Mindestlohn Azubis 2018: Aktuelle Diskussion in Deutschland

Die neue Koalition ist zwar noch keine beschlossene Sache, jedoch stehen die Inhalte des Koalitionsvertrages schon fest. Einen Wandel in Sachen Nachwuchskräfte für den Handwerksbereich soll die Einführung des Mindestlohn für Auszubildende bringen:

Im Rahmen der Novelle des Berufsbildungsgesetzes werden wir eine Mindestausbildungsvergütung im Berufsbildungsgesetz verankern. Das Gesetz soll bis zum 1. August 2019 beschlossen werden und zum 1. Januar 2020 in Kraft treten.

Forderungshöhe der Mindestausbildungsvergütung

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat sich bereits für eine Mindestausbildungsvergütung ausgesprochen, um Ausbildungsplätze wieder attraktiver werden zu lassen. Wenn es nach der DGB gehen soll, wird sich das Azubi Gehalt auf mindestens 80 Prozent der durchschnittlichen bisher gezahlten tariflichen Vergütung einpendeln. Das entspräche in Zukunft folgende Gehaltsstufen für deutsche Nachwuchskräfte:

  • 635 Euro im ersten Lehrjahr,
  • 696 Euro im zweiten,
  • 768 Euro im dritten und
  • 796 Euro im vierten Lehrjahr

Dieser Ansatz bedeutet in vielen Handwerksberufen eine deutliche Steigerung. Zur Veranschaulichung: im Moment verdient ein Friseur-Azubi im ersten Lehrjahr rund 406 Euro und ein Bäckerlehrling 500 Euro im Durchschnitt. Auch im Baugewerbe ist der aktuelle Lohn durchschnittlich weit unter der Mindestforderung der DGB. Maurer und Zimmermänner bilden hier eine Ausnahme, da diese bereits jetzt schon eine im Verhältnis hohe Ausbildungsvergütung erhalten.

Diskussionsbedarf über Mindestlohn in einigen Branchen

Aus Sicht der Azubis ist eine Mindestlohn-Anhebung wünschenswert. Richtet man sich nach den Forderungen der DGB, erhält im besten Fall jeder zehnte Berufseinsteiger eine Gehaltserhöhung. Profitieren würden zusätzlich noch diejenigen, die bisher noch gar nicht nach Tarif bezahlt wurden.

Gerade im Bäckerhandwerk, wo man bereits kontinuierlich Gehaltssteigerungen für Lehrlinge eingeführt hat, befürchtet man bei dieser drastischen Erhöhung, dass viele Betriebe einfach gar nicht mehr ausbilden. Diese Konsequenz sollte man bei der Festsetzung einer  angemessenen Vergütungserhöhung berücksichtigen.

Allerdings haben die Gewerkschaften ein Argument, um Arbeitgeber zu überzeugen, die Mehrkosten in Kauf zu nehmen: Im Durchschnitt brechen momentan rund 24 Prozent der Berufseinsteiger ihre Ausbildung ab. In den schlecht bezahlteren Branchen, wie z.B. im Friseurhandwerk, liegt die Abbruchquote sogar bei  30 Prozent.  Der Grund für das Abbrechen der Lehre liegt in den meisten Fällen daran, dass die Vergütung nicht ausreicht, um über die Runden zu kommen.

Damit ist eins klar: eine bessere Vergütung  würde mehr Jugendliche in ihrer Ausbildungsstelle halten können. Und gerade das Handwerk hat gut ausgebildete Nachwuchskräfte nötig.

 

Wie hoch sind die Lehrlingsgehälter im ersten Lehrjahr nach Ausbildungsberuf brutto?
310 Euro Fleischer (Ost)
406 Euro Friseur
450 Euro Schornsteinfeger
473 Euro Fachverkäufer Lebensmittelhandwerk (Ost)
490 Euro Tischler (Ost)
500 Euro Bäcker
520 Euro Feinwerkmechaniker (Ost)
520 Euro Metallbauer (Ost)
530 Euro Steinmetz / Steinbildhauer
537 Euro Parkettleger
537 Euro Bodenleger
545 Euro Raumausstatter
573 Euro Tischler (West)
600 Euro Maler und Lackierer (alle Richtungen)
604 Euro Glaser (West)
605 Euro Gebäudereiniger (Ost)
610 Euro Elektroniker alle Fachrichtungen (Ost)
616 Euro Fahrzeuglackierer (Ost)
623 Euro KfZ-Mechatroniker (IH/Hw) (Ost)
635 Euro Forderung des Deutschen Gewerkschaftsbundes

Quelle: Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB), Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

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