Automation macht Barrierefreiheit einfacher

Barrierefreiheit hat viele Dimensionen. In Gebäuden geht es häufig um physische Schwellen, etwa an Eingängen oder in den Wohnungen, die auch von Menschen mit motorischen Defiziten genutzt werden sollen. Anforderungen sind dann unter anderem schwellenlose Türen oder bodengleiche Duschen mit Griffen und Klappsitz, rutschhemmenden Fliesen oder unterfahrbare oder verstellbare Waschbecken. Barrierefreiheit hat aber auch im Wohnumfeld noch eine andere Dimension: technische Hilfsmittel aus der Smart-Home-Produktpalette können helfen, alltägliche Dinge wie das Öffnen einer Tür, das Bedienen der Jalousien oder das Kochen sicherer zu machen und so zu vereinfachen, dass ein Leben in den eigenen vier Wänden länger möglich ist.

Visionen in Musterhaus verwirklicht

Wie diese Theorie in der Praxis aussehen kann, lässt sich im Tübinger LebensPhasenHaus entdecken. In dem vor knapp einem Jahr eröffneten Musterhaus werden technische Assistenzsysteme und dazu passende Services getestet und gezeigt. Ziel ist die Erprobung technischer, aber auch sozialer Innovationen in einer barrierefreien Musterwohnung.

Das beginnt bei den Zugangssystemen. Den Schlüssel zu vergessen oder zu verlieren und dann vor der verschlossenen Tür zu stehen, kann im Lebensphasenhaus nicht passieren. Die Außentüren öffnen sich mit einem Fingerprint-Scanner. Das Klingeln wird außerdem auf das Handy weitergeleitet, samt dem Bild dessen, der vor der Tür steht. Sind die Bewohner unterwegs, können sie vertrauenswürdigen Personen die Tür öffnen, ohne ihnen einen Schlüssel zu geben. Das kann der Paketbote sein, der etwas in den Flur legen will, oder der Nachbar, der Blumen gießt und den Briefkasten leert. Sie können auch schauen, was diese Personen im Haus machen. Zur Barrierefreiheit gehört auch, dass Fenster und Verschattung bei Bedarf ohne Kraftaufwand per Knopfdruck geöffnet oder geschlossen werden können. Ein weiterer Aspekt, bei dem Sensorik eine Rolle spielt, sind Licht- und Sicherheitsanlagen. Auch die lassen sich in Smart-Home-Konzepte einbinden.

Ältere Menschen neigen teilweise zur Vergesslichkeit. Sensorik hilft im Tübinger LebensPhasenHaus, potentielle Schäden zu minimieren. Bei Rauchenentwicklung ertönt nicht nur ein Warnton. Das Hausautomationssystem sorgt außerdem dafür, dass die Rolläden hochgezogen werden und der Herd abgestellt wird. Auch können ältere Menschen unterwegs per Smartphone checken, ob der Herd ausgestellt ist.

Komfortable Lösungen für Barrierefreiheit

Interessant ist auch die Option, Lichtschalter sich an beliebigen Stellen der Wände anzubringen, die Steuerung erfolgt drahtlos. Muss jemand krankheitshalber das Bett hüten, kann er den Schalter so versetzen, dass er ihn vom Bett aus bedienen kann. Er muss sich dann nachts nicht erst bis zum Lichtschalter vortasten, sondern hat direkten Zugriff. Außerdem haben die Forscher ein Lichtkonzept entwickelt, das auf einem Tag-Nacht-Rhythmus basiert. Morgens herrschen Blautöne vor. Das baut Schlafhormone ab. LED-Beleuchtung tagsüber sorgt für viel Licht auch an trüben Wintertagen, das stabilisiert den Biorhythmus, auch wenn ein älterer Mensch nicht mehr viel aus dem Haus gehen kann.

Spannend ist im LebensPhasenHaus auch die Küche. Spüle und Herd lassen sich in der Höhe verstellen. Das macht das Zusammenleben mobilitätseingeschränkter Personen mit anderen einfacher und Wohnungen generationenübergreifend nutzbar.

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