Baunebenkosten berücksichtigen: Hierauf muss geachtet werden

Der Hausbau wird teurer als gedacht – ein Horrorszenario für alle angehenden Bauherren. Denn steigen die Kosten zu stark, kann die Finanzierung kippen und man steht verschuldet mit einem unfertigen Haus da. Um dies zu verhindern, sollte man von Vornherein alle Kosten, die auf einen zukommen können im Blick haben. HausXXL, der regionale Bauratgeber, verrät uns, welche Nebenkosten unbedingt in die Finanzierung mit einbezogen werden müssen.

Beim Hausbau alle Kosten im Blick haben. © (Thorben Wengert / Pixelio, CC BY 2.0)

Beim Hausbau alle Kosten im Blick haben. © (Thorben Wengert / Pixelio, CC BY 2.0)

Die Zusatzkosten beim Grundstückskauf

Wer nicht schon durch Erbschaft oder andere Umstände über einen geeigneten Baugrund verfügt, der wird sich für seinen Hausbau ein Grundstück kaufen müssen. Doch damit entsteht schon der erste Nebenkostenfaktor.

  • Bodengutachten
    Bevor man ein Grundstück kauft, sollte ein Bodengutachten vorliegen, um in Erfahrung zu bringen, ob man darauf bauen und sein Traumhaus verwirklichen kann. Dafür müssen Testbohrungen und Analysen vorgenommen werden. Die Kosten dafür können stark variieren. Bei einer einfachen Untersuchung werden beispielsweise 500 bis 1.000 Euro fällig, während bei Spezialanalysen mit detaillierten Angaben zum Baugrund schon einmal 2.000 bis 2.500 Euro kosten können.
  • Maklerprovision
    Für die Grundstückssuche wird in der Regel ein Makler hinzugezogen, der einem bei der Beratung und Auswahl behilflich ist. Allerdings sind seine Leistungen nicht kostenlos, sondern werden in Form einer Provision bezahlt. Diese kann zwischen drei Prozent, wenn Verkäufer und Käufer sich die Provision teilen, bis sieben Prozent, wenn der Käufer die Kosten alleine trägt, des Kaufpreises liegen.
  • Notargebühren
    Ein Notar beurkundet und beglaubigt den Grundstückskauf. Dafür werden zwischen 1 und 1,5 Prozent des Kaufpreises berechnet. Kostet das Grundstück beispielsweise 56.000 Euro können dafür bis zu 840 Euro für die notarielle Beglaubigung fällig werden. Das klingt nicht viel, dennoch sollte man diese Kosten kennen und berücksichtigen.
  • Grundbucheintrag / Grundschuldbestellung
    Neben den Protokollierungskosten für den Kaufvertrag werden für Bauprojekte, die über eine Baufinanzierung realisiert werden, Kosten für die sogenannte Grundschuldbestellung fällig. Diese besagt, dass die Bank mit einer Eintragung ins Grundbuch eine zusätzliche Sicherheit erhält. Für einen solchen Grundbucheintrag muss man zwischen 1.000 und 1.500 Euro (exklusive der Notargebühren für den Kaufvertrag) bereithalten.
  • Grunderwerbsteuer
    Zu guter Letzt gibt es noch die Grunderwerbsteuer. Jedes Bundesland legt die Höhe seiner Grunderwerbsteuer selbst fest, so zahlt man in Bayern und Sachsen nur 3,5 Prozent vom Kaufpreis, während man in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, im Saarland und in Schleswig-Holstein bereits 6,5 Prozent zahlt. Wer jedoch beim Kauf darauf achtet, den Kaufvertrag für das Grundstück und den Bauvertrag mit einem gewissen zeitlichen Abstand voneinander abzuschließen, kann dabei ein wenig Geld sparen. Denn so wird die Grunderwerbsteuer nur auf den Grundstückspreis und nicht auf die gesamte Bausumme angerechnet.

Grundstück vorbereiten – Diese Kosten kommen auf einen zu

Mit dem Grundstückskauf allein ist es noch nicht getan. Erst einmal muss man überprüfen, inwiefern dort gebaut werden darf. Dafür müssen Experten hinzugezogen und bezahlt werden.

Kosten für Experten zur Vorbereitung des Grundstücks.

Kosten für Experten zur Vorbereitung des Grundstücks.

