Erdwärmeheizung: Auf dem Boden bleiben – die Kraft der Erde

Wenn es um den Hausbau oder die Sanierung von Häusern geht, kommt man an der Frage, welche Heizung man einbaut, nicht vorbei. Bleibt man bei den klassischen Öl- oder Gasheizungen oder wechselt man zu den nachhaltigen und umweltbewussteren neuen Systemen? Eines dieser noch jungen Systeme ist die Erdwärmeheizung, doch wie genau funktioniert das eigentlich? Wir klären über die Funktion und Anwendungsmöglichkeit der Erdwärmeheizung auf.

Aufbau des Systems

Um Erdwärme nutzen zu können, gibt es verschiedene Systeme. Am bekanntesten ist die Erdwärmeförderung über tiefe Bohrungen. Der Erdkern strahlt mehrere 1000° C Temperatur aus. Je näher man zur Oberfläche der Erde kommt, desto weniger merkt man noch von der ausgestrahlten Temperatur. Oberflächennahe Schichten bis etwa 20 m Tiefe werden von Wettertemperaturen beeinflusst. Ab etwa 20 m Tiefe pendelt sich ein Gleichgewichtszustand ein wodurch klimatisch bedingte Schwankungen durch die Erdoberfläche nicht mehr feststellbar sind. In dieser Tiefe herrscht die Jahresmitteltemperatur des jeweiligen Standortes.

Danach steigt die Temperatur mit zunehmender Tiefe langsam an. Je nach Standort werden für die Erdwärmeheizung mehrere Bohrungen von bis zu 250 m Tiefe gebohrt. Um diese Bohrungen durchführen zu müssen, ist jedoch ein Gutachten und eine Genehmigung erforderlich. In die Bohrungen werden dann meist Kunststoffrohre eingelassen die mit einem Wärmeträger befüllt sind. Meist ist das ein Gemisch aus Wasser und Frostschutzmittel. Die Rohre bilden einen geschlossenen Kreislauf der über einen Wärmetauscher mit der Oberfläche verbunden ist. Das Gemisch im Inneren der Rohre nimmt die Wärme aus den tiefen Bodenschichten auf und transportiert sie nach oben, um sie dort an den Wärmetauscher abzugeben.

So funktioniert´s

Im Wärmetauscher befindet sich eine Flüssigkeit, die schon bei sehr niedrigen Temperaturen verdampft und die geförderte Wärme der Bodenrohre sehr gut aufnimmt. In einem Kompressor wird das entstehende Gas dann unter Druck gesetzt. Dadurch wird die Temperatur noch einmal gesteigert, sodass sie ausreicht um das Heizsystem zu versorgen.
Im nächsten Schritt gibt das Gas die Temperatur an das Wasser im Heizsystem ab und wird wieder flüssig, um den gleichen Vorgang wieder und wieder durchzuführen. Das System besteht also aus drei geschlossenen Kreisläufen, welche untereinander Wärme tauschen. Umgekehrt kann das System auch im Sommer verwendet werden, um das Haus zu kühlen. Die Erdwärmeheizung über Sonden wird am häufigsten eingesetzt. Sie ist meist wartungsfrei und bedarf nur wenig Platz. In Verbindung mit einem Solarsystem auf dem Dach, zur Nutzung der Sonnenenergie, ist keine Zentralheizung für den Sommer notwendig.

Kosten und Genehmigungen

Die Anschaffungskosten dieser Heizung sind im Vergleich zu anderen Heizungen sehr teuer. Für die Bohrung spricht man im Schnitt von 50€ pro Tiefenmeter. Die folgenden Betriebskosten sind jedoch sehr viel günstiger als bei vergleichbaren Systemen. Es entfallen zum Beispiel keine Kosten für Rohstoffe wie Öl oder Gas. Da nichts verbrannt wird, entfallen zusätzlich die Kosten für den Kaminkehrer. Im Schnitt liegen die Betriebskosten der Erdwärmeheizung nur bei etwa 30-40% der Kosten, die herkömmliche Öl- oder Gasheizungen benötigen. Mit den vorhersehbaren steigenden Rohstoffkosten wird die Preisschere noch weiter aufgehen. Im Vergleich zu einer Ölheizung rechnen sich die teureren Anschaffungskosten einer Erdwärmeheizung schon nach 5-10 Jahren. Erschrecken Sie jedoch nicht bei Ihrer Stromrechnung. Durch die Verwendung der Pumpen erhöht sich der jährliche Stromverbrauch. Das wurde jedoch bei der obigen Rechnung schon beachtet.

Für jede Bohrung bis zu 100 m Tiefe ist eine Genehmigung der unteren Wasserbehörde erforderlich. Zudem bedarf es einer Anmeldung der Bohrung beim geologischen Landesamt.
Bei Bohrungen von mehr als 100m Tiefe müssen zusätzlich bergrechtliche Vorschriften vom geologischen Landesamt beachtet und Genehmigungen eingeholt werden. Um Ihnen die Arbeit zu erleichtern, kann die Einholung der Genehmigungen als Leistung im Vertrag mit der planenden oder ausführenden Firma festgehalten werden.

Das passende Unternehmen finden

Wer sich nun überlegt eine solche Heizung einzubauen, sollte bei der Wahl des Unternehmens folgendes beachten. Das Unternehmen sollte nach DVGW-Arbeitsblatt W 120 bzw. W 120-2 zertifiziert sein. Weiter muss es die Mindeststandards der VDI-Richtlinie 4640 erfüllen. Es wird empfohlen die Arbeiten und den Schriftverkehr mit den Behörden von einem externen Ingenieurbüro überwachen zu lassen.

Hier finden Sie eine Übersicht von Heizungsbau-Betrieben in Deutschland auf meister.de.

 

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