Grauwasseranlage: Abwasser sinnvoll wiederverwenden

Beim Duschen, Baden oder Spülen fließen tagtäglich viele Liter Trinkwasser in den Abfluss. Dieses sogenannte Grauwasser, das meist nur gering verschmutzt und frei von Fäkalien ist, könnte aber durchaus mit einer Grauwasseranlage noch genutzt werden. So ist die Wasserqualität zum Beispiel bei der Toilettenspülung oder der Gartenbewässerung eher zweitrangig. Grauwasseranlagen fangen das Wasser auf, reinigen es und leiten es zurück zu Verbrauchern in Haus und Garten. Wie Grauwasseranlagen funktionieren und ob sie sich auch im eigenen Zuhause lohnen, erklären wir in den folgenden Abschnitten.

Was ist Grauwasser und wofür kann es genutzt werden?

Als Grauwasser wird all das Wasser bezeichnet, das frei von Fäkalien und damit nur gering verschmutzt ist. Es fällt zum Beispiel beim Duschen, Baden oder Wäschewaschen an und kann in entsprechenden Grauwasseranlagen aufbereitet werden. Je nachdem wie hoch der Aufbereitungsgrad ist, kann zurückgewonnenes Grauwasser zum Beispiel für die Gartenbewässerung, die Toilettenspülung, den Hausputz oder sogar die Waschmaschine genutzt werden.

Grauwasseranlagen machen es möglich, den Trinkwasserbedarf deutlich zu reduzieren. In einem 4-Personen-Haushalt können dabei jährlich mehr als 60 m³ Trinkwasser eingespart werden. Im Gegensatz zur Regenwassernutzung, die in langen und trockenen Sommern auch nicht ohne Trinkwasser auskommt, fällt Grauwasser immer an. Allein das Wasser aus Badewanne, Dusche und Waschbecken reicht in der Regel aus, um den Bedarf für Toilette, Garten und Waschmaschine zu decken. Das aufgefangene Grauwasser kann damit ganzheitliche Wasserkreisläufe in Gebäuden schaffen.

Wie funktioniert eine Grauwasseranlage?

Grauwasseranlagen haben die Aufgabe, fäkalienfreies Abwasser, aufzufangen, zu recyceln und das gereinigte Wasser an Verbraucher im Haus zu verteilen. Dazu bestehen die Anlagen aus:

  • einem separaten Abwasserrohrnetz
  • einem Tank zum Sammeln und Aufbereiten des Grauwassers
  • einem Rohrnetz zur Versorgung der angeschlossenen Verbraucher

Um zu verhindern, dass Grauwasser mit Fäkalien in Berührung kommt, muss es vom Verbraucher bis zur Grauwasseranlage in einem eigenen Abwasserrohrnetz transportiert werden. Dieses besteht in der Regel aus großen Kunststoffrohren, die anstatt zum Abwasserkanal, zum Grauwasser-Behälter fließen. Da die Installation der 5 bis 10 Zentimeter starken Rohre viel Platz benötigt, ist ein nachträglicher Einbau oft nur bei umfassenden Sanierungsmaßnahmen möglich.

Im Tank angekommen, fließt das aufgefangene Grauwasser zuerst durch einen Filter, der grobe Verschmutzungen herauslöst und diese meist automatisch in das Kanalnetz spült. Im zweiten Schritt wird das Wasser biologisch gereinigt. Das heißt, es wird belüftet und mit reinigenden Bakterien versetzt, die einen Großteil der vorhandenen Verschmutzungen entfernen. Vor der Nutzung in der Hausanlage fließt das Wasser zusätzlich durch einen Membranfilter, der neben zurückgebliebenen Reststoffen auch Keime und Viren aus dem Wasser löst.

Hinweis: Der Membranfilter muss regelmäßig gewartet werden. Hersteller empfehlen eine jährliche Überprüfung, bei der auch angesammelter Schmutz ausgespült wird.

Nach der Reinigung kann das klare und saubere Wasser über eine Pumpe und ein Rohrnetz zum Beispiel an Waschmaschinen, Toiletten oder die Gartenbewässerung verteilt werden. Sollte doch einmal zu wenig Grauwasser vorhanden sein, stellt eine automatische Nachspeisung von Regen- oder Trinkwasser sicher, dass alle Verbraucher immer ausreichend versorgt sind.

Die Abbildung verdeutlicht die Funktion einer Grauwasseranlage grafisch.

Funktionsweise einer Grauwasseranlage

Funktionsweise einer Grauwasseranlage. Bildquelle: © Alexander Rosenkranz

Grauwasseranlagen werden von vielen Herstellern zur unterirdischen Installation oder der Aufstellung im Haus angeboten. In der Praxis entscheidet die notwendige Größe über die Art der Aufstellung.

Hinweis: Die benötigte Größe einer Grauwasseranlage ist abhängig von vielen Faktoren, wie zum Beispiel dem Wasserbedarf und dem Verschmutzungsgrad. Bei der Wahl der passenden Technik finden Sie Unterstützung bei Sanitär-Fachhandwerken.

Lohnt sich eine Grauwasseranlage auch finanziell?

Anlagen zur Grauwasser-Aufbereitung können in einem typischen Vier-Personen-Haushalt jedes Jahr mehr als 60 m³ Trinkwasser einsparen und sind damit eine gute Möglichkeit, besonders nachhaltig mit dem kostbaren Gut umzugehen.

Da Grauwasseranlagen aber nicht nur den Trinkwasser-Verbrauch reduzieren, sondern auch die oft überstrapazierten öffentlichen Abwassersysteme entlasten, fördern einige Gemeinden ihre Installation. Ohne die Förderung liegen die finanziellen Ersparnisse in Einfamilienhäusern aber so niedrig, dass sich die Investitionen von rund 5.000 € für eine Grauwasseranlage oft erst nach vielen Jahren lohnen.

Hinweis: Da sich die Kosten für Wasser und Abwasser sowie mögliche Förderungen für Grauwasseranlagen regional stark unterscheiden, kann eine verbindliche Aussage über die Wirtschaftlichkeit nur im Einzelfall getroffen werden. Hilfe finden Sie bei einem Sanitär-Handwerker.

Während der finanzielle Nutzen der Grauwasseranlagen im Einfamilienhaus kritisch betrachtet werden muss, sieht es in größeren Gebäuden und Wohnkomplexen oft besser aus. Denn je höher der tägliche Trinkwasserverbrauch ist, desto höher sind auch die möglichen Kosteneinsparungen.

Wo eignen sich Grauwasseranlagen außerdem?

Das auf der Erde vorhandene Trinkwasser ist sehr ungleich verteilt. Während es in Deutschland ausreichend vorhanden ist, haben es Länder in südlichen Regionen schwerer. Experten vermuten, dass bis zum Jahr 2050 fast zwei Drittel der Weltbevölkerung unter akuter Wassernot leiden. Grauwasseranlagen sind eine Möglichkeit nachhaltig mit dem begrenzten Gut umzugehen.

 

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Alexander Rosenkranz

Alexander Rosenkranz (28 J.) ist Gründer von energie-wortwende.de und war als Co-Gründer an der Entwicklung der Sanierungsplattform eccuro beteiligt. Verständliche Informationen und eine motivierende Kommunikation sind für ihn der Schlüssel für den nachhaltigen Erfolg der Energiewende.
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