Zentrale Warmwasser-Bereitung oder Durchlauferhitzer?

Bei der Sanierung alter Gebäude haben Hausbesitzer oft viele Entscheidungen zu treffen. Ein Beispiel hierfür ist die Art der Warmwasserversorgung. Zumindest dann, wenn auch die Heizung saniert wird. Bei der Wahl von zentraler Warmwasser-Bereitung oder Durchlauferhitzer sind viele Eigentümer erst einmal unsicher. In den folgenden Abschnitten erklären wir die Funktionsweise beider Systeme und geben einen Überblick darüber, wann sich eine zentrale Warmwasser-Bereitung oder ein Durchlauferhitzer lohnt.

Wie funktioniert die zentrale Warmwasserbereitung?

Die zentrale Warmwasser-Bereitung ist das am weitesten verbreitete System. Ein Kessel erzeugt Wärme, die je nach Bedarf für die Beheizung des Gebäudes oder die Erwärmung des Trinkwassers genutzt wird. Wie ein Tauchsieder eine Tasse Wasser erhitzt, fließt dabei warmes Heizungswasser durch eine Rohrschleife in einem mit Trinkwasser gefüllten Speicher. Wird irgendwo im Haus der Wasserhahn geöffnet und warmes Wasser benötigt, fließt es angetrieben vom Druck im Netz automatisch vom Speicher zur jeweiligen Zapfstelle. Da dabei immer auch kaltes Wasser nachströmt, muss der Speicher in regelmäßigen Abständen vom Kessel aufgeheizt werden.

Hinweis: Durch die Installation eines Trinkwasserspeichers ist es möglich, die Warmwasser-Bereitung in weiten Teilen des Jahres über die Sonne zu ermöglichen und die Heizung zu entlasten. Wie das funktioniert, haben wir im Beitrag „Solarthermie: Erneuerbare Wärme für das Zuhause“ erklärt.

Skizze Wasserinstallation, Haus mit zentraler Warmwasser-Bereitung

Bildquelle: © Alexander Rosenkranz

Etwas anders funktioniert die zentrale Warmwasserbereitung bei kompakten Brennwert-Thermen oder anderen Heizsystemen ohne Trinkwasserspeicher. Denn hier wird das Brauchwasser über einen Wärmeübertrager im Kessel erst dann erzeugt, wenn das warme Wasser benötigt wird. Vor allem in der Übergangs- und Sommerzeit, in der der Wärmeerzeuger nicht für die Heizung benötigt wird, kann das zum sogenannten Takten führen. Das heißt, der Kessel geht häufig an und wieder aus.

Unabhängig davon, ob die zentrale Warmwasser-Bereitung mit oder ohne Speicher ausgeführt wird, fließt das warme Trinkwasser über ein eigenes Leitungsnetz durch das gesamte Haus. In großen Gebäuden mit langen Verteilnetzen kann es dabei passieren, dass das Wasser längere Zeit in den Rohren steht und abkühlt. Da die vorherrschenden Temperaturen ideal für das Wachstum von Legionellen, Keimen und Bakterien sind, müssen unter bestimmten Voraussetzungen Maßnahmen getroffen werden, die eine gefährliche Ausbreitung eindämmen. Eine Möglichkeit bietet zum Beispiel eine Zirkulationsleitung. Diese verbindet die letzte Entnahmestelle im Trinkwassernetz mit dem Speicher und stellt sicher, dass kein lauwarmes Wasser im System steht.

Hinweis: Bei geringen Konzentrationen geht von Legionellen im Trinkwasser keine Gefahr aus. Krankheiten können nur dann auftreten, wenn Legionellen über die Luft aufgenommen werden. Das passiert zum Beispiel, wenn das Wasser beim Duschen zerstäubt wird.

Wichtig zu wissen ist, dass in allen Stationen, die das Trinkwasser im Haus durchläuft, auch Wärmeverluste auftreten. Das heißt, je nach Qualität der Dämmung kühlt es sich im Speicher, in den Verteilleitungen und in der Zirkulation langsam ab. Diese Energie muss vom Kessel zusätzlich bereitgestellt werden.

Die Kosten für jede Kilowattstunde Wärme, die über die zentrale Anlage zur Warmwasser-Bereitung erzeugt wird, entsprechen in etwa dem Preis der eingesetzten Brennstoffe. Bei einer Gas-Heizung kostet die Wärme für eine Badewannenfüllung dabei rund 40 Cent.

Die wichtigsten Informationen zur zentralen Warmwasser-Bereitung im Überblick:

  • Wärme für Trinkwasser und Heizung wird von einem Kessel erzeugt
  • bei Anlagen mit Speicher kann Trinkwasser über Solarenergie erhitzt werden
  • Wasser fließt von Speicher oder Kessel zum Wasserhahn, sobald dieser geöffnet wird
  • in größeren Anlagen sind Maßnahmen zum Schutz vor Legionellen erforderlich
  • bei Speicherung, Verteilung und Legionellen-Schutz treten Energieverluste auf
  • die Kosten jeder Kilowattstunde Wärme entsprechen den Brennstoffpreisen
  • die Wärme für eine Badewannenfüllung Trinkwasser kostet etwa 40 Cent

Wie funktioniert ein Durchlauferhitzer?

