Öko-Siegel schaffen Vertrauen

Öko-Siegel geben Bauherren Sicherheit, dass die beim Neubau oder der Sanierung verwendeten Dämmstoffe nicht nur für die Umwelt verträglich sind, sondern auch keine gesundheitsschädlichen Stoffe absondern. Als gesundheitsschädlich sind derzeit vor allem so genannte VOC in der Diskussion. Das ist die Abkürzung für den englischen Begriff Volatile Organic Compounds und umschreibt laut einer Definition des Umweltbundesamts gas- und dampfförmige Stoffe organischen Ursprungs in der Luft. Teilweise sind diese Stoffe zu riechen, teilweise aber auch geruchsneutral und dann besonders schwer zu entdecken. Auch bestimmte Flammschutzmittel wie Brom dürfen in Produkten mit Öko-Siegeln nicht oder nur in definierten unbedenklichen Mindestmengen vorkommen.

Die wichtigsten Öko-Siegel für Dämmstoffe in Deutschland sind natureplus und der Blaue Engel. Bei beiden Organisationen werden die Prüfkriterien gemeinsam von einem wissenschaftlichen Gremium und Herstellern entwickelt. Das stellt sicher, dass die Prüfkriterien praxisnah sind, aber auch gute Sicherheit für die Verbraucher bieten.

Öko-Siegel Blauer Engel


Seit Anfang 2010 gibt es das Siegel „Blauer Engel“ sowohl für Innendämmstoffe als auch für Wärmedämmverbundsysteme. Die Anforderungen an den Blauen Engel für Wärmedämmstoffe und Unterdecken gehen über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus. Produkte müssen schadstoffarm hergestellt und in der Wohnumwelt aus gesundheitlicher Sicht unbedenklich sein. Für die Vergabegrundlagen werden Wärmedämmung, Schallschutz und Begrenzung der Emissionen aus den Produkten berücksichtigt. Wichtig ist auch die sachgemäße Verarbeitung der Produkte, unter anderem zur Vermeidung von Wärme- oder Kältebrücken. Sie dürfen außerdem keine Schadstoffe enthalten, die bei der Abfallentsorgung stören. Außerdem gibt es auch Restriktionen bei den erlaubten Flammschutzmitteln und deren Mengen. Entscheidend für die Vergabe des Siegels ist zudem der komplette Lebenszyklus der Produkte, von der Herstellung bis zur Entsorgung.

Das Öko-Siegel natureplus

Die Kriterien von natureplus sind teilweise strenger als die beim Blauen Engel. Es ist in ganz Europa nach einheitlichen Kriterien gültig. Das Zeichen gewährleistet die Einhaltung guter technischer Qualitätsstandards, definiert Ansprüche an die gesundheitliche Verträglichkeit und orientiert sich an der Nachhaltigkeit der verwendeten Rohstoffe und ihrer Gewinnung.

Ökosiegel natureplus

Öko-Siegel natureplus

Der Einsatz nachwachsender Rohstoffe oder unbeschränkt verfügbarer mineralischen Rohstoffe wird bei Natureplus zwingend gefordert. Diese müssen außerdem aus ökologisch und sozial nachhaltigem Anbau kommen. Petrochemische Stoffe sind nur als Zusatzstoffe zum Einsatz erlaubt, Produkte aus Polystyrol werden also nicht zertifiziert. In der Regel soll der Anteil der nachwachsenden und mineralischen Rohstoffe mindestens 85 Masse Prozent des Produktes betragen, so die Richtlinie von natureplus. Ausnahmen gibt es, wenn diese Argumente der Nachhaltigkeit standhalten. Biozide sind komplett untersagt. Außerdem wird die Gebrauchstauglichkeit und Langlebigkeit der Produkte gefordert.

Hohe Anforderungen gibt es auch an die Recyclingfähigkeit. Die Anzahl der Einsatzstoffe sollte minimiert werden, so natureplus in seinem Anforderungskatalog für die Zertifizierung. Die Baustoffe sollten sich für die Aufbereitung zu gleichwertigen Recyclingprodukten eignen, Inhaltsstoffe müssen bekannt und dokumentiert sein. Materialverbünde sind nicht erwünscht. Wenn diese notwendig sind, sollen Stoffkombinationen verwendet werden, die sich gemeinsam aufbereiten lassen.

Wie können sich Produkte zertifizieren?

Bei beiden Öko-Siegeln müssen die Hersteller für die Zertifikate bezahlen. Diese Kosten für diese Zertifizierung rechnen sich oft nur im oberen Produktsegment. Das bedeutet, dass es möglicherweise günstigere Produkte mit den gleichen Produkteigenschaften gibt, die aber nicht zertifiziert sind. Die Siegel sind zeitlich befristet, es ist also regelmäßig eine neue Zertifizierung und Prüfung gefordert.

Weitere Umweltzertifizierungen

Neben den Öko-Siegeln gibt es noch Umweltproduktdeklarationen (Environmental Product Declaration, kurz: EPD) zur neutralen Bewertung von Produkten. EPDs werden nach genormten Verfahren erstellt, für die Bauprodukte und Bauleistungen ist die europäische Norm EN 15804 maßgeblich. Diese Normierung erleichtert den Vergleich der umweltbezogenen Informationen von Produkten unterschiedlicher Hersteller. EPDs sind die Basis für Nachhaltigkeitssiegel für komplette Gebäude.

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