Autogas: Vorteile, Nachteile und Mythen

Experteninterview mit Gaetano Zuccarello – Die Kfz-Werkstatt vom Autohaus Zuccarello bietet zahlreiche Serviceleistungen, wie Unfallinstandsetzung, Inspektion, Hauptuntersuchung und Motordiagnose an und kann auf langjährige Erfahrungen im Bereich Autogas zurückblicken. Schon in den 1970er Jahren wurden in Italien und den Niederlanden zahlreiche Fahrzeuge mit Autogas betrieben. Richtig beliebt wurde das Umrüsten auf Gas in Deutschland aber erst in den letzten 10 bis 15 Jahren. Doch was macht Autogas aus, wo liegen die Besonderheiten und möglichen Probleme?

Gaetano Zuccarello, Inhaber von Autohaus Zuccarello.

Gaetano Zuccarello, Inhaber von Autohaus Zuccarello.

Warum haben Sie sich u.a. auf das Autogas-Umrüsten spezialisiert?

In erster Linie durch die Kostenersparnis für den Kunden und natürlich auch durch die positiven Aspekte für die Umwelt, also durch die saubere Verbrennung und die niedrigere Schadstoffbelastung, die Gasautos gewährleisten.

Welche Vorteile bietet das Umrüsten noch, vor allem für den Kunden?

In erster Linie eine Kraftstoffkostenersparnis bzw. Betriebskostenersparnis. Ein wichtiger Punkt für viele Kunden ist aber auch die Reichweitensteigerung, da man durch den Umbau ja zwei Tanks hat, also auch doppelt so weit fahren kann. Dann gibt es noch einen Vorteil für den Motor. Dieser verbrennt im Gasbetrieb sauberer, somit sind weniger Rückstände vorhanden, was wiederum dazu beiträgt, dass sich die Lebensdauer des Motors verlängert.

Können alle Fahrzeuge auf Gas umgerüstet werden?

Nur Benziner können auf Gas umgerüstet werden, davon aber ca. 90 Prozent aller Fahrzeuge.

Welcher Umbau war bisher besonders spannend?

Je größer die Autos, umso spannender und ungewöhnlicher ist natürlich der Umbau. Unser aufregendster Fall war ein Hummer. Ein V8-Motor, der dann drei Tanks zusätzlich hatte. Denn der Kunde wollte möglichst viel Reichweite haben, aber auch keinen Kofferraum verlieren, also musste dieser erhalten bleiben. Deshalb haben wir einen Tank unter dem Kofferboden montiert und zwei Tanks hinten links und rechts, seitlich hinter den Seitenscheiben.
Ein anderer interessanter Fall war ein amerikanischer V8, 8,3 Liter Hubraum, in den wir zwei 200-Liter-Tanks eingebaut haben. Das war ein 7,5 Tonner, umgebaut als Campingfahrzeug. Hier gab es natürlich kein Platzproblem, es war ja ein kleiner Lkw, also ein riesiges Wohnmobil.
Ansonsten hatten wir schon alles Querbeet, eigentlich sämtliche Marken.

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Was kostet der Umbau?

Das kann man schlecht pauschal sagen, ca. ab 1.990,- Euro. Das hängt immer von der Zylinderzahl ab und muss im Einzelfall abgeklärt werden.

Gibt es Vergünstigungen oder Vorteile bei der Kfz-Steuer?

Ja und nein, also die Kfz-Steuer verringert sich nicht, denn mit einem Gasauto fährt man ja bivalent und es kann nicht genau nachgewiesen werden, wann mit Benzin oder Gas gefahren wurde. Vergünstigungen gibt es aber durch die Mineralölsteuer. Diese Mineralölsteuer ist bis 2018 bei Gas (Flüssig-, Auto- und Erdgas) gestoppt, also man muss keine Steuern zahlen. Eine Verlängerung bis 2024 ist hier in Planung und wird verhandelt.

Wie funktioniert das Tanken und wie viel spart man dabei konkret?

Eigentlich wie beim Benzintanken auch. Man hält nur nicht den Rüssel rein, sondern man schraubt die Pistole auf und muss den Tankknopf gedrückt halten bis der Tank voll ist. Von der Zeit und vom Aufwand her ist es eigentlich gleichzusetzen mit dem normalen Tanken. Man spart sich rund 40 Prozent der Benzinkosten, d.h. wenn man im Monat ca. für 100,- oder 80,- Euro tankt, spart man ungefähr 40,- Euro. Unser Gaspreis liegt derzeit bei 0,57 Euro pro Liter, je nachdem wie viel man verbraucht, kann man bei den Benzinpreisen von aktuell 1,45 bis 1,50 Euro schon viel sparen.

Verändert sich durch das Autogas die Motorleistung?

Die Motorleistung verschlechtert sich kaum, man geht von ca. zwei Prozent aus. Beim Beschleunigen und bei gewöhnlichem Fahrverhalten merkt man kaum Unterschiede, viele Fahrer auch gar keine. Bergauf kann es vorkommen, dass man etwas früher runterschalten muss.

Wie findet man Gastankstellen?

Am einfachsten über die Seite www.gas-tankstellen.de. Hier kann man einfach den Ort oder das Kennzeichen eingeben, aber auch die Straße oder Autobahn, auf der man gerade unterwegs ist. Es werden einem dann alle Tankstellen in der Nähe angezeigt. Es gibt dazu mittlerweile aber auch einige Apps, sogar für ganz Europa.

Wie sieht es bei der Fahrt ins Ausland aus?

Also man braucht sich keine Gedanken machen, dass man nicht rechtzeitig eine Tankstelle findet. Denn man hat ja zum einen noch den Benzintank und zum anderen sind Gastankstellen mittlerweile in Europa wirklich gut verbreitet. Was man beachten muss, sind die Tankanschlüsse, da gibt es in den jeweiligen Ländern Unterschiede. Wobei man eigentlich mit zwei Tankanschlüssen überall durchkommt. Das sind die Anschlüsse ACME und Dish. An unserer Tankstelle haben wir beide Anschlüsse und auch im Ausland sind diese beiden am häufigsten vertreten.

Autogas-Anschlüsse Dish und ACME

Autogas-Anschlüsse ACME und Dish

Ist das Umrüsten noch gefragt?

Ja, es ist schon noch gut gefragt, allerdings hat sich im Web und in den sozialen Medien fälschlicherweise ein schlechtes Bild verbreitet. Denn leider ist es so, dass diejenigen die gute Erfahrungen machen, dass kaum teilen, wohingegen jemand der schlechte Erfahrungen gemacht hat, gerne seinen Dampf ablässt und das überall verbreitet und die schlechte Meinung wird dann von anderen gerne aufgeschnappt.

Wie sieht es mit der Sicherheit aus?

Wenn der Umbau vorschriftsmäßig vorgenommen wurde, kann nichts passieren. Eigentlich sind sogar mehr Sicherheitsvorrichtungen bei Autogas-Tanks eingebaut als bei einem Benzintank. Die Gastanks bestehen aus Metall bzw. es handelt sich um Stahltanks, die 3 bis 4 mm stark sind. Zusätzlich gibt es zwei Sicherheitsventile, die sofort die Gaszufuhr stoppen sobald der Motor aus ist oder es zu einem Aufprall kommt, einmal direkt am Tank und einmal im Motorraum. Dann gibt es noch innen ein Sicherheitsventil, das sich im Falle von Überdruck öffnet und das Gas abfließen lässt. Hier sollte dann natürlich kein Funke in der Nähe sein, aber der Tank selbst kann eigentlich nicht explodieren, das wird bloß immer behauptet.

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