Arbeitszeitmodelle im Überblick

In Handwerksbetrieben wird selten nur von neun bis 17 Uhr gearbeitet. Welche Zeitmodelle sind also im Handwerk sinnvoll? Einen Überblick über beliebte Arbeitszeitmodelle finden Sie im Anschluss.

Gleitzeit: Das flexible Arbeiten

Arbeitgeber verlangen von ihren Angestellten seit Jahren Flexibilität. Umgekehrt müssen auch Chefs zeigen, dass sie flexibel sein können. Aus diesem Grund etablieren einige Handwerksbetriebe Gleitzeit für ihre Angestellten und ermöglichen ihnen so eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.

Die Gleitzeit funktioniert keineswegs für alle Unternehmen. Sinnvoll ist sie insbesondere in Medienunternehmen, wo feste Arbeitszeiten nicht zwingend nötig sind. Im Handwerk ist die Situation etwas problematischer. Wenn man seinen Angestellten das Arbeiten in Gleitzeit anbietet, können sie Arbeitsbeginn und -ende verhältnismäßig frei festlegen. Darunter können Auftragsfristen oder dringend zu erledigende Arbeiten schnell leiden, wenn das Personal nicht vor Ort ist.

Darum müssen Unternehmer sogenannte Kernarbeitszeiten festlegen, in denen die Mitarbeiter im Betrieb anwesend sein müssen. Wenn auf Auftragsbasis, an Bauprojekten mit verschiedenen Gewerksbeteiligungen und in Teams gearbeitet wird, ist die Gleitzeit sonst kaum umzusetzen. Ihre Mitarbeiter hängen schließlich von der Anwesenheit ihrer Kollegen ab. Überlegen Sie aber ruhig, ob Sie das Gleitzeitmodell bei den Mitarbeitern im Betriebsbüro anwenden können.

Funktionszeit: Anwesenheit ist nicht Pflicht

Ein für Handwerksbetriebe interessantes Modell ist die Funktionszeit. Es gibt keine verpflichtenden Zeiten, zu denen Ihre Mitarbeiter anwesend sein müssen. Stattdessen können sie sich ihre Arbeitszeit so einteilen, wie sie es möchten. Einzige Voraussetzungen: Sie halten die gesetzlichen Vorgaben ein und erledigen zuverlässig ihre Arbeit. Aber drohen dann nicht dieselben Risiken wie bei der Gleitzeit?

Da in Handwerksbetrieben oftmals auf Projekt- bzw. Auftragsbasis gearbeitet wird, ist die Funktionszeit durchaus sinnvoll. In einer arbeitsintensiven Periode können Ihre Mitarbeiter etwas länger arbeiten und nehmen sich im Anschluss einige Tage frei. Durch die Funktionszeit sollte die Motivation und Effizienz steigen. Achten Sie aber darauf, dass Sie gute Teams zusammenstellen und die gearbeitete Zeit erfasst und dokumentiert wird. Nur so kann die Funktionszeit rund laufen.

Jahresarbeitszeit: Perfekt für schwankende Auftragslagen

Ein weiteres lukratives Modell für Handwerksbetriebe ist die Jahresarbeitszeit. In vielen Handwerksbetrieben gehen im Sommer übermäßig viele Aufträge ein; im Winter stellt sich eine große Flaute ein. Wenn bei Ihnen ähnliche saisonale Auftrags- und Auslastungsschwankungen auftreten, sollten Sie sich das Modell der Jahresarbeitszeit genauer ansehen.

Das Prinzip ist simpel: Wenn viel zu schaffen ist, wird entsprechend lange gearbeitet; bei einer geringen Auftragslage profitieren Ihre Mitarbeiter von mehr Freizeit. Wie der Name Jahresarbeitszeit vermuten lässt, wird mit jedem Mitarbeiter eine Arbeitszeit in Stunden pro Jahr vereinbart. Steigt die Auftragslage, wird auch die Arbeitszeit erhöht; gibt es wenige Aufträge, sinkt sie wieder. Auf das Gehalt wirkt sich die Jahresarbeitszeit nicht aus.

Achtung: Damit das Modell funktionieren kann, muss ein Arbeitszeitkonto eingerichtet werden. Es funktioniert im Grunde wie ein Sparbuch, nur sammelt es kein Geld, sondern Arbeitsstunden. Laut dem Arbeitszeitreport Deutschland 2016 von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) haben in Deutschland sechs von zehn Personen ein solches Konto. Wichtig ist hierfür also eine adäquate Lösung zur Zeiterfassung.

Vertrauensarbeitszeit: Aufgaben termingerecht abgeben

Wenn Sie ein besonders großes Vertrauen in Ihre Angestellten haben, dann lohnt sich die Vertrauensarbeitszeit. Sie ähnelt ein wenig der Funktionszeit, mit dem Unterschied, dass die Arbeitszeit nicht protokolliert werden muss. Für Sie zählt lediglich, dass die Aufgaben termingerecht erledigt werden.

Voraussetzung für eine funktionierende Vertrauensarbeitszeit sind fähige und vertrauenswürdige Mitarbeiter, die Eigenverantwortung beweisen und hohe Fähigkeiten im Bereich Zeitmanagement mitbringen. Dies wiederum können Sie ihnen beibringen, indem Sie Ihre Mitarbeiter schulen. Natürlich müssen die vereinbarten Aufgaben immer realistisch sein. Setzen Sie die Fristen nicht selbst, sondern sprechen Sie den Zeitplan mit den Angestellten ab.

Übrigens: So schön die Vertrauensarbeitszeit auch ist, lässt sie sich in einigen Branchen nicht etablieren. Seit der Mindestlohn eingeführt wurde, müssen Arbeitszeiten nämlich aufgezeichnet werden.

Arbeitszeitmodelle hängen vom Einzelfall ab

Die vorgestellten Arbeitszeitmodelle haben alle Vor- und Nachteile. Entscheiden Sie für Ihren Betrieb, welches Modell zu Ihrer Arbeitsweise passt. Treffen Sie die Entscheidung aber nicht ohne Absprache mit Ihren Mitarbeitern. Nutzen Sie Modelle und deren Wechsel, um Ihre Mitarbeiter zu motivieren. Vertrauens- und Gleitzeit sind Privilegien, die bei Missbrauch oder Unzuverlässigkeit auch wieder entzogen werden können.

 

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