Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen

Angesichts der massiven Kritik an Dämmstoffen auf Mineralölbasis, denken immer mehr Bauherren über ökologische Alternativen nach. Geht es um die Dämmung des Dachs oder der obersten Geschossdecke werden sie schnell fündig. Soll die Fassade gedämmt werden, gestaltet sich die Suche schon schwieriger.

Die Auswahl an Dämmstoffen für die Dämmung eines Gebäudes ist riesig. Der Löwenanteil des  Dämmstoffmarktes in Deutschland fällt auf Produkte aus Mineralwolle, auf Platz zwei folgen  Polystyrol (EPS), Polyurethan und Polystyrol-Extruder-Schaumstoffe (XPS) auf Mineralölbasis. Sonstige Materialien – allen voran Holz und Zellulose – machen nach den Zahlen des Gesamtverbands Dämmstoffindustrie aus dem Jahr 2011 gerade einmal vier Prozent des Marktes aus.

Diagramm Übersicht Dämmstoffe in Deutschland

Quelle: GDI

Doch die Nachfrage wächst. In den Jahren von 2004 bis 2012 ist der Markt für Holzfaserdämmstoffe und Wärmedämmverbundsysteme auf Holzfaserbasis dem Verband Holzfaser Dämmstoffe zufolge jedes Jahr um durchschnittlich 11,9 Prozent gewachsen.

Die Wärmeleitfähigkeit

Was die Wärmeleitfähigkeit als wichtiges Kriterium für die Wahl eines Dämmstoffes anbelangt, so haben Holzfaserdämmplatten inzwischen 0,038 W/(m*K) erreicht, Zellulose liegt im Idealfall bei 0,039 W/(m*K). Die Dämmstoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe erreichen also durchaus gute Dämmwerte, wenn auch nicht sehr gute. Zum Vergleich: Die besten Mineralwoll-Produkte erzielen 0,032 W/(m*K), Polystyrol kommt auf 0,031 W/(m*K).  Die Wärmeleitfähigkeit gibt an, wie viel Wärme durch den Stoff entweichen kann. Je niedriger der Wert, desto besser wird bei gleicher Dämmstoffdicke gedämmt.

Trotz der meist etwas schlechteren Dämmeigenschaften empfiehlt die Deutsche Bundesstiftung Umwelt die Dämmung mit nachwachsenden Dämmstoffen. Mit natürlichen Dämmmaterialien aus Pflanzen könnten Dächer, Wände und Böden isoliert werden. Ob als Matten, Mörtel oder Stroh – die Verarbeitung sei einfach, sauber und angenehm, da kein Juckreiz auf der Haut entstehe. „Sanierer können Stoffe wie Flachs oder Hanf bedenkenlos und ohne chemische Zusätze gegen Insekten nutzen“, weiß Andreas Skrypietz, Projektleiter der DBU-Klimaschutz- und Informationskampagne „Haus sanieren – profitieren“. Hanf enthält keine wertvollen Nährstoffe und sei deshalb für Tiere als Futter uninteressant. Wegen seiner Robustheit würden beim Anbau keine Pflanzen- und Insektenschutzmittel und auch kein Dünger eingesetzt und die Ackerböden nicht belastet. „Der Sanierer hat es hier mit einem Wohlfühl-Dämmstoff zu tun“, so Skrypietz.

„Hanf und Flachs halten nicht nur die Wärme im Haus, sie sind auch gute Schalldämpfer“, ergänzt Christian Silberhorn, Geschäftsführer des Norddeutschen Zentrums für Nachhaltiges Bauen. Schall-Schwingungen würden aufgenommen und nicht weiter getragen, sondern in den feinen Fibrillen der Fasern aufgenommen und in Wärme umgewandelt. Auch Holz weist aufgrund seiner hohen Rohdichte gute Schalldämmwerte auf.

Feuchteverhalten aus pflanzlichen Fasern

Hinzu kommt, dass Naturdämmstoffe aus pflanzlichen Fasern ein gutes Feuchteverhalten haben. Sie können aufgrund ihrer Kapillarstruktur große Mengen an Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft speichern und wieder abgeben, ohne dass sich ihre Dämmeigenschaften verschlechtern. Bei einem Wandaufbau sollte die Diffusionsoffenheit grundsätzlich nach außen hin zunehmen. So kann Feuchtigkeit die Bauteile möglichst schnell auf der Außenseite wieder verlassen. An die Fassadendämmung als letzte Schicht richten sich dementsprechend besonders hohe Anforderungen. Wärmedämmverbundsysteme auf Holzfaserbasis können Feuchtigkeit problemlos wieder abgeben. Zudem neigen sie dank einer hohen Wärmespeicherfähigkeit weniger zur Algenbildung.

Gegen die Dämmung mit Holzfaserdämmstoffen sprechen die Brandschutzbestimmungen und der Preis. In allen Bundesländern gilt, dass ab einer Traufhöhe von 7 Metern Dämmstoffe eingesetzt werden müssen, die als schwer entflammbar eingestuft sind. Das ist bei Holzfaserdämmstoffen bislang nicht der Fall. Allerdings betrifft das nur Mehrfamilienhäuser. Im Ein- und Zweifamilienhausbereich können Holzfaserdämmplatten also ohne Probleme zum Einsatz kommen.

Zellulose für die obersten Geschossdecke

Für die Dämmung der obersten Geschossdecke bietet sich Zellulose an. Diese wird hauptsächlich aus recyceltem Altpapier gewonnen, das zerkleinert und mit pulverförmigen Borsalzen und/oder anderen Zusatzstoffen vermischt wird. Die Zusatzmittel sorgen für den geforderten Brandschutz und verhindern Schimmel und Schädlingsbefall. Sie sind dem Fachverband Nachwachsende Rohstoffe (FNR) zufolge als gesundheitlich unbedenklich einzustufen. Als reines Recyclingmaterial habe Zellulose den geringsten Primärenergieeinsatz aller Dämmstoffe, so der FNR weiter. Kritiker führen jedoch an, dass Borsalze als reproduktionstoxisch gelten. Zellulose hat eine Wärmeleitfähigkeit im Bereich 0,040 W/(m*K).

Eine weitere ökologische Alternative zu Polystyrol, Polyurethan und Polystyrol-Extruder-Schaumstoffen sowie zur Mineralwolle sind Dämmstoffe, die aus Altglas hergestellt werden. Ein Beispiel dafür ist Supafil von Knauf Insulation. „Der Primärenergieeinsatz für diesen Dämmstoff ist zwar geringfügig höher als der von Zellulose, dafür kommt er aber komplett ohne Zusätze aus und weist mit 0,035 W/(m*K) einen sehr guten Dämmwert auf“, sagt Arnold Drewer, Geschäftsführer des IpeG-Instituts und Spezialist für nachträgliche Wärmedämmung im Altbau. Den Dämmstoff gibt es in verschiedenen Ausführungen zum Ausblasen von Hohlräumen im Holzbau oder zur nachträglichen Dämmung von zweischaligem Mauerwerk. Wegen seiner mineralischen Beschaffenheit ist Supafil resistent gegen Schimmelbefall und verrottet oder zersetzt sich nicht.

Mehr Informationen zu Preisen und Eigenschaften verschiedener Dämmstoffe gibt es in den Dämmstofflisten auf EnBauSa.de: http://www.enbausa.de/daemmung-fassade/daemmung/daemmstoffe.html

 

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