Anders als bei der zentralen Warmwasser-Bereitung, bei der Trinkwasser über die Heizungsanlage erhitzt wird, befinden sich Durchlauferhitzer in der Regel unmittelbar in der Nähe der Zapfstelle. Als kompakte Geräte, die bei einer Tiefe von wenigen Zentimetern oft nicht größer als ein DIN-A4-Blatt sind, können sie auch versteckt installiert und direkt über die Steckdose angeschlossen werden. Durchlauferhitzer entkoppeln die Heizung von der Warmwasserbereitung und führen dazu, dass Heizkessel außerhalb der Heizperiode komplett abgeschaltet werden können.

Skizze Wasserinstallation Haus mit Durchlauferhitzer

Bildquelle: © Alexander Rosenkranz

Wird der Wasserhahn geöffnet, erhitzt ein Wärmeübertrager im Durchlauferhitzer sofort die benötigte Trinkwassermenge. Ohne lange Anbindeleitungen oder Speicher haben effiziente Geräte dabei fast keine Wärmeverluste. Das heißt, es muss nur so viel Wärme erzeugt werden, wie tatsächlich benötigt wird.

Hinweis: Die meisten Durchlauferhitzer sind als offene, nicht druckfeste Gefäße ausgeführt. Das heißt, sie werden direkt durchflossen und könnten bei einem zu hohen Druck im Trinkwassernetz Schaden nehmen. Um das zu verhindern, sind sogenannte Niederdruck-Armaturen erforderlich.

Ein weiterer Vorteil eines dezentralen Durchlauferhitzers ist, dass kein warmes Wasser im System steht und somit auch die Legionellen-Gefahr nahezu ausgeschlossen werden kann. Aufwendige Maßnahmen zum Schutz vor einer gesundheitsgefährdenden Legionellen-Ausbreitung sind damit bei komplett dezentral ausgeführten Systemen nicht erforderlich.

Dezentrale Durchlauferhitzer haben eine begrenzte Zapfleistung. In Leistungsklassen von etwa 3 bis über 20 kW sind sie dabei für unterschiedliche Zwecke geeignet. Während ein kleines Gerät mit 3 bis 4 kW für die Versorgung eines Wasserhahns ausreichend ist, benötigen vor allem Duschen und Wannen durch den größeren Durchfluss auch Geräte mit höherer Leistung. Zum Nachteil kann diese begrenzte Zapfleistung dann werden, wenn zum Beispiel mehrere Zapfstellen einer Wohnung an den gleichen Durchlauferhitzer angeschlossen werden. Denn dann können selten alle gleichzeitig mit warmem Wasser versorgt werden.

Hinweis: Durch die hohe Strom-Anschlussleistung der Durchlauferhitzer muss auch das vorhandene Stromnetz angepasst werden. So sollten ausreichende Leitungsquerschnitte und Sicherungen gewählt werden.

Da Durchlauferhitzer ohne zentralen Speicher installiert werden, ist eine Kombination mit einer Solarthermieanlage nicht möglich um die Kosten der Warmwasserbereitung zu senken.

Während zentrale Heizungsanlagen mit Gas, Holz oder Pellets relativ günstig arbeiten, werden Durchlauferhitzer meist mit Strom betrieben. Eine Kilowattstunde Wärme kostet dabei aktuell 28 Cent. Für eine warme Badewanne müssen Hausbesitzer etwa 1,25 € zahlen.

Die wichtigsten Informationen zu Durchlauferhitzern im Überblick:

  • Wärme für Trinkwasser wird unabhängig von der Heizung installiert
  • Solarthermie-Anlagen können nicht kombiniert werden
  • durch die Installation nahe den Zapfstellen entstehen kaum Wärmeverluste
  • durch kurze Anbindeleitungen sind keine Maßnahmen zum Legionellen-Schutz nötig
  • die Kosten jeder Kilowattstunde Wärme entsprechen den Strompreisen
  • die Wärme für eine Badewannenfüllung Trinkwasser kostet etwa 1,25 €

 

Zentrale Warmwasser-Bereitung oder Durchlauferhitzer – Was ist besser?

Eine klare Antwort auf die Frage, ob die zentrale Warmwasser-Bereitung besser ist als ein Durchlauferhitzer, gibt es nicht. Denn beide Systeme haben Vor- und Nachteile. Betrachtet man die Verbrauchskosten, punktet die zentrale Anlage. Auch die Möglichkeit, kostenlose Solarenergie zu nutzen, spricht deutlich für die Warmwasser-Bereitung über die Heizung.

Sollen jedoch Zapfstellen versorgt werden, die entweder weit entfernt von der Heizung liegen oder nur sehr selten benutzt werden, können diese auch in zentral versorgten Anlagen mit einem Durchlauferhitzer ausgestattet werden. Diese Hybrid-Lösung senkt die Verteilungsverluste und minimiert die Legionellen-Gefahr.

Sinnvoll sind Durchlauferhitzer auch in Gebäuden, die nur vorübergehend genutzt werden oder ganz und gar ohne Heizung ausgestattet sind. In Garten- oder Ferienhäusern zum Beispiel werden sich die Investitionen einer eigenen Heizungsanlage trotz höherer Verbrauchskosten selten lohnen.

Alexander Rosenkranz
Letzte Artikel von Alexander Rosenkranz (Alle anzeigen)

/ DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

FOLGEN SIE UNS

Alle Rechte vorbehalten © Portal United GmbH 2021