Wo liegt mein Wärmeeinsparpotential? Der energetische Sanierungsfahrplan

Gastbeitrag von Svenja Vogel, klimakoenner.de: Immer mehr Leute wollen ihren persönlichen ökologischen Fußabdruck reduzieren und in den eigenen vier Wänden gegen die globale CO2 -Emission vorgehen. Hierbei kann zum Beispiel von einem Erdgas-Tarif zu einem Biogas-Tarif gewechselt werden. Der beste Weg zu mehr Klimaschutz ist allerdings die Einsparung von Kilowattstunden. Wie man diese Einsparung am besten durchführen kann, verrät ein sogenannter Sanierungsfahrplan. Was das genau ist und wie es sich mit einer bundesweiten Entwicklung des Sanierungsfahrplans verhält, verrät der folgende Artikel.

Energieberatung im Eigenheim

Das Konzept der Energieberatung hat durch die Wärmeschutzverordnung wie auch die Energieeinsparverordnung (EnEV) immer mehr an Bedeutung gewonnen. Dabei ist das Ziel einer Energieberatung, ein effektives Konzept zur Wärmedämmung und Energieeinsparung zu liefern. Dieses ist für den Kunden nicht nur aus ökologischen Gründen interessant, sondern kann langfristig auch einen ökonomischen Mehrwert liefern. So werden bei der Beratung unter anderem der Dämmstandard der Rohre identifiziert, der Vorjahresverbrauch begutachtet und der Kessel überprüft. Das Ergebnis der Inspektion kann dann als Grundstein für eine energetische Aufrüstung im Rahmen einer Komplettsanierung oder einer Schritt-für-Schritt-Sanierung gesehen werden.

Eine Möglichkeit ist es, sich mit dem Wunsch einer Energieberatung an das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) zu wenden. Im Jahr 2016 belief sich die Anzahl der Anträge auf eine Vor-Ort-Beratung auf 7999 Fälle bundesweit. Diese Form der Beratung richtet sich an Haus- und Wohnungseigentümer und wird von der BAFA als Maßnahme zur Verbesserung des Klimaschutzes in Deutschland mit 60 % gefördert. Um diese Förderung zu erhalten, muss allerdings ein von der BAFA anerkannter Berater die Untersuchung des Ist-Zustandes des Hauses durchführen. Pluspunkt bei dieser Beratungsoption ist nicht nur die Förderung: Die BAFA stellt den Beratern auch Checklisten bereit, an denen diese sich orientieren können, um kein Einsparpotential zu übersehen. Dadurch wird aber ein erhebliches Manko in der aktuellen Konzeptionierung der Energieberatung deutlich: Es gibt noch kein bundesweit anerkanntes und standardisiertes Instrument, welches den Energieberatern für ihre Arbeit vorliegt. Die Ergebnisse einer Beratung werden unterschiedlich aufbereitet. Außerdem geht jeder Berater individuell vor und untersucht dabei zwangsläufig das Haus auf eine persönliche Weise. Diesem Problem will die dena (Deutsche Energie-Agentur) nun ein Ende setzen.

Individueller Sanierungsfahrplan der Deutschen Energie-Agentur

Um den Beratern ihre Arbeit zu erleichtern und ihnen einen Leitfaden an die Hand zu geben, entwickelt die dena in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut ifen und dem Passivhaus Institut aktuell ein standardisiertes Instrument für die Energieberatung: den „individuellen Sanierungsfahrplan für Wohngebäude“. Hierdurch soll nicht nur das Vertrauen der Haushalte in die energetische Sanierung erhöht, sondern auch bundesweit einheitliche Standards zur Energieberatung erarbeitet werden. Durch eine dahinterstehende Software sollen die Ergebnisse der Beratung dann gleich kundenfreundlich und leicht verständlich aufbereitet und veranschaulicht werden. Hinzu kommt, dass das Instrument in enger Zusammenarbeit mit der BAFA entwickelt wird. Damit soll gewährleistet werden, dass die relevanten Standards zur Förderung der BAFA abgedeckt werden. Anfang 2016 ging der Sanierungsfahrplan in eine Pilotphase. Aktuell wird die Software noch verbessert, sodass das Instrument zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht auf dem Markt ist. Es ist aber definitiv ein Schritt in die richtige Richtung.

Sanierungsfahrplan in Baden-Württemberg

Diesen Schritt ist die Regierung in Baden-Württemberg bereits gegangen. In Anlehnung an die Novellierung des Erneuerbare-Wärme-Gesetzes wurde ein Sanierungsfahrplan entwickelt, der sich an den Anforderungen der Gesetzgebung orientiert und gleichzeitig zur Erfüllung des Gesetzes beitragen kann. So werden durch die Durchführung des Sanierungsfahrplans ein Drittel des EWärmeG erfüllt. Diese Möglichkeit ist letztendlich auch eine Form der Vor-Ort-Beratung, die dem Gebäudeeigentümer den Ist-Zustand seines Hauses aufführt und energetische Verbesserungsvorschläge liefert. In der Dokumentation werden dem Kunden dann mindestens zwei Sanierungsvarianten aufgeführt. Zur Erfüllung des Gesetzes ist die Durchführung der energetischen Sanierung aber nicht nötig. Die Regierung erhofft sich dadurch allerdings ein stärkeres Bewusstsein der Bevölkerung bezüglich Klima- und Wärmeschutz im eigenen Zuhause. Gleichzeitig ist es eine günstige Möglichkeit, einen Teil des EWärmeG zu erfüllen.

Weitere Informationen zum Sanierungsfahrplan in Baden-Württemberg sind auf Klimakönner.de bereitgestellt.

Gleichwertig zum baden-württembergischen Sanierungsfahrplan ist allerdings auch die Durchführung einer BAFA-Vor-Ort-Beratung. Von den bundesweit 7999 Anträgen aus dem Jahr 2016 kamen 2261 Anträge aus Baden-Württemberg. Den zweiten Platz besetzt das Bundesland Nordrhein-Westfalen mit gerade mal 1301 Anträgen. Diese Zahlen verdeutlichen wohl die Effektivität des Gesetzes. So bleibt zu hoffen, dass die Anträge für Energieberatungen auch in den anderen Bundesländern weiter steigen werden.

 

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