„Ein guter Braumeister muss ALLES können“

Die Ausbildung und der Beruf des Brauers und Mälzers steckt voller spannender Aufgaben und Herausforderungen. Besonders die Arbeit in handwerklichen Traditionsbrauereien erlaubt jede Menge Kreativität, setzt aber auch sehr viel Eigeninititive voraus. Doch liegt nicht gerade darin der Reiz? Im Interview erklärt Braumeister Kevin Düsel worauf es in diesem Beruf wirklich ankommt und dass man sich in ganz unterschiedlichen Bereichen auskennen und zu helfen wissen muss. Das Gespräch mit ihm zeigt auch, wie viel Leidenschaft und Wertschätzung  in seinem Handwerk stecken:

Meister:
Wie bist du zum Beruf des Braumeisters gekommen? War es vielleicht eine Entscheidung bei einer Flasche Bier?

Kevin Düsel: Wenn ich ganz ehrlich bin, ja. Ich war auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz und ein Job im Büro kam für mich nicht in Frage. Also habe ich ein Praktikum als Brauer gemacht und mich dabei sofort dafür begeistert.

Meister: Wie sah deine Ausbildungszeit aus?

Kevin Düsel: Meine Ausbildung absolvierte ich in der Brauerei Spezial in Bamberg. Kenner wissen, dass die Brauerei ein Rauchbier braut und auch das Malz selbst herstellt. Der Ausbildungsberuf heißt ja auch Brauer und Mälzer. So habe ich von Anfang an den kompletten Ablauf der Bierherstellung erlernt, anschaulich in einem echten Handwerksbetrieb. Nach meiner Ausbildung habe ich dann noch ein halbes Jahr als Geselle gearbeitet und bin dann auf die Meisterschule gegangen. Das war für mich eigentlich schon zu Beginn meiner Ausbildung klar. Nach meinem Abschluss und als frisch gebackener Brau- und Malzmeister verschlug es mich wieder nach Bamberg zur „Mahr’s Bräu“. Danach war ich in einer sehr kleinen Brauerei, quasi als „one man show“. Für mich war es die optimale Gelegenheit mein Können und meine Kreativität zu beweisen. Zur Zeit arbeite ich in einer schnell wachsenden modernen Mittelständischen Brauerei zwischen Stuttgart und Ulm.

Meister: Was sollte man für eine Ausbildung zum Braumeister mitbringen?

Kevin Düsel: Mein Lehrmeister hat immer gesagt: „Ein guter Braumeister muss alles können.“ Und da hatte er Recht! Vor allem muss man als Braumeister immer sauber arbeiten, das ist das höchste Gebot. Man sollte aber auch technisch interessiert sein und wissen welche chemischen und mikrobiologischen Abläufe bei der Produktion gerade ablaufen. Gute Geschmacksnerven sind natürlich auch wichtig!

Meister: Was ist die tägliche Arbeit eines Braumeisters? Bzw. was ist der typische Tagesablauf für einen Braumeister?

Kevin Düsel: Die tägliche Arbeit eines Braumeisters ist es den Betrieb am Laufen zu halten, Mitarbeiter einteilen, Qualitätsprüfungen durchführen und natürlich im Betrieb mitzuarbeiten. Der Tag beginnt ganz unterschiedlich, manchmal ist früh etwas vorzubereiten oder die Maschinen in der Abfüllanlage müssen angefahren werden. Bei Ereignissen wie zum Beispiel der WM, wenn viel Bier getrunken wird. Eine höhere Nachfrage heißt dann auch mehr Arbeit für uns.

Meister: Du hast schon viele verschiedene Arbeiten gemacht, welche hat dir dabei am besten gefallen?

Kevin Düsel: Etwas Neues zu machen, also ein neues Bier zu kreieren macht mir persönlich am meisten Spaß. Man hat eine bestimmte Vorstellung von einem Bier, angefangen von der Farbe, bis hin zum Geschmack. Es ist einfach ein super Gefühl, wenn das Bier, das man sich vorstellt, dann auch genau so schmeckt und aussieht wie man es sich vorgestellt hat!

Meister: Welches Projekt möchtest du später einmal durchführen?

Kevin Düsel: Ich möchte auf jeden Fall einmal eine eigene kleine Brauerei besitzen, in der ich für mich, Freunde und Verwandte Bier brauen kann.

Meister: Was ist für dich das Schönste am Beruf des Brauers?

Kevin Düsel: Das schönste für mich ist die familiäre Community. Ob alt, ob jung, ob Konkurrent oder nicht. Man kennt sich, man trifft sich an den Braumeisterstammtischen tauscht sich aus und hilft sich wo man nur kann!

Meister: Gibt es einen Trend beim Bier im Jahr 2014?

Kevin Düsel: Ja, ganz klar, und sogar einen sehr guten wie ich finde. Große Massen oder Fernsehbiere werden gemieden. Auch der allgemeine Bierkonsum ist rückläufig in den letzten Jahren in Deutschland, von 110 auf unter 105 Liter pro Kopf im Jahr. Die Leute wollen jetzt verstärkt Biere aus der Region, vom Handwerksbetrieb um die Ecke (Craftbeer im Neudeutschen).

Meister: Was uns noch brennend auf der Zunge liegt. Woran erkennt man ein gutes Bier und was ist deine Lieblingssorte?

Kevin Düsel: Es gibt viele gute Biere. Beim Bier ist es einfach Geschmackssache, was dem einen super schmeckt, mag der andere überhaupt nicht. Ich finde es gut, dass es beim Bier verschiedene Geschmäcker gibt, das bewahrt uns die Vielfalt.

Meister: Ist es auch ein Beruf für Frauen?

Kevin Düsel: Ja unbedingt! Zurzeit arbeite ich auch mit einer Frau zusammen, die ihren Job sehr gut macht! Es gibt auch sehr erfolgreiche“ Brauer-Girl-Groups“

Vielen Dank Kevin Düsel für das spannende Interview, wir drücken die Daumen für die eigene Brauerei!

meister.de

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