Die Verwandlung von Stein in Bronze: Zu Besuch in der Metallgießerei

Einmal im Monat wird morgens um 7 Uhr in der Metallgießerei Lenz in der Burgschmietstraße der Feuerofen angeworfen und flüssige Bronze in künstlerische Figuren verwandelt. Wir durften dieses Mal dabei sein und konnten packende Einblicke in die aufwändigen Herstellungs- und Arbeitsprozesse gewinnen. Denn die Fertigung einer Statue kann vom Guss bis zur Politur zwei bis drei Monate dauern.

Zuerst wird in der Regel ein Modell von einem Bildhauer geliefert, der somit Auftraggeber für den Metallgießer ist. Aus dieser Steinfigur soll ein Ebenbild aus Bronze entstehen. Dafür muss zunächst aber erstmal eine Form angefertigt werden. Diese Formherstellung ist ein ständiger Wechsel des ursprünglichen Modells vom Positiven ins Negative. Denn als erstes wird eine Silikonform angefertigt, damit ein Abdruck von der Figur gemacht werden kann.

Gipsform in einer Metallgießerei

Gipsform in einer Metallgießerei

Die Silikonform wird anschließend in der Mitte geteilt, mit Wachs ausgegossen und wieder zusammengedrückt. Die entstandene Wachsfigur muss an den Rändern und Verbindungsstellen nachgearbeitet werden, sodass keine Nähte mehr zu sehen sind. Um die Wachsfigur kommt danach eine Schalung aus Brettern, das mit einer Ziegel-Splitt-Masse ausgefüllt wird. Diese Masse kommt nun in den Brennofen, damit sie aushärten kann und das Wachs aus der Form verschwindet. Die gebrannte und ausgekühlte Form ist nun bereit mit Bronze befüllt zu werden.

Jetzt wird es ernst – Eine Figur entsteht

Da durch das Befüllen der Form mit der 1100-1200 °C heißen flüssigen Bronze Gase entstehen, werden bewusst einige Luftlöcher in die Form gebracht, wodurch hinterher Verästelungen an der Figur entstehen, die dann wieder abgefräst werden müssen. Doch zunächst muss die gegossene Bronzefigur erst einmal wieder aus der Form heraus. Bei kleineren Figuren reicht schon eine halbe Stunde Wartezeit, bei größeren ca. ein Tag, bis die feste Ziegel-Splitt-Masse aufgeschlagen werden kann. Die Figur kommt dann zum Abkühlen ins Wasser, das sogar für einen Moment anfängt zu kochen. Die Meisterin Sabine Jahn erklärt, dass der Kunde sich eine rötliche Färbung der Figur wünscht, damit diese entsteht, muss die Figur so schnell wie möglich in das Wasserbad.

Ab auf die Werkbank – Der letzte Schliff

Damit die Figur von allen Ästen und Gusshilfen befreit werden kann, werden verschiedene Schleifer und Feilen zur Hand genommen und sämtliche Oberflächen glatt und glänzend gemacht. Für besondere Effekte wird die Figur zum Schluss z.B. noch sandgestrahlt und je nach Kundenwunsch aufbereitet oder nachgearbeitet. Hierbei ist besonders viel Fingerspitzengefühl und künstlerisches Geschick gefragt, denn hier dürfen jetzt keine größeren Fehler passieren, die die Arbeit zunichtemachen könnte.

Teamwork ist entscheidend – Wichtiges zum Beruf

Metallgießer-Meisterin Sabine Jahn

Metallgießer-Meisterin Sabine Jahn

„Ein Verständnis für Kunst und Technik ist in diesem Beruf insgesamt sehr wichtig“, betont Sabine Jahn, „aber auch körperlich muss man einiges aushalten können. Es ist immer schmutzig und meistens auch kalt, weil auch im Winter gegossen wird und die große Halle nicht beheizbar ist. Aber dass man von Anfang bis Ende etwas in seinen Händen hält und hinterher sein eigenes Werk betrachten kann, sorgt einfach für ein tolles Gefühl. Da geht man immer wieder gern an die Arbeit. Außerdem ist der Beruf sehr vielseitig, weil man ja auch immer wieder auf die verschiedenen Kundenwünsche eingehen muss.“ Auf die Frage, wie es sich als Frau in diesem Beruf lebt, antwortet die Meisterin lächelnd: „Richtig gut! Man braucht natürlich ein tolles Team, allgemein muss man viel zusammen arbeiten und sich bei den einzelnen Arbeitsschritten aufeinander verlassen können. Klar nehmen mir die Männer auch die schweren Arbeiten ab, aber man muss natürlich trotzdem als Frau mit anpacken können.“

Wissenswertes zur Bronze
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Bronze ist eine Legierung aus Kupfer und Zinn.

Traditionell werden aus Bronze Glocken, Geschütze, Kunstgegenstände, Gedenktafeln, Medaillen sowie Musikinstrumente (z.B. Becken) und Münzen gefertigt.

Heute wird die Legierung zunehmend auch für den Maschinen- und Werkzeugbau verwendet sowie für Kontaktelemente in der Elektrotechnik.

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