Finanzierung der Betriebsübergabe

Eine Betriebsübergabe ist häufig eine kostspielige Angelegenheit. Nachdem im vorhergehenden Artikel über die grundlegenden Entscheidungen, die bei einer Betriebsübergabe anstehen, gesprochen wurde, werden in diesem Artikel wichtige Tipps zur Finanzierung der Betriebsübergabe folgen.

Wenn das Unternehmen nicht (in der Familie) weitervererbt wird, muss der Betrieb in irgendeiner Form käuflich erworben werden. Dafür stehen zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung. Der Nachfolger befindet sich entweder schon im Unternehmen (langjähriger Mitarbeiter, eigenes Management – MBO, Verwandtschaft) oder wird als externer Käufer in das Unternehmen einsteigen. Auch hier gibt es verschiedene Optionen: der Käufer kann das Unternehmen lediglich als Investition erwerben und einen Geschäftsführer ernennen, ein anderes Management kann sich von außen in das Unternehmen einkaufen (MBI) oder eingekauft werden, oder der Käufer wird den Betrieb selbst weiterführen.

Betriebsübergabe: Nicht nur durch Eigenkapital finanziert

Welche dieser Varianten auch zum Tragen kommt: die Übernahme des Unternehmens muss finanziert werden. Gerade bei größeren Unternehmen wird der Kunde kaum den gesamten Kaufpreis auf dem Konto liegen haben. Eine wichtige Stütze für die Finanzierung können Fördergelder sein. Idealerweise setzt sich die Finanzierung aus mehreren Quellen zusammen, mit einem Eigenkapitalanteil von mindestens 15%.

Ein wichtiger Schritt ist, den Eigenkapitalanteil durch eigenkapitalähnliche Mittel zu vergrößern. Dazu können beispielsweise kleine Darlehen oder Schenkungen aus dem Familienkreis dienen. Weitere Möglichkeiten dafür sind mittelständische Beteiligungsgesellschaften oder Business Angels. Business Angels sind bereits etablierte Unternehmer, die sich mit Geld und Know-how in den neuen Betrieb einbringen.

Förderungen nicht nur materieller Natur

Da der Erhalt von Unternehmen auch politisch eine große Rolle spielt, gibt es eine Vielzahl an möglichen Förderungen, die zur erfolgreichen Betriebsübergabe beantragt werden können. Dabei handelt es sich nicht immer um finanzielle Förderungen, sondern auch um Bürgschaften oder Weitergabe von Know-how. Einen Überblick finden Sie in der folgenden Tabelle:

 

Förderung Art der Förderung? Was wird gefördert? Wer wird gefördert? Antrag
ERP-Gründerkredit-Startgeld KFW Darlehen bis 100.000 pro Gründer Betriebsübergaben, Investitionen, Betriebsmittel (30.000 Euro), Firmenanteile Kleine und mittlere Betriebe und Gründer Kreditantrag über die Hausbank an die KfW
ERP-Kapital für Gründung KfW Darlehen bis 500.000 (10% Eigenkapital nötig) Investitionen, Material, Nachfolge Nachfolger, junge Unternehmen, Gründer Kreditantrag über die Hausbank an die KfW
Landesförderbank Bundesland Günstige Kredite; Nachfolge, Investitionen, Betriebsmittel Gründer, kleine und mittlere Unternehmen Antrag über die Hausbank stellen
Förderung unternehmerischen Know-hows Zuschuss auf das Beraterhonorar Beratung zu finanziellen, personellen & organisatorischen Fragen Kleine und mittlere Betriebe Online bei der BAFA
Bürgschaften Es wird für bis zu 80% der Darlehenssumme gebürgt Zugang zu Krediten trotz fehlender Sicherheiten Nachfolger und Gründer kleiner und mittlerer Betriebe Antrag über die Hausbank stellen

 

Außerdem gibt es noch Zuschüsse und Zulagen bis zu 40% der Investitionskosten beziehungsweise zur Aufstockung des Eigenkapitals die Beteiligung mittelständischer Beteiligungsgesellschaften oder eine Risikoübernahme. Bei Letzterem wird das finanzielle Risiko durch Haftungsfreistellung oder eine Ausfallbürgschaft auf mehrere Parteien verteilt.

Bürgschaftsbanken

Bei Bürgschaftsbanken handelt es sich um eine Selbsthilfeeinrichtung des Mittelstandes. Daran sind Banken und Sparkassen, Wirtschaftskammern, Versicherungen, Innungen und Verbände beteiligt. Ziel der Banken ist es, kleine und mittelständische Unternehmen im jeweiligen Bundesland zu unterstützen. Dies geschieht nicht durch konkrete finanzielle Zuschüsse, sondern, wie bereits in der Tabelle erwähnt, durch eine Übernahme der Haftung. Viele Unternehmer, vor allem im Fall einer Unternehmensübergabe, haben nicht genug Sicherheiten, um einen Kredit in der nötigen Größenordnung zu decken. Für solche Fälle springen die Bürgschaftsbanken ein und übernehmen bis zu 80% der Haftung im Rahmen einer Ausfallbürgschaft.

Außer dem Barverkauf gibt es noch andere Finanzierungsmodelle für die Betriebsübergabe. Man kann den Preis über einen bestimmten Zeitrahmen erwirtschaften, z.B. beim Earn-Out Modell oder einer Rente. Der Earn-Out bietet sich vor allem dann an, wenn zwei völlig unterschiedliche Bewertungen des Unternehmens vorliegen und man sich nicht auf einen Preis einigen kann. Dann wird ein bestimmter Grundbetrag bezahlt, der Rest wird über die Gewinne des Unternehmens finanziert. Der gesamte Kaufpreis ist also von dem Erfolg des übergebenen Unternehmens abhängig.

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