Die Grundrissgestaltung Ihres Bauvorhabens – Teil 2: Raumaufteilung

Das Entstehen der äußeren Form aufgrund der örtlichen Bauvorschriften haben wir in Teil 1 („Örtliche Gegebenheiten und Grundstück“) bereits behandelt. Nun soll es darum gehen, inwieweit sich unter Einhaltung und Berücksichtigung der Rahmenbedingungen die persönlichen Wünsche zur Raumaufteilung realisieren lassen.

Der Raum ist Programm: Das individuelle Raumprogramm

Wir wenden uns nun im Wesentlichen einem von Ihnen zu erstellenden Raumprogramm zu. Fragen Sie sich konkret: Was wollen Sie verwirklichen? Erstellen Sie anhand Ihrer familiären und finanziellen Möglichkeiten sowie Ihrer persönlichen Präferenzen eine Liste der benötigten Räume:

Beispiel:

Allgemein: Wohnen, Essen, Kochen, Schlafen, Ankleiden, Kind 1, Kind 2, Arbeiten, Gast, Sanitär (Bad Eltern, Bad Kinder, WC Gast)

Nebenräume: Hauswirtschaft, Fitness, Hausanschluss, Heizung, Vorräte, evtl. Serverraum

Erschließung der Räume: Windfang, Flure oder geräumige Diele, Treppenraum

Überlegen Sie, ob diese Räume für die Verwirklichung Ihrer Wünsche alle notwendig sind. Ordnen Sie – sozusagen auf der nächsten Ebene – die Räume den jeweiligen Geschossen zu. Beispiel für eine übliche Zuordnung:

Keller: Planen Sie u.a. Nebenräume ein und – wenn notwendig – auch die Bevorratung von  Heizmaterial (z.B. Öltanks & Heizungsanlage, Holz, Pellet-Depot). Hierzu ist die mögliche bzw. nötige Energieversorgung mit Unternehmen vor Ort abzuklären.

Oft ist zu diesem Zeitpunkt die Entscheidung beispielsweise über die Heizungsanlage noch gar nicht gefallen. Daher ist dies die Gelegenheit, um für eine richtige Planung die erforderlichen Anfragen an Sanitär- und Heizungsbauer zu richten. Dort kennt man die Preise und die Vor- und Nachteile der einzelnen Energiearten, die oft örtlich schwanken.

Erdgeschoss: Hier dreht sich im Regelfall alles um Wohnen, Essen, Kochen, Gäste, WC für Gäste etc. Hier sollten Sie sich bereits über Details Gedanken machen, zum Beispiel ob in das Gäste-WC ein größerer Waschtisch und/oder eine Dusche eingebaut werden sollen.

1. Obergeschoss oder ausgebautes Dachgeschoss: Es umfasst meist die Bereiche Schlafen, Ankleiden, Kind 1, Kind 2, Arbeiten, Sanitär (Bad Eltern, Bad Kinder). Halten Sie die Zimmer möglichst voneinander getrennt. Das bedeutet, dass Kinder und deren Bad auf einer Flurseite, Elternschlafzimmer mit Zugang zum (eigenen) Bad und das Ankleidezimmer auf der anderen Flurseite liegen. Und: Vermeiden Sie nach Möglichkeit Durchgangszimmer. Denken Sie außerdem an den Treppenraum!

Belichtung & Belüftung der Räume

Nun beginnen wir mit der unverzichtbaren – weil notwendigen – Belichtung und Belüftung Ihrer Räume. Die goldene Regel: Für die erforderliche Belichtung ist 1/8 der Grundfläche des Raumes als Fensterfläche notwendig. Dies ist eine Bauvorschrift!

Wichtig: Die Fensterfläche ist dabei nicht die Rohbauöffnung, sondern die Glasfläche! Nun wissen Sie auch, warum sogenannte französische Fenster – bodentief mit Balkongitter als Absturzsicherung – in Häuser eingebaut werden. Dies hat nämlich nicht immer ästhetische Gründe! Normale Fenster sind zudem oftmals preiswerter.

Besuchen Sie beispielsweise die Fensterausstellungen der Hersteller und Lieferanten. Dort werden Sie über Belüftung – Drehflügel, Kippflügel, Feststellbeschläge etc. – bestens aufgeklärt. Bedenken Sie in jedem Fall, dass ein Fensterflügel mit 1m Breite im geöffneten Zustand auch 1m in den Raum hineinragt, auch wenn dieses Fenster billiger ist. Überlegen Sie auch, ob vor diesem Hintergrund später die Möbel noch so gestellt werden können, wie Sie es wünschen.

Herbert A. Wolf

Herbert A. Wolf: Nach Realschule, Berufsausbildung, Fachabitur, Studium Bauingenieurwesen ca. 40 Jahre Tätigkeit als Bauleiter im Hochbau für verschiedene Architektur- und Ing.-Büros. Dabei Neubauten erstellt, Renovierungen durchgeführt. Ausführungs- und Detailplanung für die Belange Bau und Ausbau, Organisation sowie Führung von Baustellen. Baumaßnahmen im Sakralbau, außerdem Wohn- und Geschäftsbauten, Verwaltungsbauten und Krankenhausbau ausgeführt.
Herbert A. Wolf

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