KfW-Haus: Der Goldstandard in Sachen Effizienz

KfW-40, -55, -100: vielen angehenden Bauherren werden solche Begriffe ohne weiterführende Erklärung „an den Kopf geworfen“. Dabei ist die durch die Zahl definierte Klasse ein ganz immens wichtiger Punkt, der nicht nur die Baukosten an und für sich beeinflusst, sondern auch tiefgreifende Auswirkungen auf die späteren Unterhaltskosten des Hauses hat. Auf den folgenden Zeilen wollen wir daher etwas Licht ins Dunkel bringen und die wichtigsten Punkte und Elemente rund ums KfW-Haus klären.

1. KfW-Überblick

KfW ist eigentlich die Kreditanstalt für Wiederaufbau, eine sogenannte Förderbank. Tatsächlich ist die KfW die größte Förderbank der Welt. Zu den Leistungen des Bankenverbundes gehört einerseits das finanzielle Unterstützen von Bauherren durch Darlehen, andererseits aber eben auch das Setzen von gewissen Baustandards. KfW-Effizienzhäuser gelten dabei als ein deutschlandweit akzeptierter Standard, der vornehmlich etwas über den Energieverbrauch des Hauses aussagt, aber auch mit dazugehörigen, energetischen Installationen zu tun hat.

2. Die KfW-Standards

Um die KfW-Standards zu erklären, muss man ein wenig in die Bauphysik eingreifen: Jedes Haus in jeder beliebigen Größe hat einen, nach den zum Zeitpunkt des Baus geltenden Energiegesetze gültigen Primärenergiebedarf. Und hier kommen die verschiedenen KfW-Energiesparhaus-Typen ins Spiel:

  • KfW-100 ist die Obergrenze, ein so gebautes Haus entspricht einfach den Vorgaben der EnEv, der Energieeinsparverordnung an Neubauten
  • KfW-70 ist schon etwas besser, der Primärenergiebedarf dieser Häuser beträgt nur noch 70 Prozent der staatlichen Mindestvorgaben.
  • KfW-55 benötigt sogar fast nur noch die Hälfte.
  • KfW-40 ist das per Definition derzeitige Maximum

An diesen Richtlinien orientieren sich auch die meisten Bauträger. Allerdings gibt es abseits dieser Standard-KfW-Definitionen auch noch einen neuen, noch effizienteren Standard, namens KfW-40 Plus, den etwa dieser Massivhaushersteller anbietet. Zu den KfW-40-Elementen addiert dieser noch:

  • Ein Stromspeichersystem
  • Digitales Interface für Stromerzeugung und –verbrauch
  • Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung
  • Eine regenerative Stromerzeugung

Dieser Plus-Standard nimmt bereits jetzt vorweg, was in einigen Jahren gesetzliche Pflicht sein wird, ist also für Neubauten die definitiv zukunftsträchtigste Option.

3. KfW-40 für alle?

Dämmung

35 Zentimeter starke Dämmplatten und die selbst noch dämmenden Verbundsteine machen KfW-40 fast zum Passivhaus.

Natürlich unterscheiden sich die verschiedenen KfW-Typen im Preis. Denn je höher die Stufe, desto umfangreicher sind freilich die getroffenen Maßnahmen, um den Energieverbrauch für Strom und Heizung zu reduzieren, bzw. auch die Dämmung umfangreicher zu gestalten. Das bedeutet, wer diesen Weg gehen möchte, muss von vornherein einplanen, dass er dafür mehr Geld ausgeben muss, als für ein geringer ausgestattetes Eigenheim – wenngleich natürlich auch hier die Förderung durch die KfW-Bank höher ist.

Hinzu kommt, dass ein solches Haus Bau-High-Tech pur ist. Um auf dieses Level zu gelangen benötigt es:

  • Gedämmte Außenwände und Bodenplatte – 32 Zentimeter für die Wände, 16 Zentimeter für den Keller
  • Gedämmte Dächer und Zwischendecken
  • Hermetisch versiegelte Türen und Fenster
  • Wärmepumpe
  • Solarkollektoren

Unter anderem sorgt das dafür, dass ein so errichtetes Haus praktisch luftdicht ist. Wer darin lebt, muss sich zwingend an die Grundregeln des Lüftens halten, damit es nicht durch Probleme durch Feuchtigkeit kommt. Man muss also insgesamt wesentlich „bewusster wohnen“, als es in einem weniger energetisch hochwertigen Haus der Fall wäre.

