Ein Interview mit dem Kaminkehrermeister Hardy Habenicht

Der Hebst ist angekommen und jeder stellt sich auf den Winter ein. Wir machen unsere Autos und unseren Garten winterfest und stellen uns auf wohlig warme Stunden in unseren Häusern und Wohnungen ein. Damit unsere Heizungen und Öfen auch optimal und rechtlich einwandfrei arbeiten, braucht man eine bestimmte Person: den Schornsteinfeger, auch genannt Kaminkehrer. Er ist vielen Leuten bekannt, doch zu seinen Tätigkeiten gehört noch mehr als auf Dächer zu klettern und Kamine zu säubern. Hardy Habenicht ein erfahrener Kaminkehrermeister erklärt im Interview, was alles zu diesem Berufsbild gehört und warum der Kaminkehrer ein Beruf des 21. Jahrhunderts ist, der sich ständig weiterentwickelt.

Meister .de: Hallo Herr Habenicht können Sie unseren Lesern zu Beginn einen kurzen Überblick über den Alltag des Kaminkehrers geben?

Kaminkehrermeister Hardy HabenichtHardy Habenicht: Aufgrund der vielen verschiedenen Arbeiten des Kaminkehrers gibt es nie wirklich einen Alltag. Die Arbeiten reichen von den bekannten Kehrarbeiten der Kamine über Abnahmetätigkeiten und Messarbeiten bis hin zu Beratungen zur Energieeinsparung sowie Brand- und Umweltschutztätigkeiten. Nachdem die Haushalte bei uns angemeldet sind, erstellen wir immer schon eine Woche im Voraus einen Plan, wer, wann angefahren wird und was gemacht wird. So wissen die Haushalte frühzeitig Bescheid, dass wir in das Haus und auf das Dach müssen. Je nach Haushalt gibt es dann immer neue Herausforderungen und unterschiedliche Arbeiten, die gemacht werden müssen.

Meister .de: Wie sieht der typische Arbeitsplatz eines Kaminkehrers aus?

Hardy Habenicht: Das wechselt mit den einzelnen Kehrbezirken. Da wir überwiegend beim Kunden arbeiten wechselt es zwischen privaten Haushalten und Firmen ab. Wir besitzen zum Beispiel einen Stadtbezirk und haben so vermehrt mit privaten Haushalten zu tun. Die eigentliche Tätigkeit findet im Haus der Kunden statt. Büroarbeit gehört aber auch dazu, zum Beispiel wenn wir die anstehenden Touren planen oder Formulare und Anträge bearbeiten. Für den Meister findet ca. ein Drittel der Arbeitszeit im Büro statt.

Meister .de: Worauf kommt es als Kaminkehrer an, welche Eigenschaften muss man mitbringen?

Hardy Habenicht: Wie schon angesprochen findet der Großteil unserer Arbeit beim Kunden selbst statt, daher ist es sehr wichtig mit Kunden umgehen zu können. Das Tragen der Ausrüstung und das Besteigen des Daches setzen zudem eine grundlegende körperliche Fitness und Höhenverträglichkeit voraus. Was viele nicht wissen, ist, dass sich der Beruf des Kaminkehrers mit dem Stand der Technik weiterentwickelt. Ein Interesse für die Entwicklung der Technik und Lernbereitschaft sollte daher auch mitgebracht werden. Wie man mit den Geräten zum Beispiel bei Messarbeiten umgeht und sie richtig abliest, lernt man alles in der Berufsausbildung.

Meister .de: Sie haben die Ausbildung angesprochen. Wie ist denn die Ausbildung zum Schornsteinfeger aufgebaut?

Hardy Habenicht: Die normale Ausbildung dauert drei Jahre mit Blockunterricht. Auszubildende mit Abitur oder schon vorheriger Berufserfahrung haben zudem die Möglichkeit die Ausbildungszeit auf zwei Jahre zu verkürzen. Bei besonderen Leistungen kann man aber auch die normale Ausbildungszeit auf 2,5 Jahre verkürzen.

Meister .de: Und welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?

Hardy Habenicht: Nach der Ausbildung kann man den Meister ablegen und ein Studium z.B. in Versorgungstechnik oder Umweltschutz beginnen. In anderen Weiterbildungen kann man sich auch noch zum Energieberater zertifizieren lassen.

Meister .de: Was sind die größten Herausforderungen in diesem Beruf?

