Wann sparen intelligente Thermostate Heizkosten?

Die Werbebotschaften vieler Anbieter intelligenter Heizkörper-Thermostate klingen verlockend. Einfach anstecken und bis zu 30 % der jährlichen Heizkosten sparen. Und das oft sogar für sehr geringe Ausgaben. Aber was ist dran an den versprochenen Einsparungen? Wir haben das Thema einmal genauer betrachtet und erklären in den folgenden Abschnitten, wie intelligente Thermostate funktionieren und ob sie wirklich dabei helfen können, Heizkosten zu sparen.

Wie funktionieren herkömmliche Heizkörper-Thermostate?

Thermostate, egal ob intelligent oder nicht, haben immer die Aufgabe, die Wärmeabgabe von Heizkörpern zu regeln. Um das zu ermöglichen, bestehen sie aus zwei Komponenten. Diese sind:

  • der Thermostat-Kopf
  • das Thermostat-Ventil

Der Thermostat-Kopf ist dabei der sichtbare Teil, über den Sie den Heizkörper auf- und zudrehen. Was viele dabei nicht wissen, ist, dass sie über die Zahlen am Thermostat eine Raumtemperatur einstellen. Denn im Inneren des Bauteils befindet sich eine Flüssigkeit, die sich bei steigenden Temperaturen ausdehnt. Wird es im Raum wärmer als gewünscht, regelt der Thermostat die Wärmeabgabe des Heizkörpers automatisch herunter.

Um überhaupt Wärme abgeben zu können, werden Heizkörper kontinuierlich von warmen Wasser durchflossen. Ein Heizkörperventil (der nicht sichtbare Teil des Thermostaten) stellt dabei die Durchflussmenge ein. Ob es geöffnet oder geschlossen ist, entscheiden die Stellung des Thermostatkopfes und die Temperatur im Raum.

Die folgende Abbildung stellt die Funktion eines Heizkörper-Thermostaten noch einmal grafisch dar.

Funktionsweise Thermostat

Bildquelle: © Alexander Rosenkranz

Hinweis: Der Thermostat regelt die Temperatur in einem Raum. Die Einstellung „3“ entspricht dabei etwa 20 °C. Auch wenn es bei einem voll geöffneten Thermostat vielleicht wärmer wird, steigt die Temperatur nicht schneller. Denn in beiden Fällen wird das Ventil voll geöffnet sein, bis die eingestellte Temperatur erreicht ist.

Wie unterscheidet sich ein intelligentes von einem herkömmlichen Thermostat?

Auch intelligente Thermostate regeln den Heizwasser-Durchfluss am Heizkörper, um eine gewünschte Raumtemperatur zu erreichen. Der Unterschied ist allerdings, dass die Temperatur dabei nicht manuell über einen Dreh am Thermostatkopf eingestellt werden muss.

Je nach Preisklasse arbeiten intelligente Thermostate zum Beispiel nach einem vorher eingestellten Programm, ähnlich einer Zeitschaltuhr. Teure Systeme, die teilweise an moderne Smart-Home-Systeme angebunden werden können, regeln die Temperatur sogar komplett selbstständig. Für einen effizienten Betrieb der Heizung berücksichtigen sie dabei die Gewohnheiten der Nutzer, das Verhalten der Gebäude oder sogar die aktuelle Wettervorhersage.

Können intelligente Thermostate wirklich Energie sparen?

Als Faustformel gilt: Senken Sie die Raumtemperatur im Durchschnitt um 1 °C, reduzieren sich Ihre Heizkosten um etwa 6 %. Jedoch trifft diese überschlägige Rechnung nicht immer zu. Denn ob die intelligenten Thermostate wirklich dabei helfen Energie zu sparen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die wichtigsten sind:

  • die Art der Heizflächen
  • die Art des Gebäudes (Ein- oder Mehrfamilienhaus)
  • die Qualität des Gebäudewärmeschutzes

Kriterium 1: Flächenheizung oder Heizkörper?

Je nach Art der Heizflächen kann sich die Wirkung intelligenter Thermostate stark unterscheiden. Denn während der Dreh am Thermostat eines Heizkörpers oft sehr schnell zu sinkenden Temperaturen führt, gelten Fußbodenheizungen eher als träge Systeme. Grund dafür ist die Installation im Fußbodenaufbau. Gibt eine Fußbodenheizung Wärme ab, erhitzt diese zuerst Estrich und Bodenaufbau. Das heißt, es dauert etwas, bis die Wärme auch im Raum ankommt. Andersherum speichern die massiven Bauteile die Wärme länger und heizen auch dann noch, wenn die Heizung eigentlich bereits abgestellt ist.

Während intelligente Thermostate bei Heizkörpern Energie sparen können, reduziert sich der Effekt bei Fußbodenheizungen durch die träge Reaktion.