4. Für wen ist KfW-40 sinnvoll?

Natürlich bedeuten die Kosten und die Notwendigkeit des bewussteren Wohnens, dass das KfW-40 Haus nichts für jeden Bauherren ist. Definitiv ist es aber eine echte Pflicht-Option für alle, die einen wirklichen Beitrag zur Verringerung ihres ökologischen Fußabdrucks leisten möchten. Aber, bedenkt man die Förderung, die ein KfW-40 Gebäude eben nicht in extremem Maß verteuert, wird dieser Standard eben auch für einen anderen Personenkreis interessant, nämlich diejenigen, die nach dem Abschluss der Baumaßnahmen für den Unterhalt des Gebäudes so wenig wie möglich zahlen möchten.

Und auch dabei kann der 40er Standard durchaus punkten: Der sogenannte Heizwärmebedarf beispielsweise darf hier per Definition nur bei 15 Kilowattstunden pro Jahr und pro Quadratmeter liegen. Man benötigt also von vornherein sehr viel weniger Energie, um das Haus warm zu bekommen. Und weil durch die Photovoltaik (bzw. bei KfW-40 Plus auch die Lüftung mit Wärmerückgewinnung) auch noch eine Menge dafür getan wird, dass die einmal erzeugte Wärme auch maximal ausgenutzt wird, sinken die Unterhaltskosten noch einmal um einen weiteren Faktor.

Unterm Strich ist dieser Bautyp also nicht nur etwas für „Ökos“, sondern tatsächlich alle, die richtig viel Geld für den Unterhalt ihres Eigenheims sparen wollen.

5. KfW für Bestandsbauten

Allerdings hat die Sache einen Haken: KfW-40 und -40 Plus sind bislang nur für Neubauten möglich. Bei Bestandsbauten wäre der technische Aufwand so hoch, dass es sich praktisch um einen Neubau handeln würde.

Denkmalschutz KfW

Ein denkmalgeschütztes Schmückstück lässt sich zwar nicht zum Passivhaus sanieren, aber immer noch KfW-gefördert energetisch verbessern.

Was aber nicht bedeutet, dass ein solches Effizienzhaus nur etwas für Neubauten wäre, ganz im Gegenteil. Denn wenn man einen Altbau von Grund auf kernsaniert, kann die KfW-Förderung und die damit einhergehenden Standards durchaus noch viel aus den alten Mauern rausholen. Und das sollte man nicht verachten, denn es ist durchaus möglich, einen Altbau zum KfW-Effizienzhaus 55 zu machen. Die dafür notwendigen Änderungen gehören sowieso zu den Punkten, die man bei einer Sanierung abhakt:

  • eine Wärmepumpe oder Biomasse-Heizung
  • das Trinkwasser per Solaranlage erwärmt
  • eine 18 Zentimeter starke Außenwanddämmung
  • das Dach mit 24 Zentimetern gedämmt
  • dreifach verglaste Fenster eingebaut.

Für Bestandsbauten geht der KfW-Standard auch über 100 bis zum KfW-Effizienzhaus 115. Und das Beste: Selbst für die Besitzer von denkmalgeschützen Gebäuden, die normalerweise gar nichts an ihrem Haus verändern dürfen, was irgendwie seinen historischen Charakter verändert, können noch profitieren. Denn es gibt auch noch das sogenannte KfW-Effizienzhaus Denkmal. Im Gegensatz zu den anderen Hausbautypen wird hier kein energetischer Mindeststandard vorausgesetzt – der ließe sich bei einem vielleicht 100 oder mehr Jahre alten Haus auch praktisch nicht realisieren, ohne die Bausubstanz gar nicht denkmalentsprechend zu verändern. Dennoch wird auch hier der Einbau einer neuen Heizung gefördert sowie die Dämmung von Wänden – die allerdings wegen der Sichtbarkeit im Innen- statt Außenbereich erfolgen muss.

 

 

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