Als Frau im Sanitär- und Heizungsbau? Warum nicht?

In vielen Handwerksberufen sind Frauen oder gar Meisterinnen häufig noch eine Seltenheit. Und das, obwohl es viel Abwechslung gibt und tolle Aufstiegsmöglichkeiten vorhanden sind. Welche das z.B. in der Branche des Sanitär- und Heizungsbaus sind, erklärt Kerstin Hübscher in einem Interview. Außerdem erklärt sie uns, was es mit der Verwechslung zum Klempner auf sich hat und wo sie die Zukunft des Handwerks sieht.

Wie sind Sie dazu gekommen, den Beruf der Installateur- und Heizungsbauerin zu erlernen?

Grundsätzlich war es der Betrieb meiner Eltern, den ich nach meiner Ausbildung übernehmen wollte. Meine Eltern haben mich nie dazu gezwungen deren Betrieb zu übernehmen und das war gut so. Ich durfte meine Berufswünsche, z. B. Tierärztin zu werden, frei äußern. Allerdings hat es sich bereits in der fünften Klasse herauskristallisiert, dass ich zum Handwerk tendiere. Damals gab es die Wahlfächer „Werken“ oder „Handarbeit“. Hier wählte ich als einziges Mädchen das Fach „Werken“. Mit 15 Jahren machte ich dann Praktika als Gas- und Wasserinstallateurin und bei einem Sanitärgroßhändler. Damit war meine Entscheidung gefallen.

Wie lange üben Sie diesen Beruf bereits aus und was gehört zu Ihrem Alltag?

Am 01.September 1993 fing ich an. Mein Alltag hat sich jedoch im Laufe der Zeit sehr gewandelt. Während der Berufsausbildung war ich auf der Baustelle und im Kundendienstbereich tätig. Anschließend machte ich meine Gesellenjahre, bis ich zur Meisterschule gehen konnte. Die Meisterprüfung zur Installateur- und Heizungsbauerin legte ich erfolgreich ab. Nun war mein Aufgabengebiet die Kundenbetreuung, Kalkulation, Angebotserstellung, Rechnungsschreibung und Einteilung der Monteure. Im Jahr 2001 kam mein Mann in den Betrieb. Mit der Geburt unserer Kinder kam es zum größten Wandel. Ich erlernte die Lohn- und Finanzbuchhaltung und betreue diesen Bereich bis heute.

Was war Ihre Motivation, die Meisterprüfung abzulegen?

Die Meisterprüfung war von Anfang an mein Ziel. Ich legte eine sehr gute Gesellenprüfung ab und erhielt dafür einen Anerkennungspreis der Stadt Nürnberg. Die Meisterprüfung absolvierte ich in Nürnberg als Jahrgangsbeste/r und erhielt den Meisterpreis der bayrischen Staatsregierung „Meisterin im Installateur- und Heizungsbauerhandwerk“. Danach habe ich noch den Betriebswirt des Handwerks bei der Handwerkskammer für Mittelfranken gemacht und erhielt erneut den Meisterpreis der bayrischen Staatsregierung als „Betriebswirt des Handwerks“.

Was sind die Vorteile als Installateur- und Heizungsbauermeisterin?

Der Beruf ist sehr vielseitig und macht großen Spaß. Ein Vorteil als Meister oder Meisterin ist, dass man, falls man das will, mittelfristig im Büro arbeiten kann. Es besteht die Möglichkeit der Fortbildung zur Technikerin oder zur Energieberaterin. Ebenso kann man in einem Architekturbüro landen. Gerade als Frau sollte man die Meisterausbildung anstreben und nicht ewig Gesellin bleiben.

Haben Sie schlechte Erfahrungen als Frau in diesem Berufsstand gemacht? Wenn ja, welche?

Eigentlich weniger. Man braucht natürlich schon ein dickes Fell, gerade auf der Baustelle. Da muss man sich, gerade als Frau, schon den ein oder anderen Spruch anhören. Auch gibt es häufig nur ein Baustellen-WC, das man miteinander teilt.
Wenn man im Büro als Frau ans Telefon geht, dann sagt der eine oder andere Kunde schon mal: „Geben Sie mir doch bitte mal jemanden aus der technischen Abteilung“. Da entgegne ich dann: „Das können Sie mir auch sagen“.
Während und nach meiner Ausbildungszeit haben mich die Gesellen gerne dabei gehabt. Sie können relativ schnell beurteilen, ob jemand für den Beruf geeignet ist oder nicht.
Der Kundenkontakt war aber immer positiv, da habe ich keine schlechten Erfahrungen gemacht.

Wie viele Frauen waren neben Ihnen im Meisterkurs?

Gar keine. Auch in meiner Berufsschulklasse war keine dabei. Auf dem Pausenhof der Berufsschule in Nürnberg waren wir etwa zehn junge Frauen. Man muss allerdings dazu sagen, dass das riesige Gebäude der Schule zehn Stockwerke hat und verschiedene handwerkliche Berufe dort erlernt werden. Trotzdem waren es so wenige Frauen.

Wie ist der heutige Stand einer Frau im Handwerk aus Ihrer Sicht?

Ich würde sagen, im Sanitär- und Heizungsfach noch schwierig. In diesen Betrieben, in denen Frauen als Handwerker arbeiten, müssen z.B. separate Sozialräume und Duschen vorhanden sein. Viele Betriebe müssten deshalb umbauen.
Grundsätzlich kommt es natürlich auf das einzelne Handwerk an, aber Männer werden in der Regel trotzdem noch bevorzugt. Beim Schreiner ist der Wechsel schon gut gelungen, da kommen immer mehr Frauen zum Zug; beim Konditor sowieso. In unserem Gewerk des reinen Sanitär- und Heizungsbetriebs sind schon noch sehr wenige Frauen als Handwerker angestellt.

