Davor ziehen wir den Hut: Vom Rohling auf den Kopf

Über den Hutladen von Horst Brömme an der Inneren Laufer Gasse in Nürnberg, der uns schon vom Schaufenster mit seinen edlen Stücken verzaubert, gelangt man direkt in das Hut – Museum und damit scheinbar in eine andere Zeit. Herrenhüte, Strohhüte, Kopfbedeckungen aus Federn oder mit feinem Netz, Blumen und Samtbändern, wohin das Auge reicht.

Doch wie uns der Inhaber versichert, erwarten uns im Museum keineswegs alte Hüte. Es geht vielmehr um die Hutfertigung, das echte Handwerk. Und da hat sich zu unserer Überraschung im Laufe der Zeit gar nicht viel verändert. Die Hüte werden noch immer nach hundertjähriger Tradition hergestellt. Das heißt, die Filzhutrohlinge aus Hasenhaar oder Wolle werden in den Dampfkessel gelegt und anschließend in der Randziehmaschine in eine grobe Form gebracht. Anschließend geht der ausgezogene Stumpen wieder zurück in den Dampfkessel und danach wird er sofort auf die gewünschte Hutform angepasst. Damit der nasse, heiße Filz diese Form dauerhaft behält und wieder aushärten kann, muss der Hut in seiner Form für ca. eine Stunde unter einen 30 kg schweren Sandsack.

Nach dieser Zeit beginnt der modische Ausputz, woher auch der Name der Putzmacherin kommt. Doch wo liegt da eigentlich der Unterschied? Hutmacher(in), Modist(in) und Putzmacher(in)? Horst Brömme erklärt, dass sich Hutmacher in erster Linie um Herrenhüte kümmern und Modisten die Damenhüte/ Capline fertigen und verzieren. Putzmacher sind im Grunde beide, denn jeder Hut braucht einen Feinschliff. Dieser gelingt zum Beispiel mit Sandpapier oder einer Messingbürste. Wird der Hut rechtsgedreht, fühlt er sich hinterher seidig weich an, bei der Linksdrehung entsteht eine Oberfläche, die Velours oder Samt gleicht. Je nachdem, ob es sich um einen Damen- oder Herrenhut handelt, werden sie außerdem noch durch eingenähtes Leder oder einen umgestülpten Rand (Bridé) strapazierfähig gemacht.

Ist der Hut fertig, muss er nur noch an seinen Träger angepasst werden. Dazu ist es wichtig die eigene Hutgröße zu kennen bzw. sie vom Hutmacher ermitteln zu lassen. Dazu nimmt er den Konformateur zur Hand und setzt ihn auf den Kopf des Kunden. Dieser passt sich mit seinen Gliedern genau an den Kopf an und ermittelt die Hutgröße und sogar auch die Kopfform. Über eine Vorrichtung kann die Kopfform dann verkleinert als Umriss auf ein Papierkärtchen gestanzt werden, das dazu verwendet wird den Hut sehr genau auf die individuelle Kopfform anzupassen.

Doch nicht nur die feine Maßarbeit und die qualitativ-hochwertige Herstellung der Hüte machen das Museum von Horst Brömme aus, sondern auch die Geschichte und Entwicklung, die hinter den einzelnen Hutformen und Herstellungstechniken stecken. Stolz präsentiert uns der Hutmacher den wertvollen Zylinder Chapeau Claques seines Großvaters, der seidig glänzt und wie der Name schon sagt einzuklappen ist. Heute leisten sich höchstens noch einige Gesellen auf der Walz einen Zylinder, doch auch diese geben das gute Stück nur selten aus der Hand und sind über die Wanderschaft hinaus stolz darauf.

In den Regalen entdecken wir auch Hüte und Formen, die zum Jagen oder später beim Autofahren als Helme verwendet wurden. Besonders eindrucksvoll sind auch die verschiedenen Strohhüte, wie der bekannte Panamahut, der durch eine besonders feine Flechtart aus dem sehr weichen Palmblatt der Toquilla-Palme hergestellt wird. Zum Schluss lassen wir uns eine kleine Modenschau natürlich nicht entgehen und probieren einige der wertvollen Stücke auf.

Wir danken Horst Brömme für die schönen Stunden und die kleine Zeitreise.

meister.de

/ DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

FOLGEN SIE UNS

Alle Rechte vorbehalten © Portal United AG 2020