Handwerksbetriebe & Mindestlohn: Das müssen Sie wissen!

Deutschlands Handwerksbranche ist ein wichtiger Wirtschaftstreiber. Eine Million Betriebe beschäftigen rund fünf Millionen Menschen. Jeder achte Erwerbstätige ist folglich ein Handwerker. Durchschnittlich neun Mitarbeiter hat ein Handwerksbetrieb.

Insbesondere im ländlichen Raum sind Familienunternehmen zu finden, wo ein Meister einen Gesellen sowie ein bis zwei Lehrlinge und eine Bürokraft beschäftigt. Die Wirtschaftlichkeit ihrer Firma hat oberste Priorität. Damit diese gewährleistet ist, spielen viele Meister mit dem Gedanken, den Mindestlohn zu zahlen. Was Sie dazu wissen müssen, erklären wir im Anschluss.

Die Gehälter im Handwerk

Das Handwerk hat goldenen Boden, heißt es bekanntlich. Im digitalen Zeitalter hat dieses Sprichwort nicht an seiner Bedeutung eingebüßt, jedoch sind die Verdienstmöglichkeiten im Vergleich zu anderen Branchen keineswegs bahnbrechend. Ausnahmen bestätigen die Regel: Die Arbeit bestimmter Handwerksberufe wird überdurchschnittlich vergütet. Die Metall- und Elektrohandwerke beschäftigen zahlreiche Arbeitnehmer, die sich am Monatsende über ein hohes Gehalt freuen dürfen. Daten des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2010 zufolge verdienen Flach- und Tiefdrucker im Schnitt rund 43.000 Euro und Maschinenbauschlosser 40.000 Euro pro Jahr.

Auffällig ist ein großer Unterschied zwischen den neuen und alten Bundesländern:

Handwerksberuf Bruttoverdienst 2010 (West) Bruttoverdienst 2010 (Ost)
Flach-/Tiefdrucker 42.775 € 32.456 €
Maschinenbauschlosser 42.256 € 31.638 €
Werkzeugmacher 41.862 € 27.364 €
Fernmeldehandwerker 41.344 € 32.517 €
Elektroinstallateure & -monteure 40.912 € 28.444 €
Elektrogerätebauer 40.441 € 27.990 €
Elektromotoren-/Transformatorenbauer 40.000 € 27.412 €

Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland

Seit dem 1. Januar 2015 gilt in Deutschland die bundesweite Lohnuntergrenze von 8,50 Euro brutto pro Stunde. Im Januar 2017 wird er laut dem Beschluss der Mindestlohnkommission auf 8,84 Euro brutto je Zeitstunde steigen. Hinter dem Mindestlohn steht der Gedanke, dass jeder Beruf die Existenz des Arbeitnehmers sichern soll.

Mindestlohn Bundesländervergleich

Die Lohnuntergrenze gilt sowohl für Familienangehörige als auch geringfügig Beschäftigte (zum Beispiel 450-Euro-Jobber). Neben dem gesetzlich geregelten Mindestlohn existieren Branchenmindestlöhne, die zwischen Arbeitgeber und Gewerkschaften ausgehandelt werden. Ein Überblick über alle in Deutschland gültigen Mindestlöhne gibt es im WSI-Tarifarchiv.

Bis Ende 2016 kann, wenn ein verbindlicher Tarifvertrag vorliegt, die gesetzliche Lohnuntergrenze (8,50 Euro) unterschritten werden. Ab 2017 ist das nicht mehr möglich: Der Mindestlohn gilt in allen Branchen, auch wenn im Tarifvertrag ein geringeres Entgelt vereinbart wurde.

Achtung: Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) ist für die Durchsetzung der Lohnuntergrenze verantwortlich. Verstöße ahndet sie mit Geldbußen in Höhe von bis zu 30.000 Euro bei Verstößen gegen die Dokumentations- und Nachweispflicht beziehungsweise bis zu 500.000 Euro, wenn der Mindestlohn nicht gezahlt wird.

5 Gruppen, für die Sonderregeln gelten

Die in Deutschland 2015 eingeführte Lohnuntergrenze gilt generell für alle Arbeitnehmer. Für fünf Gruppen gibt es jedoch Sonderregeln, die Handwerksbetriebe berücksichtigen müssen.

  1. Jugendliche unter 18 Jahren: Personen im Sinne des § 2 Abs. 1 und 2 des JArbSchG, die keine Berufsausbildung abgeschlossen haben, sind im Sinne des Gesetzes keine Arbeitnehmer. Ziel ist es, dass sie ihre Schulausbildung nicht frühzeitig beenden und arbeiten gehen, sondern eine Berufsausbildung verfolgen.
  2. Praktikanten: Für ein Praktikum im Rahmen eines Studiums, einer Ausbildung oder der Schule wird kein Mindestlohn gezahlt. Selbiges gilt für Praktika, die bis zu drei Monate dauern und zur Berufs- oder Studienorientierung dienen.
  3. Auszubildende: Die Vergütung für Azubis wird nicht gesetzlich geregelt, denn dadurch würden mit großer Wahrscheinlichkeit Ausbildungsplätze wegfallen.
  4. Ehrenamtliche: Ehrenamtliche Tätigkeiten sind keine Arbeit, da materielle Interessen nicht von Bedeutung sind.
  5. Langzeitarbeitslose: Wer gemäß § 18 Abs. 1 SGB III langzeitarbeitslos war, für den gilt die Lohnuntergrenze in den ersten sechs Monaten im neuen Beruf nicht.
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