Hardy Habenicht: Die meisten würden vermuten, es ist die Arbeit auf dem Dach. Ich finde jedoch, dass die Arbeit mit dem Kunden selbst heutzutage eine der größten Herausforderungen darstellt. Man muss sich im Schnitt alle 30 Minuten auf einen neuen Kunden einstellen. Zudem kann durch den Kunden auch mal der Zeitplan ins Wackeln geraten, zum Beispiel wenn er sich entscheidet kurz vor unserem Besuch noch schnell einkaufen zu gehen und dann nicht zuhause ist, wenn wir klingeln. In diesem Fall müssen wir unseren Zeitplan ändern und das Haus nacharbeiten. Das ist leider nicht nur für uns umständlich, sondern oft auch für den Kunden ärgerlich. Trotzdem macht mir die Arbeit sehr viel Spaß.

Meister .de: In vielen Geschichten ist der Kaminkehrer ein Glücksbringer. Gibt es heute noch viele Leute die hoffen von Ihnen Glück zu bekommen?

Hardy Habenicht: Ja, diese Tradition gibt es tatsächlich noch sehr häufig. Viele Leute möchten unsere Kleidung oder auch das Werkzeug anfassen. Es ist jedoch schade, dass wir den meisten Leuten nur als Glücksbringer bekannt sind. Unsere Arbeit ist noch relativ unbekannt.

Meister .de: Welche Bedeutung haben die schwarze Kleidung, der Hut und das bekannte weiße Tuch?

Hardy Habenicht: Koller, unsere Jacke, und die Hose sind traditionell schwarz, da dieser Stoff zum einen sehr reißfest und Öl und Ruß abweisend ist. Zudem war es früher eine sehr schmutzige Arbeit. Weiße Kleidung wäre dadurch viel zu schnell unbrauchbar geworden. Der Hut, das weiße Tuch und die goldenen Knöpfe haben sich mit der Zeit durch die Zünfte entwickelt.

Meister .de: Ist es Pflicht diese Kleidung zu tragen?

Hardy Habenicht: Die Kehr-Kleidung, also Koller und Hose sind Pflicht. Diese dient aber auch zum Arbeitsschutz. Für Mess- oder Überprüfungsarbeiten haben wir auch leichtere Kleidung. Das weiße Tuch und der Hut sind keine Pflicht. Es ist jedoch schön diese Tradition weiterzuführen, schließlich identifiziert man sich so viel stärker als andere mit seinem Beruf.

Meister .de: Wie modern ist das Berufsbild bzw. wie hat sich der Beruf mit den neuen Technologien verändert?

Hardy Habenicht: Der Beruf des Kaminkehrers ist sehr modern. Mit der Weiterentwicklung der Gebäudehüllen und der Veränderung der Kaminsysteme hat sich natürlich auch unser Aufgabengebiet verändert. Zu den traditionell bekannten Kehrarbeiten kamen so noch Messarbeiten, z.B. der Abgase der Anlagen, hinzu. Außerdem müssen wir immer über den aktuellen Stand der Technik Bescheid wissen, um unsere Kunden optimal z.B. bei Energiefragen beraten zu können. Für die Ausstellung bestimmter Gutachten ist es auch wichtig der Technik einen Schritt voraus zu sein.

Meister .de: Was ist noch übrig vom klassischen Berufsbild?

Hardy Habenicht: Vom klassischen Berufsbild des Kaminkehrers sind nur das Kaminkehren und die Arbeit mit dem Kunden übrig geblieben. Die anderen neuen Aufgaben sehen die meisten Kunden nicht, daher sind sie noch nicht so bekannt.

Meister.de: Abschließend stellen wir gerne die Frage nach der Geschlechterverteilung. In vielen handwerklichen Berufen verzeichnet man mittlerweile einem großen Wachstum an Frauen. Wie sieht es mit dem Beruf des Kaminkehrers aus und haben sie vielleicht ihren männlichen Kollegen etwas voraus?

Hardy Habenicht: Nach meiner Erfahrung ist es definitiv ein Beruf, der für Frauen immer attraktiver wird. Im Raum Oberfranken gibt es aktuell 15 Auszubildende und darunter drei Frauen. Tendenz steigend, worüber wir uns sehr freuen. Nach unseren Erfahrungen haben Frauen es oft leichter im Kundenkontakt. Wir sagen sie kommen leichter ins Haus. Sie haben oft das bessere Gespür im Umgang mit Kunden. Es ist eindeutig auch ein Beruf für Frauen.

Herr Habenicht, vielen herzlichen Dank für das freundliche Gespräch und Ihre Zeit.

meister.de

Auf unserem Expertenblog finden Sie Fachwissen und spannende Beiträge rund um die Themen Handwerk, Bauen, Wohnen und Sanieren.
Die vielseitigen Kategorien, mit nützlichen Tipps und Checklisten sind hilfreich für Handwerker, Heimwerker, Bauherren und alle die gerne anpacken.

Fragen? Feedback? Anmerkungen?
Kommentar hinterlassen oder eine Mail an redaktion@meister.de schreiben
meister.de

/ DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

FOLGEN SIE UNS

Alle Rechte vorbehalten © Portal United AG 2020