Die Grundrissgestaltung Ihres Bauvorhabens – Teil 3: Natürliche Bedingungen

Ihr Raumkonzept ist bereits erstellt. Welche Räume Sie benötigen, haben Sie für sich schon entschieden. Nun kommen wir zu den vorhandenen Sachzwängen, die Baugrund und Natur mit sich bringen.

Baugrund: Unbedingt den Grundwasserstand beachten!

Den Grundwasserstand erfragen Sie auf der Gemeinde, in der Regel erhalten Sie die Auskunft mit dem genauen Lageplan Ihres Grundstückes. Den Lageplan – kostenpflichtig – benötigen Sie auf alle Fälle für Ihre Baugenehmigung bzw. Ihren Bauantrag. Die Auswirkungen sind folgende: Im Idealfall liegt der höchste anzunehmende Grundwasserstand unterhalb Ihres Kellerfundamentes und braucht Sie deshalb nicht zu interessieren. In diesem Falle sollte er aber mindestens 80 cm tiefer liegen!

„Weiße Wanne“ für trockene Kellerräume

Wenn sich der Grundwasserstand innerhalb Ihrer Kellerräume bzw. in deren Ebene befindet, müssen Sie eine sogenannte „weiße Wanne“ bauen. Dieser Ausdruck bedeutet, Ihr Keller muss mit wasserdichtem Beton ausgeführt werden. Das kostet aufgrund der veränderten Zusammensetzung mehr. Dazu kommen noch die Kosten für Dichtungs- bzw. Fugenbänder in Wänden und Böden. Konkret heißt das:

Dichtungsband in

  • den Anschlüssen der Bodenplatte,
  • den aufgehenden Wänden,

Fugenbänder in

  • Arbeitsfugen,
  • Betonierabschnitten etc.

Falls an diesen Stellen eventuell dennoch in geringem Maße Feuchtigkeit eindringt: Keine Panik! Diese ist mit wenig Aufwand durch den Unternehmer zu beseitigen. Dort werden diese Fugen dann angebohrt und verpresst.

Auf gutem Grund: Wasserhaltung & Bodengutachten

Es entstehen hier auch Mehrkosten durch die sog. Wasserhaltung – ein an sich irreführender Fachausdruck. Natürlich soll das Wasser nicht gehalten werden, sondern entfernt, und zwar aus der Baugrube. Dies geschieht über ein gelochtes Betonrohr, etwas tiefer als der Baugrubenboden (Unterkante Bodenplatte und Sauberkeitsschicht) und mittels einer Pumpe.

Wenn sich der höchste Wasserstand aber bis zur Bodenoberkante einstellen kann, dann erwarten Sie nochmals Mehrkosten. Denn: Die zuvor beschriebene Wasserhaltung erfolgt mit hohem Energieaufwand, mehreren Pumpen und ist über einen längeren Zeitraum notwendig. Sie benötigen wasserdichte Kellerfenster und dazu noch wasserdichte Lichtschächte.

In diesen Gebieten müssen Sie auch der Gründung Ihres Gebäudes hohe Aufmerksamkeit widmen. Hierzu empfiehlt sich immer, ein Bodengutachten erstellen zu lassen. Nehmen Sie dafür – wenn möglich – ein Büro aus der Gegend. Diese haben in der Regel die notwendige Erfahrung mit dem (hiesigen) Untergrund.

Unterbringung der Haustechnik: Brennstofflagerung im Keller?

Überlegen Sie in jedem Fall, ob es für Sie notwendig ist, Ihr Haus zu unterkellern. Die zur Verfügung stehende Haustechnik erlaubt es Ihnen, die notwendigen Geräte für Heizung und Lüftung mit geringem Raumbedarf unterzubringen. Das Problem dabei ist eher die Brennstofflagerung. Fernwärme, Erdwärme, Wärmepumpe – Grundwasser – und Gas benötigen keinen Lagerraum.

Möglich ist die Unterbringung der Haustechnik auch außerhalb des Hauses, entweder in einem separaten Nebengebäude, einem Nebenraum oder einer Garage etc. Eventuell können Sie aber auch beim Bau eines Passivhauses ganz auf Brennstoffe verzichten. Deshalb sollten Sie frühzeitig diese Gegebenheiten abklären!

Außenbedingungen: Himmelsrichtungen & Grundstücksneigung

Je nachdem, wie sonnig – oder eben schattig – Sie es gerne in Ihren eigenen vier Wänden hätten, sollten Sie auf die Himmelsrichtungen achten, in denen die Räume Ihres Hauses liegen. Und: Aus einer Hanglage können Sie Vorteile für Ihre Raumhöhe ziehen!

Himmelsrichtungen

Hierzu die folgenden Empfehlungen: Bedenken Sie, dass es in Nebenräumen im Norden kein direktes Sonnenlicht gibt! Dafür bieten sie zwar gleichmäßiges Licht, aber keine Wärme durch die Sonneneinstrahlung. Nutzen Sie Ihren Hauseingang und die Gästetoilette ggfs. mit dem Windfang als Nebenraum. Wenn Sie kreativ tätig sind und z.B. einen Atelierraum für sich wollen, schaffen Sie diesen Raum ebenfalls im Norden: Hier haben Sie gleichmäßiges Licht ohne scharfe Schatten.

Für Wohnräume empfiehlt sich – wenn möglich – die Lage im Südosten, Süden und Südwesten des Hauses. Denn: Hier ist tagsüber und abends Sonne. An sonnigen Tagen im Winter ist die tiefstehende Sonne durchaus ein Gewinn. Setzen Sie darüber hinaus die Schlafräume in den Osten oder Südosten. Mit Morgensonne steht man ja bekanntlich besser auf! Jetzt noch zu einem wesentlichen Gesichtspunkt der Raumgestaltung: Versuchen Sie, Ihren Freisitz oder die Terrasse im Südwesten anzuordnen, so dass Sie dort mittags und abends Sonne haben. Lassen Sie Platz für einen eventuellen Wintergarten.

Lage & Neigung des Grundstückes

Denken Sie auch daran, dass die natürlichen Gegebenheiten zu berücksichtigen sind. Haben Sie ein Grundstück mit Gefälle, überlegen Sie, ob nicht das Erdgeschoss durch Level-Splitting verbessert werden kann. Das bedeutet, dass Ihr Wohnzimmer eine oder zwei Stufen tiefer liegen kann als die übrigen Räumlichkeiten. Wobei die Betonung nicht im „tiefer liegen“ gesehen werden soll, sondern darin, dass dieser hoffentlich auch größenmäßig großzügig geplante Raum um ca. 15 bis 30 cm höher wird!

 

Herbert A. Wolf

Herbert A. Wolf: Nach Realschule, Berufsausbildung, Fachabitur, Studium Bauingenieurwesen ca. 40 Jahre Tätigkeit als Bauleiter im Hochbau für verschiedene Architektur- und Ing.-Büros. Dabei Neubauten erstellt, Renovierungen durchgeführt. Ausführungs- und Detailplanung für die Belange Bau und Ausbau, Organisation sowie Führung von Baustellen. Baumaßnahmen im Sakralbau, außerdem Wohn- und Geschäftsbauten, Verwaltungsbauten und Krankenhausbau ausgeführt.
Herbert A. Wolf

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