leuten aus seiner Branche, mit Kunden und auch nahen Bekannten im Kontakt zu bleiben: Wie ist mein Alleinstellungsmerkmal? Wie kann ich mich verbessern? Was macht meine Branche, die regionale Konkurrenz und wie kann ich mich verbessern? Ohne die Beachtung solcher Fragen wird ein noch so gut geplanter Handwerksbetrieb in der Realität mittel- und langfristig nicht überlebensfähig sein.

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