Kriterium 2: Ein- oder Mehrfamilienhaus?

Ein weiteres Kriterium für den Einspareffekt intelligenter Thermostate ist die Art des Gebäudes. Denn in vielen Einfamilienhäusern mit zentraler Wärmeerzeugung kann bereits die Heizung zeitabhängig programmiert werden. Wie bei einer Zeitschaltuhr können Sie dabei für jeden Tag der Woche festlegen, wann die Heizung arbeiten oder pausieren soll. Das spart Heizkosten sogar dann, wenn die Heizkörper-Thermostate immer aufgedreht bleiben. Intelligente Thermostate lohnen sich da selten. Verschiedene Hersteller bieten jedoch intelligente Regelungen für die Heizung an. Diese steuern die Arbeitszeiten der Wärmeerzeuger automatisch und können die Einspareffekte steigern.

Hinweis: Achten Sie bei der Programmierung von Heizpausen unbedingt darauf, diese nicht zu weit auszudehnen. Denn zu stark fallende Temperaturen können Schimmel verursachen. Zusätzlich dauert es je nach Heizsystem etwas, bis die gewünschte Temperatur wieder erreicht ist. Planen Sie auch diese Aufheizzeiten ein, um langes Frieren zu vermeiden.

In Mehrfamilienhäusern, in denen Sie auf die Einstellung der Zentralheizung keinen Einfluss haben, können bereits einfache programmierbare Thermostate beim Sparen helfen. Vor allem alte und ungedämmte Häuser kühlen dabei allerdings schnell aus. Vermeiden Sie also auch hier zu lange Heizpausen, um giftigem Schimmel vorzubeugen. Planen Sie außerdem auch Aufheizzeiten ein, in denen die Heizung Zeit hat, Ihre Wohnung auf eine mollige Temperatur zu bringen.

Kriterium 3: Qualität des Gebäude-Wärmeschutzes

Die Auswirkungen der Dämmqualität auf die Einsparungen intelligenter Thermostate lassen sich am besten anhand eines Gedankenexperiments erklären: Stellen Sie sich einen Eimer vor, der über einen Wasserhahn mit Wasser befüllt wird. Am unteren Ende hat der Eimer ein Loch, über das kontinuierlich Wasser ausläuft. Während der Eimer für Ihr Haus steht, symbolisiert die Höhe des Wasserspiegels die Raumtemperatur. Das durch das Loch austretende Wasser steht für die Wärme, die Ihr Haus über seine Hüllflächen verliert.

Wasseimer als Beispiel für Wärmelecks

Bildquelle: © Alexander Rosenkranz

Während ein gut gedämmtes Haus nur sehr wenig Wärme verliert und das Wasser nur leicht aus dem Loch tropft, verliert ein altes ungedämmtes Gebäude oft sehr viel Energie. Das Wasser fließt daher in einem kräftigen Strahl aus dem Eimer-Boden.

Stellen Sie sich nun vor, Sie drehen den Hahn zu und es fließt kein Wasser nach – in Ihrem Haus steht das für das Abschalten der Heizung. Während der Wasserspiegel im alten ungedämmten Gebäude schnell sinkt, wird er im gut isolierten Haus kaum fallen. Das heißt, die Temperatur wird sich nur langsam verändern.

Während ein ungedämmtes Haus nach dem Drosseln der Heizung schnell auskühlt, bleibt die Temperatur in effizient isolierten Gebäuden lange erhalten. Die Einsparungen intelligenter Thermostate oder intelligenter Heizungsregelungen verringern sich also, je besser der Gebäudewärmeschutz ist.

Intelligente Thermostate können dabei helfen Energie zu sparen, solange einige Grundvoraussetzungen gegeben sind. Bei sehr gut gedämmten Häusern oder Gebäuden, die überwiegend über die Fußbodenheizung beheizt werden, reduzieren sich die Einsparungen dagegen. In Einfamilienhäusern kann sich eine intelligente Regelung der Zentralheizung, die neben dem Verhalten der Bewohner zum Beispiel auch Wettervorhersagen berücksichtigt, mehr lohnen.

Alexander Rosenkranz

Alexander Rosenkranz

Alexander Rosenkranz (28 J.) ist Gründer von energie-wortwende.de und war als Co-Gründer an der Entwicklung der Sanierungsplattform eccuro beteiligt. Verständliche Informationen und eine motivierende Kommunikation sind für ihn der Schlüssel für den nachhaltigen Erfolg der Energiewende.
Alexander Rosenkranz

Letzte Artikel von Alexander Rosenkranz (Alle anzeigen)

/ DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

FOLGEN SIE UNS

Alle Rechte vorbehalten © united vertical media GmbH 2017