Wertvolle Zeit: Ein Interview mit dem Uhrenmacher

Wer seine Werkstatt betritt fühlt sich sofort wohlig, ruhig und völlig entschleunigt. Obwohl in jeder Ecke, an allen Wänden Uhren zu sehen sind und ständig ein leises Ticken zu hören ist, herrscht eine entspannte, fast schon träumerische Stimmung. Wir waren zu Besuch bei Christoph Gehring, einem Uhrenmacher-Meister aus Altmannshausen. Während unseres Besuchs hat er viel über seinen Beruf, seine Ausbildung und das besondere Gefühl erzählt ein Uhrenmacher zu sein.

Meister.de: Wie lange üben Sie diesen Beruf schon aus?

Christoph Gehring: Seit Beginn der Lehre, seit 1995.

Uhrenmacher Christoph GehringMeister.de: Und wie bist du auf den Beruf gekommen?

Christoph Gehring: Eigentlich durch meine Mutter, die auch Uhrenmacherin ist. Während meiner Schulzeit habe ich dann ein zweiwöchiges Praktikum gemacht und sofort erkannt, dass das mein Traumberuf ist.

Meister.de: Wie sah die Ausbildung aus?

Christoph Gehring: Die Ausbildung war eine Mischung aus praktischem Unterricht im Betrieb und in der Berufsschule, aber natürlich gab es auch einen Theorieteil. Das meiste war allerdings Learning-by-Doing. Das war aber auch jedes Mal ein Erlebnis, da man z.B. mit jeder Uhr, die man geöffnet hat mehr über den Aufbau und die Funktion gelernt hat.

Meister.de: Ist der Meister ein Muss in der Branche?

Christoph Gehring: Der Meisterbrief ist nicht zwingend ein Muss in der Branche. Dennoch gilt er als Qualitätssiegel und ist für eine Selbstständigkeit von Vorteil.

Meister.de: Was ist die tägliche Arbeit eines Uhrenmachers und was macht Ihr Handwerk besonders?

Christoph Gehring: Zu meinen täglichen Werkzeug Uhrmacher Uhrmacherwerkzeug Werkzeug eines UhrmachersArbeiten gehören viele kleine Servicearbeiten, wie zum Beispiel Batterien wechseln und Uhren stellen, aber auch Generalüberholungen antiker Uhren. Man hat nicht nur mit einzigartigen Schmuckstücken, sondern auch mit ihren Besitzern zu tun. Hinter jedem Schmuckstück oder jeder Uhr stecken einzigartige Geschichten und viele Emotionen. Damit ist kein Tag wie der andere.

Meister.de: Welche Geschichte hat dich am meisten berührt oder zum Schmunzeln gebracht?

Christoph Gehring: Sehr schön fand ich die Geschichte eines Kunden, der mit einer Uhr aus einer B17-Flying Fortress aus dem 2. Weltkrieg zu mir kam. Als Kinder haben sie damals den Absturzort aufgesucht und alles Greifbare mitgenommen. Unter anderem auch Leuchtspurmunition, was noch für ein Abbrennen der Scheune des Bauernhofes gesorgt hat. Bei diesen Erzählungen bekommt man nicht nur hautnah Geschichte mit, sondern bekommt ein ganz anderes Bild davon, wie es früher gewesen ist. Das steht einfach in keinem Geschichtsbuch.

Meister.de: Welche Fortbildungen gibt es in diesem Berufsbild noch?altes Uhrwerk

Christoph Gehring: Neben der Weiterbildung zum Meister kann man sich auch noch speziell im Bereich Restauration fortbilden.

Meister.de: Was ist für dich das Interessante an diesem Job?

Christoph Gehring: Für mich war es immer schon interessant einmal selbstständig zu sein, dadurch bekommt man auch sehr viel Entscheidungsfreiheit und einen noch engeren Draht zu seiner Arbeit. Wie gesagt, ist es hier aber sehr hilfreich den Meistertitel zu haben.

Meister.de: Welche Fertigkeiten muss man für diesen Beruf mitbringen?

Christoph Gehring: In erster Linie braucht man ein gewisses Verständnis für Technik, um das Uhrwerk und sein Werkzeug verstehen zu können. Weiter sollte man auch Physik und Mathematik nicht scheuen. Davor muss man aber keine Angst haben. Das ist dann in Mathe zum Beispiel die Berechnung eines Zahnrades oder in Physik das Verständnis des Pendelgesetzes. Da man es hier mit vielen feinen Arbeiten zu tun hat, sollte man außerdem viel Geduld mitbringen.

Meister.de: Ist es ein moderner Beruf bzw. ändert sich das Berufsbild mit zukünftigen Entwicklungen?

Christoph Gehring: Der Uhrmacher oder Feinmechaniker ist ganz klar ein Beruf der Tradition und Moderne verbindet. Viele Arbeiten sind heute noch wie vor 100 Jahren. Mit der Entwicklung von z.B. Funkuhren oder jetzt auch Smart Watches ist man immer im wahrsten Sinne des Wortes am Puls der Zeit. Auch die Werkzeuge, die man verwendet, werden natürlich an die neuen Arbeiten angepasst.

Meister.de: Was war dein schönstes Erlebnis in diesem Beruf?

Christoph Gehring: Das war ganz klar die Verleihung des Meistertitels. Ein Gefühl, das ich nie vergessen werde.

Vielen Dank an Christoph Gehring für diese tollen Einblicke.

Hier geht es zur eigenen Website von Christoph Gehring

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