Plus ist mehr als Passiv – Plusenergiehäuser und Passivhäuser im Vergleich

Von der Europäischen Union wird als Baustandard für das Jahr 2020 das Nahezu-Null-Energiehaus gefordert. Doch das ist aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Plusenergiehäuser verbrauchen sogar weniger Energie als sie erzeugen. Sie können Passivhäuser sein, müssen aber nicht. Plusenergiehäuser sollen in der Lage sein, nicht nur die Häuser selbst zu versorgen, sondern auch Energie für Elektrofahrzeuge oder Quartiere zur Verfügung stellen. Dabei gibt es allerdings eine Einschränkung: In der Regel ist das Energieplus nur über ein komplettes Jahr gesehen möglich. Es wird im Sommer ein Überschuss erzeugt, im Winter benötigen die Gebäude in der Regel Strom aus dem Netz. Die Förderbank KfW hat auf diese Entwicklung reagiert und bietet ab April 2016 auch das Effizienzhaus 40 Plus als neuen Förderstandard an.

Plusenergiehäuser sind als Neubau und durch Sanierung möglich

Plusenergiehäuser gibt es sowohl im Ein- und Zweifamilienbereich als auch im Geschosswohnungsbau. Auch in der Sanierung ist es möglich, ein Plusenergiehaus zu erreichen. Auch fast alle Fertighaus-Anbieter haben Häuser im Programm, die mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen. Ausgestattet sind die Plusenergie-Fertighäuser mit hocheffizienter energiesparender Beleuchtung, Energiemanagement und Niedertemperaturheizungen, in der Regel Flächenheizungen. Die Erzeugung der Wärme für die Heizung erfolgt über Photovoltaik und die Nutzung des Strom vom eigenen Dach für eine Wärmepumpe. In manchen Häusern wird außerdem die Warmwassererzeugung mit Solarkollektoren unterstützt.

Bauherren haben sogar die Möglichkeit, sich unterschiedliche Konzepte anzuschauen und zu vergleichen, denn Modellvorhaben mit Plusenergiekonzepten in Neubau und Sanierung wurden im Rahmen eines Forschungsprojekts des Bundesbauministeriums wissenschaftlich begleitet ausgewertet. Ziel war es, Erkenntnisse zum Energiemanagement von modernen Gebäuden zu gewinnen und Komponenten für energieeffiziente Gebäudehülle und die Nutzung erneuerbarer Energien zu optimieren. Auf der Seite des Bundesbauministeriums steht eine Landkarte zur Verfügung, auf der sich die einzelnen Objekte anschauen lassen. Zu jedem Gebäude liegen Messdaten und eine Beschreibung von Baustandard, Gebäudehülle und Anlagentechnik vor.

Passiv oder Aktiv?

Einer der führenden Köpfe der Aktivhaus-Bewegung ist Norbert Fisch, Professor am Institut für Gebäude- und Solartechnik an der TU Braunschweig. Aktivhäuser sind auch Plusenergiehäuser. Ein Grund, sich in Richtung Plusenergiehaus zu orientieren war für Fisch, dass das Korsett des Passivhausbaus seiner Meinung nach zu eng ist. Die Grenze beim Heizenergieverbrauch von 15 kWh pro Quadratmeter und Jahr hält er für dogmatisch, für „Architekten, Ingenieure und Planer sei sie ein Albtraum“, sagte er bei einem Streitgespräch mit Roland Matzig vom Verein ProPassivhaus. Fisch, erfahrener Planer und Architekt von Niedristenergiegebäuden, hält einen Korridor zwischen 15-25 kWh für sinnmvoller, um beispielsweise größere Fensterflächen bauen und solare Gewinne nutzen zu können. Im Aktivhaus oder Plusenergiehäusern kann der Jahresenergieverbrauch höher sein als im Passivhaus. Auch Passivhäuser können aber Plusenergiehäuser sein, wenn sie eine positive Energiebilanz haben.

Mit dem Aktiv-Stadthaus in Frankfurt wurde 2015 ein großes Mehrfamilienhaus im Effizienzhaus-Plus-Standard eröffnet. Architekt ist Werner Sobek, Bauherr die Frankfurter ABG. Das Gebäude mit 74 Wohneinheiten präge als „innovativer Neubau das Stadtbild“, betonte Bundesbauministerin Barbara Hendricks bei der Eröffnung. Der errechnete Heizwärmebedarf des Gebäudes liegt bei 18 kWh/(m²a), Dieser Wert, der nahe am Passivhaus-Standard ist, wird durch bauphysikalisch optimierte Bauteile und dezentrale Wohnungslüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung erreicht. Eine Wärmepumpe mit einer thermischen Leistung von 120 kW nutzt Abwasserwärme. Um die Wärmepumpe optimal zu betreiben, gibt es getrennte Verteilnetz für Heizwärme und Warmwasser auf verschiedenen Temperaturniveaus. Strom gewinnt das Haus über rund 1000 sehr effiziente PV-Module auf dem Dach, daneben aber auch über 330 PV-Module an der Fassade.

 

Statt einer Immobilienfinanzierung benötigen Sie einen Kredit für Ihr Plusenergiehaus?

Hier finden Sie passende Kreditangebote:

meister.de

Auf unserem Expertenblog finden Sie Fachwissen und spannende Beiträge rund um die Themen Handwerk, Bauen, Wohnen und Sanieren.
Die vielseitigen Kategorien, mit nützlichen Tipps und Checklisten sind hilfreich für Handwerker, Heimwerker, Bauherren und alle die gerne anpacken.

Fragen? Feedback? Anmerkungen?
Kommentar hinterlassen oder eine Mail an redaktion@meister.de schreiben
meister.de

/ DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

FOLGEN SIE UNS

Alle Rechte vorbehalten © Portal United AG 2020