Kerstin Hübscher im BüroWie oft kommt es zu Verwechslungen Ihrer Berufsbezeichnung? Bzw. wo ist der Unterschied zum Klempner-Beruf?

Wir hatten einmal einen Bewerber da, der gefragt hat, ob wir Babyfläschchen ausspülen, weil er einen Sanitärbetrieb mit einem Sanitätshaus verwechselt hat. Man sollte sich natürlich immer vorher informieren.
Beim Klempner gibt es große Verwechslung. Im süddeutschen Raum wird der Klempner, von Region zu Region unterschiedlich, auch Flaschner oder Spengler genannt und ist ein blechbe- und verarbeitender Beruf.
Er wird aber oft so dargestellt, dass der Klempner ein Gas- und Wasserinstallateur sei und das stimmt nicht. Bestimmt kommt das auch von der berühmten Comicfigur „Werner“, der als Klempner bezeichnet wird. Reinhard Mey singt in dem bekannten Lied „Ich bin Klempner von Beruf“ ebenfalls ausschließlich über Sanitär- und Heizungsarbeiten.
Was sind die größten Herausforderungen in Ihrem Beruf?

Den Respekt der Mitarbeiter zu bekommen. Da ist es von Vorteil, wenn man als Frau aus einem Handwerksbetrieb kommt, bereits auf der Baustelle war und dort seine Erfahrungen gemacht hat. Im Meisterkurs wird man auch andauernd gefragt, wie es als Frau in diesem Beruf so läuft und wird oft auf die Probe gestellt. Wenn man den Beruf selbst ausgeübt hat, kann man da gute Antworten finden. Und wenn man sich irgendwann die Anerkennung erarbeitet hat, hört das ständige Hinterfragen auf. Kompetenzen in Personalführung und Organisationstalent braucht man aber in meiner Position auf jeden Fall auch.


Was ist das Interessanteste an Ihrem Job?

Als Geselle ist der Job sehr abwechslungsreich. Jeden Tag gibt es andere Arbeiten zu tun, gerade wenn man frisch aus der Schule kommt. Morgens bekommt man seinen Auftragszettel in die Hand gedrückt und muss dann die Kunden besuchen. Dabei lernt man unterschiedlichste Menschen kennen, was oft sehr interessant ist.

Welche Fertigkeiten muss man für diesen Beruf mitbringen?

Interesse und handwerkliches Geschick sind die Grundvoraussetzungen. Als Kind sollte man schon einmal eine Säge oder ein Bohrmaschine in der Hand gehalten haben. Das gibt es leider immer weniger. Ich erlebe oft, dass Lehrlinge noch nie einen Schraubendreher oder eine Wasserwaage benutzt haben. Aber es gibt auch Jugendliche, die daheim selbst etwas bauen bzw. Modell bauen und sich dann entsprechend geschickt anstellen.

Welches war Ihr bisher schönstes Erlebnis?

Auf einer Baustelle gab es einen Gesellen, der mir nicht zugetraut hatte, die Löcher für eine Urinalbefestigung an der richtigen Stelle zu bohren. Da er aus Zeit- oder Bequemlichkeitsgründen das Wasser nicht abgesperrt hatte, wollte er die Löcher unbedingt selber bohren. Ich sollte das Urinal dann hinhängen und unbedingt aufpassen, dabei nicht versehentlich auf den Drücker des Spülers zu kommen, da ich ansonsten nass würde. Normalerweise sperrt man deshalb das Wasser ab, aber das wollte er ja nicht machen. Dann habe ich eben versucht, das Urinal hinzuhängen und habe festgestellt, dass die Löcher falsch gebohrt waren. Ich habe ihm das gezeigt und er meinte: „Das kann gar nicht sein! Lass mich mal da hin!“. Bei dem Versuch das Urinal hinzuhängen kam er an den Auslöser des Druckspülers und er wurde von oben bis unten nassgespritzt. Das war in diesem Moment sehr lustig. Solche und ähnliche Erlebnisse bereichern den Alltag.

Was raten Sie Frauen, die diesen Beruf zukünftig erlernen wollen?

Sie sollten ein klares Ziel vor Augen haben, z.B. die Meisterprüfung, den Energieberater oder den Techniker. Es gibt so viele Entwicklungsmöglichkeiten in diesem Beruf. Da kann man als Frau ohne weiteres eine Ausbildung machen.
Frauen können mit dem erlernten Fachwissen in die Kalkulation- bzw. Angebotsabteilungen größerer Handwerksbetriebe gehen, können bei einem Hersteller in der Industrie Karriere machen oder im Innen- oder Außendienst der Großhändler arbeiten. Auch für Planungs- oder Architekturbüros ist fundiertes Wissen aus der Praxis sehr wichtig.
Überall werden in der Branche händeringend gute Leute gesucht. Ein Blick in die Stellenanzeigen der Tageszeitungen sagt alles.

Wo sehen Sie die Zukunft des Handwerks?

Der Beruf wird einerseits immer anspruchsvoller, andererseits gibt es immer weniger qualifizierten Nachwuchs. Es wird deshalb so kommen, dass eine Handwerkerstunde zusehends teurer wird. Die Technik, die ständig komplizierter wird, lässt neue Nischen entstehen, die entsprechendes Fachwissen erfordern. Ein Monteur kann heute gar nicht mehr alle Bereiche seines Berufs abdecken. Da braucht es mehr Spezialisten, was den Beruf wiederum interessanter macht.

Autorin: Pia Schmitt

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