Anstehende Putzerneuerung ist guter Zeitpunkt für die Wärmedämmung

Bei verputzten Gebäuden stellt sich spätestens dann die Frage nach der Wärmedämmung der Fassade, wenn der Putz ohnehin erneuert werden muss. Denn es könnte sein, dass die Energieeinsparverordnung (EnEV) die Wärmedämmung vorschreibt. Das ist dann der Fall, wenn die Fassadenfläche, an der der Putz erneuert werden soll, 10 Prozent oder mehr der Gesamtfläche des jeweiligen Bauteils beträgt. Soll also mehr als 10 Prozent einer Außenwand neu verputzt werden, muss diese Außenwand so aufgerüstet werden, dass sie die Wärmeschutzvorgaben der EnEV erfüllt. Die anderen Wände können bleiben, wie sie sind, sofern dort nicht ebenfalls 10 Prozent der Fläche oder mehr erneuert werden.

Putzerneuerung meint übrigens, dass der alte Putz abgeschlagen und neuer aufgetragen wird. Putzreparaturen ohne Abschlagen des alten Putzes sind keine Erneuerung im Sinne der Verordnung.

Diese Gebäude sind von der Dämmpflicht befreit

Natürlich gibt es auch Ausnahme- und Sonderregelungen. Etwa für Gebäude, die unter Einhaltung energiesparrechtlicher Vorschriften nach dem 31. Dezember 1983 errichtet oder erneuert worden sind. Oder für Fälle, bei denen die Dämmschichtdicke aus technischen oder rechtlichen Gründen begrenzt sind. So entfällt die Pflicht zur Einhaltung der von der EnEV geforderten Dämmschichtdicke bei einer Grenzbebauung, bei der die EnEV-konforme Dämmschichtdicke dazu führen würde, dass der Bauherr das Grundstück des Nachbarn überbaut.

Dies gilt jedoch nicht, soweit auf Grund von landesrechtlichen Regelungen (z.B. in den Landesnachbarrechtsgesetzen) eine Pflicht des Nachbarn zur Duldung des Überbaus besteht. Das ist inzwischen in immer mehr Bundesländern der Fall. So darf in Niedersachsen seit dem 1. August 2014 Dämmung bis zu 25 Zentimeter auf das Nachbargrundstück ragen. Gleiches gilt in Baden-Württemberg bereits seit Februar 2014.

Nicht gedämmt werden muss auch, wenn die von der Verordnung geforderte zusätzliche Wärmedämmung bei Fensterlaibungen, Dachüberständen, Zierelementen an der Fassade oder Ähnlichem so teuer werden würde, dass sie eine unbillige Härte darstellen. In diesen Fällen müsste die nach Landesrecht zuständige Behörde auf Antrag entscheiden, inwieweit eine Befreiung von den Anforderungen der EnEV möglich ist.

Dämmung verursacht kaum Mehrkosten

Solche Fälle dürften jedoch eher selten sein. In der Regel schneiden Wärmedämmmaßnahmen, die durchgeführt werden, wenn ohnehin eine Putzerneuerung ansteht, bei Betrachtung der Wirtschaftlichkeit gut ab. Der Grund: Bei der Putzerneuerung fallen neben Gerüstkosten auch Kosten für das Abschlagen des alten Putzes, das Herrichten der Wand für den neuen Putz und das Verputzen an. Wird dagegen eine Dämmung aufgebracht, kann der alte Putz meist an der Fassade bleiben. Bei der Fassadensanierung mit einem Wärmedämmverbundsystem beispielsweise wird der Dämmstoff in der Regel direkt auf den alten Oberputz geklebt.

Hinzu kommt, dass die Wärmedämmung künftig Energiekosten einspart, während sich durch eine reine Putzsanierung am Verbrauch nichts ändert. Außerdem kann der Bauherr für die Außendämmung auf einen zinsgünstigen Kredit der staatlichen Förderbank KfW zurückgreifen, die Finanzierung der Putzsanierung ist teurer.

Fazit: Auf den ersten Blick erscheint die Dämmung aufgrund der hohen Kosten für das Dämmsystem teurer als die Putzsanierung, auf lange Sicht ist sie aber vermutlich die wirtschaftlichere Variante. Dies zumal eine Wärmedämmung meist auch den Wohnkomfort erhöht und zum Werterhalt einer Immobilie beiträgt.

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