Drei Jahre und ein Tag: Die Wanderschaft der Handwerksgesellen

Die Wanderschaft, besser bekannt unter dem Namen Walz oder Tippelei, hat eine lange Tradition in den verschiedenen Handwerksberufen. Bereits im Mittelalter haben junge Gesellen ihre Heimat verlassen, um ihre Fähigkeiten zu verbessern, neue Techniken zu erlernen und natürlich auch um die Welt zu entdecken. So waren sie damals maßgeblich für die Verbreitung neuer Baustile und Verfahren verantwortlich, die unsere gesamte Kultur wesentlich geprägt haben. Früher war die Wanderschaft für zünftige Gesellen Pflicht, damit sie die Meisterprüfung ablegen durften. Heute ist das Reisen freiwillig. Doch der größte Antrieb ist und bleibt für die Handwerksgesellen unterwegs möglichst viele praktische Erfahrungen zu sammeln und dabei fremde Länder, Menschen und Kulturen kennen zu lernen. Um die Walz ranken sich zahlreiche Rätsel und Mythen. Deshalb möchten wir hier und in weiteren Blog-Beiträgen diesem Thema etwas auf den Grund gehen. Auch wenn uns klar ist, dass manche Geheimnisse ausschließlich auf der Walz zu lüften sind.

Erste Fakten

 
Ein Geselle, der sich auf Wanderschaft befindet, wird als Fremder bezeichnet, da er ja dort wo er auf Reisen ist, nicht zuhause ist. Zu erkennen ist er an seiner Kluft, die je nach Handwerksberuf und Vereinigung unterschiedliche Farben und Merkmale trägt. Damit all diese Bräuche und Traditionen gewahrt werden können, muss man bereits vor der Abreise einige Voraussetzungen erfüllen und sich auch während der gesamten Wanderschaft an einige Regeln halten. Die betreffen z.B. die Dauer der Reise (mind. drei Jahre und einen Tag) oder was dazu mitgenommen werden darf. Diese Regeln und Pflichten hängen aber auch davon ab, ob man sich dazu entschließt frei oder in einer Zunft (Gesellenvereinigung) zu reisen. Beide Möglichkeiten haben natürlich ihre Vor- und Nachteile, liegen aber ganz im Ermessen des Gesellen. Sehr häufig hängt die Entscheidung auch damit zusammen, ob z.B. der Lehrmeister in einem Schacht war oder welche Erfahrungen Bekannte auf der Walz gemacht haben.

Eigenständig unterwegs, aber nicht allein

Egal wie man sich aber letztendlich entscheidet, ein großes Maß an Eigeninitiative ist in jedem Fall gefragt. Doch gerade darin steckt der Reiz an der Wanderschaft. Man ist für sich selbst verantwortlich und damit völlig frei in seinen Entscheidungen. Natürlich muss man aber auch selbst für Arbeit, Unterkunft, Essen und die Weiterreise sorgen.

Allerdings ist man dabei nicht ganz auf sich allein gestellt. Zu Beginn der Reise wird man von einem erfahrenen Wandergesellen begleitet und dabei in die wichtigsten Sitten und Gebräuche eingeführt. Und auch während der Walz kann man sich immer wieder auf Treffen mit anderen Reisenden austauschen. Man muss nur die Bereitschaft haben auf andere zuzugehen. Neben tollen Erfahrungen, bekommt man so auch ein großes Stück Selbstbewusstsein dazu.

Nun, liebe Handwerksgesellen, hinaus in die Welt, ihr habt diese einzigartige Möglichkeit! Wer vorher aber noch mehr erfahren möchte, sollte die nächsten Beiträge und Interviews nicht verpassen!

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