Dämmen und Dichten gehen Hand in Hand

Ein energieeffizientes Haus sollte möglichst wenige Löcher in der Hülle haben, durch die warme Luft nach außen entweichen kann. Das leuchtet jedem ein. Eine luftdichte Gebäudehülle ist aber nicht nur wichtig, um Energie zu sparen, sondern vor allem auch, um auf Dauer ernsthafte Bauschäden zu vermeiden. Denn durch Löcher in der luftdichten Schicht strömt die warme, feuchte Luft aus den Innenräumen in die Dämmschicht, kühlt auf ihrem Weg durch die Wärmedämmung immer weiter ab und kondensiert schließlich. Die Folge: In der Dämmschicht sammelt sich Wasser.
Vor allem im Bereich Dach können durch die Feuchtigkeit in der Dämmschicht statisch wirksame Bauteile verrotten und ihre Tragfähigkeit verlieren. Außerdem verlieren viele Dämmstoffe ihre guten Wärmedämmeigenschaften, wenn sie nass werden, von Schimmelbildung ganz zu schweigen.

Luftdichtheitskonzept schon bei Planung wichtig

Vor diesem Hintergrund fordert der Fachverband Luftdichtheit im Bauwesen (FLiB), dass der Planung der Luftdichtung mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte. Baustoffe in der Fläche seien in der Regel dicht – auf die Schnittstellen komme es an, so der Verband. Daher sollte schon in der Ausschreibung des Planers für ein Bauvorhaben ein Luftdichtheitskonzept enthalten sein, das beschreibt, wie Details auszuführen sind. Als kritisch erweisen sich insbesondere Bauteilanschlüsse sowie Konstruktions- oder Materialwechsel. „Einen guten Überblick kritischer Details bietet Teil sieben der DIN 4108“, betont der FLiB. Die Norm beschreibt auch die Prinzipien des Dichtheitskonzepts und liefert zahlreiche Beispiellösungen.

Die Detailplanung ist Sache des Architekten, der außerdem dafür sorgen sollte, dass die luftdichte Ebene möglichst wenig durchdrungen werden muss. Jede Verletzung der Gebäudehülle und jeder Anschlussmeter, den man bereits im Entwurf vermeidet, muss später nicht abgedichtet werden. Allerdings werden viele Bauvorhaben durchgeführt, ohne dass ein Architekt hinzugezogen wird, etwa der Einbau neuer Fenster oder die Dämmung des Dachs. Damit auch hier nicht ohne Luftdichtheitskonzept gearbeitet wird, hat der FLiB gemeinsam mit der Förderbank KfW einen Leitfaden erarbeitet, der im Internet unter www.luftdicht.info zu finden ist.

Immer wieder Tests durchführen

Teil des Luftdichtheitskonzepts sollte auch die Kontrolle der Gebäudehülle sein. Experten wie Gerhard Wertenauer von W&W Bauphysik, der regelmäßig Luftdichtheitstests durchführt, empfehlen Bauherren grundsätzlich, nicht erst nach der Fertigstellung des Gebäudes eine Messung durchführen zu lassen, sondern früher. In massiven Gebäuden sollten zumindest häufige Schwachstellen noch zugänglich sein. In Bädern beispielsweise werde oft der Fehler gemacht, dass die Vorbauwände vor den Installationen schon eingebaut sind, wenn der Test ansteht. „Da kommt man dann nicht mehr dran“, so Wertenauer. „Wenn die Handwerker noch leicht nachbessern können, gibt es in der Regel keine Diskussion, wer eine Leckage zu verantworten hat. Ist erst einmal alles fertiggestellt, wird die Beseitigung aufwendiger und die Diskussionen sind programmiert“, bestätigt FLiB-Geschäftsführer Oliver Solcher.

Forderungen der EnEV und Messung der Luftdichtheit

Allerdings verlangt die EnEV die Messung der Luftdichtheit im fertigen Zustand. „Wird früher gemessen, muss berichtet werden, warum man davon ausgeht, dass sich der n50-Wert im weiteren Bauverlauf nicht verschlechtern wird“, berichtet Messdienstleister Wertenauer. Unter Umständen werde jedoch eine weitere Messung nach Baufertigstellung nötig. Wenn aus Kostengründen nur eine Messung erfolgen soll, gilt es, den richtigen Zeitpunkt abzupassen: so früh wie möglich und so spät wie nötig.

Blower-Door-Test zum Messen der Luftdichtheit

Blower-Door-Test zum Messen der Luftdichtheit

Gemessen wird die Luftdichtheit mit dem sogenannten Blower-Door-Test. Dabei handelt es sich um eine Differenzdruckmessung. Ein mit Messtechnik ausgestatteter Ventilator wird dicht in ein Fenster oder eine Tür eingebaut. Dann werden alle Öffnungen der Gebäudehülle geschlossen und ein Unter- oder Überdruck erzeugt, indem der Ventilator Luft aus dem Gebäude heraus beziehungsweise in das Gebäude hinein befördert.

Damit die Druckdifferenz aufrechterhalten werden kann, muss der Ventilator eine bestimmte Luftmenge fördern, deren Größenordnung von den Undichtigkeiten in der Gebäudehülle abhängt: Je mehr Luft gefördert werden muss, desto größer sind die Leckagen, durch die Außenluft ins oder aus dem Gebäude strömt.

Der ermittelte Leckagestrom kann zu unterschiedlichen Bezugsgrößen ins Verhältnis gesetzt werden. Bei dem häufig verwendeten n50-Wert dient beispielsweise das Gebäudeinnenvolumen als Bezugsgröße. Er gibt an, wie oft bei einer Druckdifferenz von 50 Pascal (Pa) in einer Stunde das gesamte Gebäudeinnenvolumen an Luft ausgetauscht wird. Zulässige Grenzwerte finden sich in DIN 4108-7 und der Energieeinsparverordnung (EnEV). Danach gilt ein Gebäude mit raumlufttechnischen Anlagen als luftdicht, wenn der n50-Wert nich größer ist als 1,5, bei allen anderen Gebäuden liegt der Grenzwert bei 3.

Liegt ein Luftdichtheitsnachweis vor, kann bei der Berechnung des Jahresheizenergiebedarfs der anzusetzende Lüftungswärmeverlust reduziert werden, so dass ein geringerer Energiebedarf ausgewiesen werden kann.

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