Heiztechnik: Höherer Automatisierungsgrad führt zu höheren Energieeinsparungen

Die Angaben dazu, wie viel Energie mit programmierbaren Heizkörperthermostaten eingespart werden kann, gehen weit auseinander. Die Stiftung Warentest kam im Jahr 2009 in einer Beispielrechnung auf einen 10 Prozent geringeren Verbrauch, manche Hersteller dagegen sprechen von bis zu 30 Prozent. Tatsache ist: allein durch die Absenkung der Raumtemperatur um 1 Grad werden etwa 6 Prozent an Wärmeenergie gespart. Das macht deutlich, dass programmierbare Thermostate, die die Heizung auch dann runter drehen, wenn Sie selbst es vergessen haben, je nach An- und Abwesenheitszeiten zu höherer Energieeinsparung führen.

Bei der Programmierung gilt es zu beachten, dass eine Absenkung der Raumtemperaturen – etwa in der Nacht oder bei längeren Abwesenheiten – unter 16 bis 17 Grad Celsius nicht sinnvoll ist. Denn die raumumhüllenden Bauteile kühlen schnell aus und dann droht bei niedrigeren Temperaturen Schimmel. Eine Absenkung von 20 auf 17 Grad in der Nacht bringt jedoch satte 18 Prozent Energieeinsparung gegenüber dem Beibehalten der Temperatur.

Wann sind Energieeinsparungen möglich?

Je höher der Automatisierungsgrad der Heizungssteuerung, desto höher sind in der Regel auch die realisierbaren Einsparungen. Weitere 2 bis 6 Prozent Einsparungen sind drin, wenn das Thermostat mit Fenster- und Türkontakten kommuniziert, so dass die Heizung heruntergefahren wird, wenn diese geöffnet sind. Das hat das Freiburger Öko-Institut e.V. 2012 in seiner Studie „PROSA Programmierbare Heizkörperthermostate“ herausgefunden. Aus der Untersuchung geht auch hervor, dass sich die Thermostate vor allem für ältere Wohngebäude anbieten, in Neubauten mit einem hohen Energieeffizienzstandard sind die Einsparpotenziale deutlich niedriger.

Intelligent heizen

Noch mehr Energie lässt sich einsparen, wenn die Thermostate mit einem Raumsensor kommunizieren, der die An- und Abwesenheit von Personen erkennt und daraus lernt. Dann nämlich wird die Regelung an den tatsächlichen Bedarf angepasst. Bei den programmierbaren Thermostaten dagegen werden lediglich feste Zeiträume sowie die dann einzustellende Temperatur festgelegt. Ein Beispiel für ein System, das An- und Abwesenheiten erkennt ist en:key von Kieback & Peter. Die Stadt Coburg erhielt kürzlich für die Ausrüstung der Grundschule am Heimatring mit diesem System den Umweltpreis der Bayrischen Landesstiftung. „16,2 Tonnen CO2-Emmissionen werden dadurch vermieden“, zeigte sich Minister Söder bei der Preisverleihung beeindruckt.

In jedem Klassenzimmer wurde ein zweiteiliges Set bestehend aus einem Raumsensor und zwei funkgesteuerten Ventilreglern installiert. Der Raumsensor erkennt, wenn sich keine Personen mehr im Raum aufhalten und senkt die Temperatur ab, sodass Heizenergie gespart wird. Harald Reißenweber, bei der Stadt Coburg im Hochbauamt für den Gebäudeunterhalt zuständig, erkannte 2012 das enorme Energieeinsparpotenzial, das darin gerade für die Heimatring-Grundschule liegt. Denn die Klassenräume werden oft nur wenige Stunden am Tag genutzt, das Herunterdrehen der Heizung erfolgte aber oft erst am Abend oder wurde sogar ganz vergessen. Solche Bedienungsfehler gehören mit en:key der Vergangenheit an.

Das System steuert die Heizung über den Raumsensor, lernt aber gleichzeitig kontinuierlich und erstellt ein individuelles Benutzerprofil, so dass nach kurzer Zeit die Klassenräume pünktlich zu den Benutzungszeiten angenehm temperiert sind. Im Regelfall spare das System durch diese Vorgehensweise bis zu 20 Prozent Heizenergie, so der Hersteller. Im Falle der Heimatring-Grundschule waren es aufgrund der nur stundenweisen Raumnutzung deutlich mehr.

Kosten und weitere Möglichkeiten der Energieeinsparung

Komplexere Systeme erhöhen somit die Energieeinsparung mehr als die einfachen programmierbaren Thermostate, sind aber auch einiges teurer. Ein en:key-Raumset bestehend aus dem Sensor und einem Ventilregler kostet im Handel um die 250 Euro, ein weiterer einzelner Ventilregler um die 150 Euro. Das sind Preise, mit denen sich so mancher Mieter schon schwer tut. Zum Vergleich: einfache programmierbare Thermostate sind bereits unter 20 Euro zu haben.

Noch mehr einsparen lässt sich, wenn neben der Einzelraumregelung die Heizungsanlage an den jeweiligen Bedarf angepasst und automatisiert geregelt wird. Die Einzelraumregelungen der Wohnungen in einem Wohngebäude sind dann direkt mit der Heizzentrale des Gebäudes verbunden und geben die programmierten Daten weiter. Durch diese direkte Rückkopplung kann die Heizleistung angepasst und stets die Temperatur vorgehalten werden, die nötig ist, um alle Einzelwünsche zu erfüllen. Auf diese Weise wird die Heizungsanlage immer am energetischen Minimum gefahren.

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