  • Vermessung
    Die Vermessungsunterlagen sind Teil des Bauantrags und müssen deshalb bereits vor Baubeginn vorliegen. Die Kosten dafür sind der Vermessungsgebührenordnung zu entnehmen und können von Bundesland zu Bundesland variieren.
  • Baugenehmigung
    Um überhaupt bauen zu dürfen, muss eine Baugenehmigung vorliegen. Diese gibt es nicht umsonst, denn es werden Gebühren fällig. Verschiedene Faktoren wie z.B. die Gebührenordnung der Baubehörde, Kosten für weitere Genehmigungen oder den Rohbau des Gebäudes beeinflussen die Höhe der Gebühren.
  • Statik
    Der Prüfstatiker hat die Aufgabe Bauzeichnungen und Ausführungspläne beim Hausbau zu überprüfen und auch in der Bauphase ein Auge auf die Standsicherheit der Baustelle und die Statik des entstehenden Gebäudes zu haben. Die Abrechnung erfolgt nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI). Durchschnittlich sollte man aber mit mindestens 1.500 bis 2.500 Euro rechnen.
  • Bausachverständiger
    Ein Bausachverständiger begleitet den gesamten Bauvorgang. Denn er kann dank seiner Erfahrung und Fachkenntnis Baumängel frühzeitig erkennen und den Bauherren so vor horrenden Kosten bewahren. Deswegen sollte man sich die Kosten von 1.500 bis 2.000 Euro auf gar keinen Fall sparen.
  • Architekt
    Wer seinen Hausbau zusammen mit einem Architekten plant und realisiert, muss natürlich auch diesen bezahlen. Da die Kosten von der Größe und der Art des Hauses abhängen, lassen sich keine pauschalen Preise nennen. Am besten man lässt sich einen Kostenvoranschlag machen. Festgeschrieben ist das Honorar in der HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure).
  • Aushub für Bodenplatte oder Keller
    Vor dem eigentlichen Hausbau erfolgen zunächst einmal die Erdarbeiten. Das heißt, dass erst einmal Erde ausgehoben und abtransportiert werden müssen. Je nach Beschaffenheit des Bodens (z.B. Belastung mit Altlasten wie Erdöl) kommen möglicherweise noch zusätzliche Entsorgungskosten auf einen zu. Der Aushub kann zwischen 2 und 4 Euro pro Kubikmeter kosten. Der Abtransport bei einfachem Boden ohne Altlasten beträgt zwischen 14 und 20 Euro pro Kubikmeter.
  • Baustellenzufahrt bzw. KranstellplatzDamit die schweren Fahrzeuge und Maschinen sicher und ohne einzusinken zum Baugrund gelangen, kann es nötig sein eine Gehwegsicherung vorzunehmen oder eine Baustraße anzulegen. Dazu ist es nötig Mutterboden abzuschieben (3 Euro pro Quadratmeter) und Schotter muss angeliefert werden (9 Euro pro Quadratmeter). Bei 75 Quadratmetern Baustraße müsste man also mit Kosten von 900 Euro rechnen.
Baustelle und Baugrund müssen vorbereitet und gesichert werden. © andrechinn/Flickr, CC BY 2.0

Baustelle und Baugrund müssen vorbereitet und gesichert werden. © andrechinn/Flickr, CC BY 2.0

Neubau erschließen – Kosten für Wasser, Strom und andere Anschlüsse

Nun fehlen noch diverse Anschlüsse und Leitungen, die gelegt werden müssen, damit das eigene Haus auch über fließend Wasser und Strom verfügt.

  • Wasser – Abwasser
    Zum Hausbau hinzu kommen noch die Kosten für den Anschluss an die Kanalisation. Meist berechnet der zuständige Wasserverband pauschale Gebühren für das Verlegen von Wasser- und Abwasserrohren, sodass man gut die Kosten dafür im Voraus berechnen kann.
  • Gas- oder Ölleitungen
    Je nachdem ob man mit Gas oder Öl heizt, kommen noch einmal Kosten für das Verlegen der entsprechenden Rohre und die Anschlüsse auf einen zu.
  • Stromleitungen und Baustrom
    Ohne Strom geht nichts auf der Baustelle. Deswegen ist es schon vor dem Errichten des Hauses nötig einen Baustromkasten aufzustellen. Je nach Anbieter kann das zwischen 250 und 300 Euro kosten, zuzüglich der berechneten Stromkosten. Auch der eigentliche Stromanschluss des Neubaus muss bezahlt werden. Dafür sollte man bei den lokalen Stromversorgern Angebote einholen und miteinander vergleichen.
  • Telefon und Internetanschluss
    Bei den Anschlüssen dürfen auch die Leitungen fürs Telefon bzw. Internet nicht vergessen werden. Entweder man beantragt den Anschluss selbst bei der Bauherrenberatung der Telekom oder füllt einen entsprechenden Antrag gleich beim Stromversorger aus. Denn so können die erforderlichen Kabel direkt von einer Firma in einem Arbeitsgang verlegt werden.

Die Versicherungskosten nicht vergessen

Ein Bauherr sollte auch umfassend versichert sein, um gegen Schäden durch Sturm oder Regen (Bauwesenversicherung) oder Bränden (Feuerrohbauversicherung) abgesichert zu sein. Auch eine Bauherrenhaftpflicht darf nicht fehlen, da sie gegen Kosten durch Schäden schützt, die auf der Baustelle entstehen oder von ihr ausgehen. Wer viele Eigenleistungen vornimmt und sich dabei von Freunden und Verwandten helfen lässt, sollte auch über eine Versicherung für Bauhelfer nachdenken. Darüber hinaus kann man sich mit einer Baufertigstellungsversicherung dagegen absichern, dass die Baufirma bei finanziellen Schwierigkeiten den Hausbau auch beendet. Viele Versicherungsunternehmen bieten die wichtigsten Bauversicherungen bereits als festes Paket für 400 bis 700 Euro an.

Die Kosten für die Außenanlagen bedenken

Auch die Außenanlagen wie die Einfahrt, die Terrasse, weitere Grünanlagen, Zäune, die Garage oder ein Carport sollten bereits bei der Finanzierung mit bedacht werden. Denn niemand möchte nach dem Hausbau lange das Gefühl haben noch auf einer Baustelle zu wohnen. Wie teuer die einzelnen Posten werden, hängt natürlich von den örtlichen Gegebenheiten sowie den eigenen Ausstattungswünschen ab. Insgesamt können sie schnell einen vier- bis fünfstelligen Betrag annehmen.

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