Wenn sich das neue Parkett wölbt oder senkt – Aufklärungspflicht des Verlegers

Holz ist für viele Menschen ein Material, das aufgrund seiner Eigenschaften ein Gefühl von Behaglichkeit und Wärme ausstrahlt. Gerne wird es daher beim Einrichten der eigenen vier Wände verwendet. Dabei gehört ein Parkettboden für viele zu einer hochwertigen Innenausstattung. Ärgerlich, wenn das edle Aussehen diesem Anspruch dann so gar nicht entspricht.

Holz lebt noch lange weiter

Dabei sollte man beachten, das Holz ein lebendiger Werkstoff ist. Zuviel Wärme verbunden mit einer dauerhaften Luftfeuchtigkeit unter 50 Prozent ist eine mögliche Ursache für sogenannte Schüsselungen. Diese hat man sich als Verformungen längs der Mitte der Parkettbretter vorzustellen. Fachleute unterscheiden konvexe und konkave Schüsselungen je danach, ob sich die Mitte einzelner Brettchen hebt oder senkt. Beides sieht verständlicherweise nicht schön aus.

Parkett muss ohne weiteres nur zur gewöhnlichen Nutzung taugen

Eben diese Schüsselungen waren bei einem Ehepaar aufgetreten, nachdem es sich von einem Fachbetrieb einen neuen Parkettboden für fast 20.000 Euro hatte verlegen lassen. Unzufrieden mit der Situation zahlten sie den noch ausstehenden Restwerklohn für die Arbeiten nicht. Der Handwerker klagte dagegen. In der Verhandlung behauptete er, die Gründe für das deformierte Parkett lägen im Heizverhalten der Eheleute. Im Raum herrsche dauerhaft eine Temperatur von über 25° C und eine Luftfeuchtigkeit von unter 20 Prozent. Das habe zu einer extremen Austrocknung des Holzes und zu Schüsselungen geführt. Ein Sachverständiger bestätigte diese Ansicht. Das Ehepaar entgegnete darauf, der Unternehmer hätte auf dieses Problem im Vorfeld hinweisen müssen und trage die Schuld dafür. Das Gericht verneinte diesen Standpunkt. Ohne Anhaltspunkte für außergewöhnliche Umstände, zu denen starkes Heizen zähle, habe ein Unternehmer nur darauf zu achten, dass sein Werk zum gewöhnlichen Gebrauch tauge.

Pflegehinweise in Broschüre genügten

Die Ehepartner hätten vorher mit keinem Wort ihr Heizverhalten erwähnt. Der Hersteller habe zudem den Auftraggebern hier zwar erst fünf Wochen nach der Fertigstellung, nach Meinung des Richters aber immer noch rechtzeitig, eine Broschüre zur richtigen Pflege des Parketts übergeben. Darin stehe unter anderem der Hinweis, welche Raumtemperaturen und Luftfeuchtigkeit dauerhaft gegeben sein müssen. Die Beklagten mussten daher den restlichen Lohn zahlen.

(LG Saarbrücken, Urteil v. 14.12.2010, Az.: 15 O 200/10)

(GUE)

Quelle: anwalt.de

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